Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Giswilerin im Swiss-Ski-C-Kader: «Das war wie Weihnachten»

Die 19-jährige Vivianne Härri aus Giswil schafft den Aufstieg ins C-Kader von Swiss-Ski. Die Liebe zum Skirennsport ist geblieben, trotz vieler Rückschläge. Wo andere aufgegeben hätten, hat sie sich neue Ziele gesetzt.
Theres Bühlmann
Die Giswilerin Vivianne Härri aus Giswil kann nach Verletzungen wieder lachen. (Bild: Manuela Jans (Engelberg, 9. November 2018)

Die Giswilerin Vivianne Härri aus Giswil kann nach Verletzungen wieder lachen. (Bild: Manuela Jans (Engelberg, 9. November 2018)

Sie strahlt viel Fröhlichkeit aus, ist eine positiv auftretende, offene Persönlichkeit. Gelächelt hat sie bereits damals, als sie mit vier Jahren ganz oben auf dem Podest stand. Beim 10. Minicup auf der Mörlialp war es, als die heute 19-jährige Vivianne Härri ihr erstes Rennen gewann. Die Siegertrophäe reichte ihr vom Bauch bis zur Stirn. «Ich habe später nie mehr einen so grossen Pokal gewonnen», blickt die in Giswil wohnhafte Skirennfahrerin lachend auf dieses Ereignis zurück. Damit war ihre Karriere lanciert.

Mit zwei Jahren stand sie zum ersten Mal auf den Skis, besuchte die Skischule, fand immer mehr Freude an den Rennen und betrachtete diese als Herausforderung. So wundert es nicht, dass Vivianne Härri zwischen 2008 und 2013 jedes Jahr in mindestens einer Disziplin im Final des Migros-Grand-Prix auf dem Podest stand und sich in den Ausscheidungsrennen praktisch immer mit einem Sieg qualifizierte. Bei vielen regionalen Rennen schaffte sie immer wieder den Sprung in die Medaillenränge oder holte sich Top-10-Plätze. Es lief alles fast wie am Schnürchen, wie man zu sagen pflegt.

Die positiven Erkenntnisse der Zwangspause

Doch eben nur fast. Während zweier Jahre, von 2013 bis 2015, kämpfte sie mit Verletzungen, erst war es das Knie, dann kam eine Viruserkrankung hinzu, die sie mehrere Monate ausser Gefecht setzte. Als es dann im Februar 2015 wieder losgehen sollte, zog sie sich eine Schulterverletzung zu. Aufgeben? Nein, das kam für sie nicht in Frage. Nach einer fast zweijährigen Absenz von den Skipisten schaffte sie es, beim letzten Interregio-Rennen einen zweiten Platz im Riesenslalom herauszufahren und an den JO-Schweizer-Meisterschaften resultierte ein vierter Platz. Sie war wieder im Geschäft. Bis Ende 2015. Vor ihrer ersten FIS-Saison brach sie sich das Handgelenk. «Ich habe gelitten, wenn ich meine Kolleginnen auf den Skis sah.»

Sie kann der Zwangspause aber auch Positives abgewinnen: «Ich spürte, dass ich ohne den Skisport nicht sein kann.» Dank den guten Resultaten im Frühling 2016 schaffe sie den Sprung ins Nationale Leistungszentrum (NLZ) Mitte von Swiss-Ski.

Der grosse Triumph an den Schweizer Meisterschaften

Fussprobleme behinderten sie auch zum Auftakt der Saison 2016/2017. Trotzdem konnte sie sich unter anderem als U18-Schweizer-Meisterin in der Abfahrt feiern lassen und im Super-G reichte es zu einer Bronzemedaille. Erstmals bekam sie auch ein Aufgebot für ein Europacup-Rennen (Abfahrt und Super-G) in Davos. «Ich konnte wertvolle Erfahrungen sammeln.» Anfang 2018 holte sie sich den ersten Sieg an einem FIS-Rennen in der Lenk, dies in ihrer Lieblingsdisziplin, dem Riesenslalom. Und der 5. April 2018 wird ihr wohl immer im Gedächtnis bleiben. Sie stand wieder ganz oben. An den Elite-Schweizer-Meisterschaften in Davos gewann sie den Titel in der Kombination, «mein bisher grösster Erfolg». Zudem liess die Obwaldnerin auch mit Platz 6 in der Abfahrt aufhorchen – und wurde in das C-Kader von Swiss-Ski berufen.

Nun bereitet sich Vivianne Härri nach langwieriger Rehabilitation mit grosser Motivation auf ihre erste Saison als C-Kader-Fahrerin vor (siehe Kasten). Ende der Saison 2017 unterzog sie sich einer Fussoperation, ganz beschwerdefrei ist sie noch nicht ganz. Ihre ersten Rennen wird sie im kommenden Januar bestreiten. Wo und was dies sein wird, das steht noch nicht fest. Dafür weiss sie genau, wohin ihr sportlicher Weg führen soll. Erst einmal steht die Verbesserung der Technik und der FIS-Punkte im Vordergrund, um in der Startliste nach vorne zu rücken. Mittelfristig möchte sie den Aufstieg ins B-Kader und die Teilnahme an einer Junioren-WM schaffen. Auf lange Sicht strebt sie die Teilnahme an Weltcup-Rennen an, und, als ganz grosses Ziel, die Olympischen Spiele. «Natürlich ist es mein Traum, so schnell als möglich im Weltcup-Tross Unterschlupf zu finden», sagt sie. «Aber ich setze mich nicht unter Druck, schon der Schritt ins C-Kader ist super, und ganz gesund werden hat Priorität.»

Super war für sie auch die Material-Ausgabe der Swiss-Ski-Athleten am 6. Oktober in Dübendorf. Alle waren sie da, die ganz Grossen dieser Zunft und, zum ersten Mal, mittendrin, Vivianne Härri. Ein riesiger Koffer voller Dresses, Kleider, Skibrillen, Helme. «Das war wie Weihnachten», sagt sie. Nun steht einem erfolgreichen Winter nichts im Wege. Bevor sie sich jeweils ins Starthaus begibt, lackiert sie ihre Fingernägel, in unterschiedlichen Farben, was gerade passt, flicht ihre Haare zu einem Zopf und hört Musik der Gruppe AC/DC. Von sich sagt Vivianne Härri übrigens, dass sie allgemein ein ungeduldiger Mensch sei, «durch die lange Verletzungspause bin ich ruhiger geworden. Aber wenn ich eine Zielsetzung verfehle, dann macht mir das schon sehr zu schaffen.»

Der grosse Traum vom Fliegen

Neben ihrem Sport legt Vivianne Härri auch ein grosses Augenmerk auf die berufliche Ausbildung. Sie besucht die Sportmittelschule in Engelberg, «mein Lieblingsfach ist Geografie», lieferte kürzlich ihre Maturaarbeit ab mit dem Titel «Erfolgsversprechende Persönlichkeitseigenschaften im Skirennsport». Im Frühsommer 2019 steht die Matura an, dann plant sie ein Zwischenjahr, um den Fokus vermehrt auf das Skifahren zu legen und möchte Praktika absolvieren. Als Berufswunsch nennt sie Ärztin oder Rega-Pilotin.

Vivianne Härri kann sich in jeder Situation auf den Support ihrer Eltern Vinzenz und Barbara verlassen, die sie früher zu den Rennen begleiteten und wenn es zeitlich passt, machen sie das heute noch. «Ohne ihre Unterstützung könnte ich das alles gar nicht schaffen», sagt die Tochter. Übrigens: Der Name Vivianne bedeutet die Lebhafte, die Lebensfrohe, steht aber auch für die Schöne oder eben die Siegerin …

So bereitet sich Vivianne Härri vor

Vivianne Härri gehörte 2015/2016 dem Juniorinnenkader des ZSSV (Zentralschweizer Schneesportverband) an. Dann folgte der Aufstieg ins Nationale Leistungszentrum Mitte, von denen es in der Schweiz drei Standorte gibt: Engelberg (Mitte), Brig (West) und Davos (Ost). Im Frühling 2018 folgte dann der Aufstieg ins C-Kader von Swiss Ski. Mit einem Trainingsaufwand von rund 20 Stunden in der Woche sei dieser in etwa gleich hoch wie beim Nationalen Leistungszentrum, sagt Vivianne Härri, aber im C-Kader sei alles noch etwas professioneller.

Ihnen stehen drei Trainer zur Verfügung, einer für die Kondition und zwei für die Technik. Zudem ist auch ein Physiotherapeut dabei, was stets eine individuelle Betreuung erlaubt. Die Pause nach Saison-Ende ist mit zwei bis drei Wochen jeweils kurz. Im Mai begann das Konditionstraining, dann folgte ab Juli das Skitraining auf Gletschern in Zermatt und Saas-Fee. In der vergangenen Woche bestritt Vivianne Härri ein Training in St. Moritz, war am Donnerstag-und Freitagvormittag in Engelberg in der Schule und trainierte nachmittags in der Halle.

Auch während der Saison wird – je nach Rennkalender – trainiert, in einer Halle oder wenn es das Wetter erlaubt, auf Schnee am Rennort. Absenz in der Schule ist im Winter gross Im Technik-Training wird viel individuelle Arbeit geleistet. «Ich muss unter anderem lernen, vor den Toren mehr Geduld aufzubringen, um das richtige Timing zwischen den Toren zu finden», sagt Vivianne Härri.

Im C-Kader dabei sind auch zwei Serviceleute. Beim NLZ präparierte Vater Vinzenz Härri jeweils die Skis seiner Tochter. Ab und zu trainieren Einzelne des C-Kaders auch mit dem B-Kader. «Die B-Kader-Athleten können sich aber schon etwas mehr auf den Sport konzentrieren, da die meisten die Schulzeit beendet haben», so Vivianne Härri. A propos Schule: An fünf Halbtagen in der Woche muss sie an der Schweizerischen Sportmittelschule in Engelberg anwesend sein, die Nachmittage sind für das Training reserviert. Logischerweise ist die Absenz im Winter gross, der Schulstoff muss dann in der rennfreien Zeit und/oder im Selbststudium nachgeholt werden. (T.B.)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.