Bobpilot «Hannibal» tritt in die Spuren von Sir Stanley Matthews

Billi Meierhans gehöre, glaubt der Verband, nun langsam zum alten Eisen. Doch der 51-jährige Emmer geht unverdrossen seinen Weg: Im deutschen Winterberg will er am Wochenende zweimal in die Top-15 fahren.

Roland Bucher
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Billi Meierhans (vorne rechts) beim Start. Bild: PD

Billi Meierhans (vorne rechts) beim Start. Bild: PD

Vergessen Sie Sir Stanley Matthews. Der bestritt zwar mit 51 Jahren in der höchsten englischen Fussball-Division seine letzten Pflichtspiele mit Stoke City. Und er wurde später von der Königin für sein ausserordentliches Ausharren auf höchster Stufe des Spitzensports geadelt.

Vergleichsweise ist der Emmer Pius «Billi» Meierhans indes von ganz anderem Kaliber. Der ist zwar mittlerweile auch 51 Jahre alt, tänzelt aber nicht locker mit dem Ball der Seitenlinie entlang, sondern rast als erfahrener Pilot mit dem Zweier- und Viererbob verwegen die steilsten Eiskanäle hinunter. «Ich bin kein alter Mann», sagt «Billi» Meierhans, in Anlehnung an die berühmt-bekannte Filmserie «A-Team» – auch Hannibal genannt: «So lange ich es mit den Jungen noch aufnehmen kann, fordere ich einen Platz im Weltcup.»

In der Betrachtungsweise des Bobverbandes sieht das anders aus. Dieser ist im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking – ein bisschen salopp formuliert – dem «Jugendwahn» verfallen, wirft Unerfahrenheit ins kalte Wasser. Damit erweise der Verband niemandem einen guten Dienst, behauptet Billi Meierhans, der im Sommer auf den frei gewordenen zweiten Schweizer Startplatz im Weltcup pochte – und abgewimmelt wurde: «Man hat mir beschieden, dass Swiss Olympic Mühe habe mit über 50-jährigen Athleten. Ich wollte das schriftlich. Bekam aber nie eine Antwort.»

Saisonbudget von rund 100 000 Franken

Dafür aber den angestrebten Teamplatz. Beim Saisonauftakt im lettischen Sigulda am letzten Wochenende steuerte er den Zweier zweimal in die Top 12, Ähnliches will er am Wochenende mit dem Vierer in Winterberg schaffen: «Der Run entspricht zwar nicht meinen Wünschen», sagt Meierhans, «denn vieles entscheidet sich bereits am Start.» Das wird im März 2019 an den Weltmeisterschaften in Whistler (CAN) anders sein: «Dort fährt man schon mit 100 km/h in die erste Kurve», erklärt er, «das fahrerische Können des Piloten ist dort wesentlich entscheidender.»

Um in Whistler, wo er vorsorglich bereits einen seiner Schlitten für den Saisonhöhepunkt eingekellert hat, parat für eine «realistisch gesehen nicht unmögliche Top-15-Klassierung» zu sein, hat Meierhans ein Saisonbudget von rund 100 000 Franken nominiert. Zu einem grossen Teil aus dem eigenen Sack, wie er betont: «Die meisten Sponsorenverträge sind vor einem Jahr ausgelaufen. Aber der Bobsport, das ist meine Leidenschaft, und da bin ich durchaus bereit, etwas aus dem Sparstrumpf zu ziehen.»

Peking und das Eidgenössische in Zug

Billi Meierhans redet sich gerne in die Emotionen, erzählt, wie er 1996 in Laplagne (FRA) zum ersten Mal den ultimativen Kick dieses Hochgeschwindigkeitserlebnisses einsog und nie mehr davon los kam. 20 Jahre später hatte er es geschafft, durfte der Selfmademan, der in Emmen ein Bauerngut bewirtschaftet (und auf diesem Gelände eine eigene Anschieberampe für explosive Schlitten-Starts konzipiert hat), sein erstes Weltcup-Rennen unter die Kufen nehmen.

Heute weiss Billi Meierhans, dass seine Karriere nicht mehr unendlich lange dauern wird: «Aber die Olympischen Spiele 2022 in Peking – da wäre ich gerne noch dabei, nachdem ich Südkorea aus Verletzungsgründen verpasst habe.» Sein zweites grosses Ziel: am Eidgenössischen Schwingfest 2019 in Zug will er den Unspunnenstein noch einmal stossen. Und es halt auch in diesem Metier den Jungen nochmals zeigen. Damit wolle er nicht bluffen, sagt die ehrliche Haut, «sondern motivieren», und zeigen, dass starke Leistungen im Sport eben keine Alterslimiten kennt.

Nun, läuft alles rund, könnte vielleicht nach den Olypmischen Spielen 2022 in Peking durchaus auch jemand auf die Idee kommen, «Hannibal» Meierhans die Ehrenwürde zu verleihen. Warum nicht: Sir Billi Meierhans.