Handball
Beflügeltes Dagmersellen reiht Sieg an Sieg

Dagmersellen entzaubert im Handball-Spitzenkampf den Gast aus Emmen und übernimmt in der 1. Liga die Tabellenführung.

Stephan Santschi
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Dagmersellen-Goalie Ramon Häller stellt sich dem Abschluss des Emmers Brian Büchli entgegen.

Dagmersellen-Goalie Ramon Häller stellt sich dem Abschluss des Emmers Brian Büchli entgegen.

Bild: Pius Amrein (Dagmersellen, 30. Oktober 2021)

Welch ein Handball-Fest in der Dagmerseller Chrüzmatthalle. 400 Zuschauer lassen ihr Team mit Standing Ovations hochleben, auf der vereinseigenen Website heisst es später, dass das Spiel etwas vom Besten sei, was man hier in den letzten Jahren gesehen habe. «Es war wirklich genial, eine riesige Stimmung und ein sehr spannendes Spiel, das auf beide Seiten hätte kippen können», schwärmt Dagmersellens Goalie Ramon Häller nach dem 34:28-Sieg im 1.-Liga-Spitzenkampf gegen Emmen, der sein Team auf Platz eins der Tabelle hievt.

Der siebte Sieg in Serie war letztlich hochverdient. Zwar blieb Emmen bis zur 55. Minute und dem 27:29-Rückstand am Punktgewinn dran. Dagmersellen war allerdings das konstantere Team, hatte eine stabile 5:1-Deckung, ein effektives Tempospiel und einen geduldigen, ausgewogenen Angriff. Anders formuliert: Die Luzerner Hinterländer entzauberten den individuell stärkeren Gegner mit einer kämpferischen Kollektivleistung. «Jeder geht für den anderen, wenn einer ausgewechselt wird, ist der Nächste parat. Wie wir zusammenarbeiten, ist sehr beflügelnd», berichtet Häller. Er selbst, der 1,92-Meter grosse Goalie, wechselte sich dabei gleich selbst aus. «Unser Trainer bestimmt, wer beginnt. Doch wenn es mir nicht anhängt, sage ich dem Kollegen auf der Bank: Mach dich bereit», erzählt Häller und er fügt an:

«Ich muss meine Einsatzminuten nicht erzwingen. Im Training sind wir Konkurrenten, im Match hingegen ist es ein Miteinander und ich freue mich, wenn ein anderer die Bälle des Gegners abliest.»

Und so machte er nach etwa einer Viertelstunde Platz für den 36-jährigen Niklaus Schöpfer, der mit dem 26-jährigen Häller und Leon Hagmann, dem Nachwuchs-Keeper aus der SG Pilatus, ein schlagkräftiges Trio zwischen den Pfosten stellt.

Ramon Hällers Abstecher in die NLB

Häller wurden dabei zwei Aspekte zum Verhängnis. Zum einen plagte ihn die Nervosität, trat er am Samstag doch gegen seine früheren Teamkollegen an. In der Saison 2018/19 hatte er die Emmer in deren bisher einziger NLB-Saison verstärkt und dabei eine gute Figur gemacht.

«Das Spiel war für mich speziell, ich war viel zu nervös und kassierte gleich zwei, drei blöde Tore.»

Zum anderen schwoll sein Knie an, wahrscheinlich sei ein Blutgefäss geplatzt und so konnte Ramon Häller für einmal nicht die tragende Rolle einnehmen, die er normalerweise ausfüllt. Mit seiner imposanten Statur und der Fähigkeit, die Würfe der gegnerischen Angreifer zu lesen, ist er seit Jahren eine Teamstütze in seinem Stammklub. «Es ist nicht so, dass ich besonders viele Bälle halte. Doch in den entscheidenden Momenten bin ich parat», erklärt Häller. Zweimal hat er sich bisher ausserhalb Dagmersellens in einem Klub mit etwas grösseren Ambitionen versucht: In Emmen, wie erwähnt, und 2015 als 19-Jähriger in einem kurzen Gastspiel bei B-Ligist Endingen. Weil André Willimann sich verletzt hatte, sprang Häller ein, kam sogar in der Auf-/Abstiegsrunde gegen Stäfa zum Einsatz und hätte trotz verpasster NLA-Promotion in Endingen bleiben können. «Um auf Spitzensport zu setzen, muss aber ein sehr gutes Angebot kommen», sagt er. In Dagmersellen ist der ausgebildete Zimmermann und Landwirt stark verwurzelt, im Dezember wird der Vater einer 16 Monate alten Tochter seine Partnerin heiraten. Und so will er weiterhin mit Dagmersellen in der 1. Liga für Furore sorgen. Es tönt jedenfalls wie eine Drohung an die Konkurrenz, wenn Häller sagt: «Bisher spiele ich konstant, aber nicht überragend. Doch das wird schon noch kommen.»

Dagmersellen – Emmen 34:28 (16:15)
Chrüzmatt. – 400 Zuschauer. – SR Engstfeld/Partenheimer. – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Dagmersellen, 4-mal 2 Minuten plus rote Karte für Büchli (60.) gegen Emmen. – Dagmersellen: Häller (1 Parade)/Schöpfer (6); Fabian Häfliger, Wyss (5 Tore), Pascal Tschupp, Kilian Tschupp (6), Huber, Sommer (4), Thomas Häfliger (2), Döös (6), Peyer, Oggier (6), Renggli (5/1), Jonas Häfliger. – Emmen: Schnellmann (6 Paraden)/Schnyder (6); Huwiler (4 Tore/2), Schelbert (3), Häberli (6), Brunner, Cilurzo (2), Lang (3), Bucher (2), Dürger (1), Büchli (2), Scherer, Kovacevic (5/1), Gysin. – Bemerkungen: Schnellmann pariert Penalty von Oggier (23./13:12). Schnyder pariert Penalty von Sommer (48./26:22).

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