Willisaus Ringer Tobias Portmann: «Ich bin parat und werde tüchtig Gas geben»

Morgen Abend (19.00) steigt in der BBZ-Halle der zweite Finalkampf in der Teammeisterschaft zwischen den Willisau Lions und dem Titelverteidiger Kriessern. Besonders im Fokus steht dabei der 19-jährige Youngster Tobias Portmann.

Simon Gerber
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Kann Tobias Portmann (links), hier bejubelt der Willisauer seinen Sieg gegen den Einsiedler Adrian Mazan, morgen Abend auch gegen Kriessern feiern? (Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 1. Dezember 2018)

Kann Tobias Portmann (links), hier bejubelt der Willisauer seinen Sieg gegen den Einsiedler Adrian Mazan, morgen Abend auch gegen Kriessern feiern? (Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 1. Dezember 2018)

Tobias Portmann strahlt im Café Gut in Willisau, wo er zum Gespräch erwartet wird, über das ganze Gesicht. Dem 19-Jährigen läuft es rund in den letzten Wochen – beim Studium und als Leistungsträger der Willisau Lions. Und er gerät ins Schwärmen, wenn er über den erste Finalkampf vom letzten Samstag gegen Kriessern spricht. Mit dem Sieg gegen Marc Dietsche, die Nummer 1 in der Schweiz, gelang ihm ein unerwarteter Exploit. Er habe sich dabei keine besondere Taktik ausgedacht. «Ein Kontergriff brachte mir die 5:1-Führung. Danach sei Dietsche unter Druck geraten, hätte viel riskiert. Das hätte mir beinahe noch zum Schultersieg verholfen», blickt Tobias Portmann zurück. Die Freude sei umso grösser gewesen, weil er dem favorisierten Ostschweizer letztes Jahr in der Finalserie zweimal unterlegen war.

Dieser Triumph wurde beim Nachtessen nur kurz gefeiert. Danach ging es gegen Mitternacht im Teambus zurück ins Luzerner Hinterland – am Steuer Willisaus Cheftrainer Thomas Bucheli. Dieser bezeichnet Portmann als einen äusserst begabten Ringer. «Er ist kräftig gebaut, zielstrebig und auch mental stark.» Ausserdem verfüge er über einen grossen Kampfgeist, er habe sich schon als Junior zu einem Leistungsträger und echten Teamplayer entwickelt.

Studium und Sport unter einen Hut bringen

Eine lange Verschnaufpause gab es für Tobias Portmann am vergangenen Wochenende nicht. Bereits am Montag früh um 5.30 Uhr ging es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf eine rund zweistündige Fahrt nach Rapperswil an die Fachhochschule. Dort hat der Luzerner diesen Herbst das Teilzeitstudium als Landschaftsarchitekt aufgenommen. Letzte Woche gab er die erste Semesterarbeit ab. Die Symbiose zwischen Studium und Ringermatte passt. «Während des Studiums kann sich der Körper erholen und auf der Ringermatte lüfte ich den Kopf durch. Beides ergänzt sich sehr gut», erklärt der 19-Jährige. Nächstes Jahr könne er den Stundenplan auf seine Bedürfnisse abstimmen und so das Studium noch besser in Einklang mit dem Ringsport bringen. Wenn es ihm 2019 auch noch gelinge, die Sportler-RS zu absolvieren, dann wäre dies für ihn ein geradezu idealer Zustand.

Fernziel Olympische Spiele 2024 in Paris

Der 1,71 Meter grosse Athlet gibt sich sowohl beruflich als auch sportlich nicht so schnell zufrieden. «Wenn ich etwas anpacke, dann richtig und mit aller Konsequenz – aber mit der nötigen Lockerheit. Diese Einstellung hat sich bis jetzt ausbezahlt», bilanziert der Jungspund. Seine sportliche Zukunft nimmt er Schritt für Schritt. Nach dem diesjährigen 9. Platz an der Junioren-Europameisterschaften in Rom hat er sich für nächstes Jahr bei seinem letzten Auftritt als Junior eine Medaille zum Ziel gesetzt. Das Fernziel des Freistilspezialisten sind die Olympischen Spiele 2024 in Paris.

Morgen Abend steht Tobias Portmann in der BBZ-Arena in Willisau im Fokus, wenn er sich mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder mit Marc Dietsche duellieren wird. Nervös sei er deswegen nicht und macht dabei einen entspannten Eindruck. «Vor einheimischer Kulisse bin ich immer besonders motiviert. Ich will beweisen, dass der Erfolg am letzten Samstag keine Eintagsfliege war. Ich bin parat, werde tüchtig Gas geben», sagt der gelernte Landschaftsgärtner. «Mit einem Sieg will ich meinen Beitrag leisten, damit es eine Woche später noch zu einer dritten Partie gegen Kriessern kommt.»

Hinweis NLA, Playoff-Final, 2. Runde (best of 3). Samstag: Willisau – Kriessern (19.00, BBZ).

Willisau zum Siegen verdammt: Das ist die Ausgangslage

Vor einer Woche setzte es für Willisau im ersten Finalkampf gegen Titelverteidiger Kriessern eine deftige 12:24-Niederlage ab. Die Ausfälle der beiden Leistungsträger Samuel Scherrer und Michael Portmann schwächten das Team erheblich. Zudem führte eine unerwartete Schulterniederlage des Leihringers Andreas Vetsch zu diesem klaren Ergebnis. Es fehlte der Bucheli-Truppe an der nötigen Effizienz. Fünf der zehn Ringer verpassten es, dem Gegner mindestens einen Punkt abzujagen. Noch ist nichts verloren, aber dem Rekordmeister verhilft morgen Abend nur ein Sieg zu einem dritten Kampf. Dazu ist eine klare Leistungssteigerung nötig. Der Wechsel der Stilarten und der Heimvorteil kommen den Luzernern diesmal entgegen. Sofern der talentierte Michael Portmann wieder ins Geschehen eingreifen kann, dürfte dies dem Team zusätzlichen Schub verleihen. Verzichten müssen die Gastgeber indes auf Samuel Scherrer, der vor einer Knieoperation steht. Kriessern wird alles daran setzen, die definitive Entscheidung herbeizuführen. Nach einer durchzogenen Qualifikationsphase befinden sich die Ostschweizer zum richtigen Zeitpunkt in Bestform. Die Chancen stehen 50:50. Willisau holte bisher 13, Kriessern 11 Meisterpokale.

Der Final findet im Best-of-3-Modus statt. Das Team, welches zwei Siege auf dem Konto hat, ist Schweizer Meister. In zehn Gewichtsklassen werden je fünf Kämpfe im Freistil und im Greco (griechisch-römischer Stil) ausgetragen. Der erste Finalkampf begann vor einer Woche in Widnau in der leichtesten Gewichtsklasse (bis 57 kg) im Freistil. Im Rückkampf morgen Abend in Willisau wechselt die Stilart und beginnt mit Greco bis 57 kg. Freistil: Der gesamte Körper vom Kopf bis zu den Füssen gilt als Angriffsfläche. Greco: Nur der Körper oberhalb der Gürtellinie gilt als Angriffsmöglichkeit.
Es sieht nach dem ersten Kampf ganz danach aus, dass ein möglicher dritter Match wieder in Widnau ausgetragen würde. Willisau dürfte es kaum gelingen, den Rückstand von 12 Punkten aus der Niederlage vom letzten Samstag noch aufzuholen. (sige)