Diese Schwyzer Eishockeyspielerin gibt nicht auf

Die Schwyzerin Nadine Hofstetter gehört im Nationalteam trotz ihren 25 Jahren zu den unerfahrenen Spielerinnen.

Daniel Monnin
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Kämpft um einen WM-Platz: die Schwyzer Verteidigerin Nadine Hofstetter in Diensten des SC Reinach.

Kämpft um einen WM-Platz: die Schwyzer Verteidigerin Nadine Hofstetter in Diensten des SC Reinach.

Bild: Anouck Hofmann

Die Liste ist lang, die verletzungsbedingten Absenzen ebenfalls: 24 Monate haben verschiedene Verletzungen in den letzten 10 Jahren die Verteidigerin von den Eisflächen ferngehalten. Bänderrisse an der linken Schulter, diverse Hirnerschütterungen, muskuläre Probleme im Nackenbereich. Das Wort «aufgeben» hat sie in dieser Zeit aus ihrem Wortschatz gestrichen. «Ja», lächelt Nadine Hofstetter, «dafür habe ich einfach zu viel Spass am Eishockey. Es hat sich bis jetzt immer wieder gelohnt, zurückzukommen, für das Comeback zu arbeiten.»

Die ehemalige U18-Nationalspielerin (drei WM-Teilnahmen) hat nach ihrer Ausbildung in Küssnacht und Seewen früh zum Frauen-Team der ZSC Lions gewechselt und gewann in den vier Jahren in Zürich dreimal den Meistertitel. Der eigentliche Aufstieg – trotz erneuten Verletzungen – gelang der aktuellen Nationalspielerin allerdings erst nach dem Transfer zum Reinacher Frauen-Team vor drei Jahren. Sie spricht von einer deutlichen Leistungsentwicklung: «Ich habe mich steigern können, mehr Vertrauen und auch mehr Verantwortung erhalten.» Zudem habe sie gespürt, dass sie in ihrem neuen Team etwas beeinflussen könne. «Je mehr Selbstvertrauen du hast, desto besser spielst du, desto mehr traust du dir zu.»

Im Club eher offensiv, für die Schweiz defensiv

Heute steht Verteidigerin Hofstetter für schnelles Umschalten, einen guten ersten Pass und sie traut sich auch zu, selber aktiv zu werden und offensiv zu spielen. Drei Treffer und 10 Assists in 18 Spielen deuten darauf hin, dass die Schwyzerin in Reinach zu den Aktivposten zählt. In der Frauen-Nationalmannschaft, für die sie bisher in drei Jahren 24 Spiele bestritten hat, sieht sich Hofstetter eher als defensiv ausgerichtete Spielerin. «Ich gehöre zwar bereits zu den älteren Spielerinnen im Team, aber mir fehlt die internationale Erfahrung. Nichtsdestotrotz versuche ich meine offensiven Fähigkeiten einzusetzen, wenn sich denn eine Möglichkeit dazu ergibt.»

Viel zur positiven Entwicklung hat auch die stabile berufliche und private Situation beigetragen. Sie wohnt seit Jahren in Immensee und arbeitet seit nunmehr zehn Jahren für den gleichen Arbeitgeber. «Ich habe 2010 bei der Schwyzer Kantonalbank meine Sport-KV-Lehre Vinto begonnen und 2014 abgeschlossen. Nach einem Jahr am Schalter in der Filiale in Küssnacht bin ich seit Sommer 2015 in der Abteilung Produktmanagement in Schwyz tätig.» Zudem steht sie kurz vor dem Abschluss ihrer Weiterbildung zur Betriebswirtschafterin an der Höheren Fachschule Wirtschaft in Zug.

Die Zukunft liegt eher nicht im Ausland

Nadine Hofstetter hat in dieser Saison seit November alle 10 Länderspiele des Frauen-Nationalteams bestritten – unter anderem letzte Woche auch das Finalturnier der European Hockey Tour in Schweden. Als Fixstarterin sieht sie sich allerdings (noch) nicht. «Klar rechne ich mir Chancen aus, im April meine erste WM in der A-Nati bestreiten zu können», sagt sie. Doch so richtig überzeugt ist sie davon nicht, denn «ich habe in Schweden für meinen Begriff zwar gut gespielt, aber weniger Eiszeit erhalten als andere Verteidigerinnen.»

Den Weg ins Ausland, den viele ihrer Nationalmannschaftskolleginnen – unter anderem auch die Luzernerinnen Lara Stalder (Schweden) und Oona Emmenegger (College in Montreal) – gehen, schliesst sie für die Zukunft nicht aus, sagt aber: «Für mich stimmt meine sportliche Situation in der Schweiz. Ich habe sehr gute Trainingsbedingungen und trainiere zusätzlich einmal in der Woche mit dem Männerteam des EHC Sursee.» Auch wenn es sie durchaus reizen würde, bleibt Hofstetter wohl dem Schweizer Hockey erhalten. Und deshalb beschränken sich wohl jene Ziele, die sie in Zukunft erreichen will, auf die nationale Ebene: die WM-Teilnahme an der WM in Kanada und weitere Medaillen in der Schweizer Frauen-Meisterschaft. Mit anderthalb Beinen steht Reinach bereits in den Playoffs der Liga. Gegner im Halbfinal dürften die ZSC Lions sein, jenes Team, gegen das man in den letzten zwei Wochen zweimal deutlich verloren hat: zuerst im Cupfinal, danach in der Meisterschaft.