Für den Landhockeyaner Sebastian Schneider geht ein Bubentraum in Erfüllung

Für Sebastian Schneider ist die Hallenhockey-EM in Luzern ein Heimspiel.

Roland Bucher
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Der Krummstock ist Sebastian Schneiders Lebensbegleiter.

Der Krummstock ist Sebastian Schneiders Lebensbegleiter.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 9. Januar 2020)

Wo andere mit vier Jahren Bauklötzchen aufeinander beigen, hatte Klein-Sebi schon längst ganz anderes im Sinne: «Sie erzählen mir immer wieder», verrät Sebastian Schneider (28) lachend, «dass ich unsere Wohnung nie ohne Krummstock verlassen habe.» Der Krummstock, der ist das Handwerkzeug des Hockeyaners, und der lebhafte Knabe übte mit ihm und der Kugel so lange und eifrig, dass schon bald eine schöne Karriere vorprogrammiert war.

Um ganz genau zu sein: Sebastian Schneider wurde das Hockey in die Wiege gelegt. Vater Paul war von 1988 bis 2000 in diversen nationalen Auswahlteams der Trainer, heute bestimmt er als Geschäftsführer die Gehrichtung bei Swiss Hockey. Der Filius stieg beim Luzerner SC Junioren-Sprosse um Sprosse hoch, zählte bald zur Stammkraft im Fanionteams, beanspruchte schnell einmal auch Präsenz im Nationalteam. 50 Länderspiele sind es inzwischen auf dem Feld, rund 30 in der Halle geworden. «Und ich bin nichts als Hockey-hungrig», sagt der beruflich als angehender Wirtschaftsprüfer erfolgreicher Luzerner, «eines will ich in meiner Karriere sicher noch erleben: einen Meistertitel mit dem LSC.»

Das Ziel ist der Aufstieg

In diesem kommenden Tagen zählt anderes: Sebastian Schneider, ein defensiver Ankermann in der Schweizer Nationalmannschaft, strebt mit seinem Team, für welches er auch als Co-Captain viel Verantwortung trägt, an der EM den Wiederaufstieg in die Division an. Dass dieser Grossanlass in Luzern, in der Maihofhalle, oder quasi vor der Haustüre des früheren Bundesliga-Profis (Nürnberg) stattfindet: «Ein Bubentraum geht in Erfüllung, das ist einfach wunderbar.» Eine ganze Horde Verwandter, Bekannter und Freunde vom LSC und auch der Hochschule Luzern werden dabei sein, freut sich Sebastian Schneider, wenn die Schweiz nichts anderes zu tun hat als: «Wir sind vor zwei Jahren aus der Division A abgestiegen. Jetzt wollen wir wieder in die europäische Elite.» Basta.

Dass es nicht ganz leicht wird, weiss er, der in seiner Freizeit auch das Tennisracket und den Golfschläger mit einigem Talent führt, nur zu genau: «Es ist leichter nicht abzusteigen als aufzusteigen. Aber wir müssen diese Chance vor dem Heimpublikum einfach nützen.» – übrigens verbunden mit dem herzhaften Appell: «Wer nächsten Sonntagnachmittag keine anderen Pläne hat – wir freuen uns auf deinen Besuch in der Maihofhalle.»

Als Verteidiger auch in der Offensive gefordert

Dort wird man einen Sebastian Schneider beim Spiel zuschauen dürfen, der seine Rolle als Verteidiger sehr offensiv interpretieren darf: «Wir sind fünf Feldspieler, da darf sich keiner defensiv verstecken. Als Abwehrmann brauchst du Übersicht, gutes Spielverständnis für den auslösenden Pass. Das fordert unser Trainer von uns Abwehrleuten, und das macht meinen Job im Team spannend.»

So spannend, dass er der Tatsache nicht grollt, wie er als 80-facher Internationaler zum Beispiel im Fussball an die fetten Tröge gekommen wäre. «Geld ist», sagt ausgerechnet er, der angehende Wirtschaftsprüfer, «nicht alles. Wir Hockeyaner sind eine grosse Familie, ich habe sportlich den richtigen Weg gewählt. Hockey ist eine technisch sehr anspruchsvolle Sportart, die mich in jedem Training und im Wettkampf fordert. Und mit viel Spass erfüllt. Und diese Heim-EM ist ja irgendwie auch das ganz grosse Highlight meiner Karriere.»

Wenn’s dann mit dem Aufstieg klappt…

Am Freitag startet die Schweiz die Mission Wiederaufstieg

Landhockey ist eine olympische Disziplin. Seit 1906 ist die Outdoor-Sportart mit von der Partie. In mehr als 160 Ländern weltweit wird dem schnellen, laufintensiven Teamsport mit Stock und Ball gefrönt. Weil die Winterpause zu lange dauert und zu langweilig ist, hat der Sport schon vor langer Zeit einen Spinn-off gegründet: die Hallenversion, die nur mit fünf Feldspielern und einem Keeper pro Team gespielt wird, und die mit fliegenden Wechseln noch rasanter und spannender ausfällt. Hier sind Technik gefragt, taktisches Gespür, Disziplin und athletische Schnellkraft. Wer zudem ohne Kopf und ohne Geduld agiert, verliert in der Regel. Die Nummer 8 will zurück Im sogenannten Hallenhockey ist die Schweiz eine Macht und zählt zu den besten Teams weltweit: Sie ist aktuell die Nummer 8. Dennoch müssen die Eidgenossen nach einem Abstieg an der letzten Europameisterschaft in der zweiten Stärkeklasse antreten. Deshalb messen sie sich am kommenden Wochenende in der Maihofhalle in Luzern mit den Teams 9 bis 16 aus Europas Elite und kämpfen um den sofortigen Wiederaufstieg. Nur die Promotion haben sie im Sinn, nichts anderes. Die Chancen der Männer um Trainer und Coach Chris Elste stehen gut. Doch die Gegnerschaft lässt sich sehen. Einige Teams werden je nach Spielverlauf auf Augenhöhe agieren, andere gelten als schwer auszurechnen. Dänemark hat eine Verjüngung hinter sich, gewichtige Absenzen und zählt eher zu den schwächeren Teams. Italien jedoch, Portugal und Weissrussland sind nicht zu unterschätzen, ebenso Kroatien, das zuletzt grosse Fortschritte bewiesen hat. Eher Aussenseiterchancen besitzen die Türkei und die Slowakei. In der Vorrundengruppe treffen die Schweizer zuerst auf Italien (Freitag, 13.45 Uhr), Kroatien (Freitag, 19.45 Uhr) und die Slowakei (Samstag, 12.45 Uhr), bevor es am Samstagabend und am Sonntagnachmittag in die beiden Entscheidungsspiele geht. Nur die ersten beiden Teams werden zum Schluss in die A-Gruppe promovieren. Bei der Mission Wiederaufstieg stehen drei Luzerner in der Startformation: Sebastian Schneider, Martin Greder (beide Luzerner SC) und Lars Kleikemper (Stuttgarter Kickers). Lars Horvath und Timo Bütler stehen zudem auf Abruf bereit. Die einheimische Kraft ist stattlich – und damit ist eigentlich alles angerichtet für ein Hockeyfest in der Schweizer Hochburg Luzern. (ba)
Hallen-EM, B-Division Eurohockey Indoor Championship II der Männer in Luzern (Maihofhalle). Spielzeiten. Freitag: 10.00–20.45. – Samstag: 9.00–21.30. – Sonntag: 10.00–15.30.