Der FC Willisau hat einen neuen Trainer, die alten Sorgen aber bleiben

Der FC Hergiswil gewinnt das 2.-Liga-inter-Spiel in Willisau mit 3:1 (0:0) und ist neuer Leader.

René Leupi
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Der Willisauer Dario Wirz (links) läuft dem Hergiswiler Luan Haxhimurati davon.
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Den Ball im Fokus: Hergiswils Devin Arnold.
Willisaus Florin Hasanaj vor Hergiswils Luca Mombelli am Ball.
Willisaus Predrag Karajcic (links) gegen Hergiswils Luca Mombelli
Hergiswils Luan Haxhimurati (links) vor dem Willisauer Dario Wirz am Ball.
Hergiswils Sandro Zimmermann spielt einen Pass.
Willisaus Florin Hasanaj (links), verfolgt von Hergiswils Luca Mombelli

Der Willisauer Dario Wirz (links) läuft dem Hergiswiler Luan Haxhimurati davon.

Bild: Eveline Beerkircher (Willisau, 5. September 2020)

Eigentlich wollte Mirko Pavličević bis im Winter pausieren, wegen der Coronapandemie keinen Trainerjob annehmen. Doch da erreichte den ehemaligen Aarau-Profi (1992–2001) Anfang August eine SMS-Anfrage von Patrick Bussmann, dem Coach des FC Willisau. Nachdem sich der 55-Jährige eine Trainingseinheit und ein Testspiel angesehen hatte und ein intensives Gespräch mit Bussmann geführt hatte, unterschrieb der designierte Olten-Trainer nur eine Woche später einen bis im Sommer 2021 befristeten Vertrag als Cheftrainer.

Pavličević hatte in dieser kurzen Zeit sehr wohl festgestellt, dass ihn beim FC Willisau keine leichte Aufgabe erwartet. Zum einen hatte er Defizite in der Mannschaft ausgemacht, zum andern teilte ihm Bussmann mit, dass dieses Team nicht leicht zu führen sei. Eine Tatsache, die auch sein Vorgänger Hasan Özoglu erfahren musste. Nach nur einem Monat gab er Bussmann persönlich seinen Rücktritt bekannt. Der Zwist zwischen Trainer und Spielern war trotz Aussprachen nicht zu kitten, zu verschieden waren die Spielauffassung, zu zerfahren die zwischenmenschliche Beziehung. Oder in den Worten von Bussmann ausgedrückt: «Die Chemie und gegenseitige Akzeptanz stimmte in keiner Art und Weise. Trainer noch Spieler waren gewillt, einen Schritt in die andere Richtung zu machen. So kam uns der Rücktritt von Hasan Özoglu gar entgegen.»

Auch die Abgänge der Leistungsträger Christian Binde (zu Zell), Marko Mijatović, Sandro Fischer und Philip Bolliger (zu Schötz) trugen wesentlich zu dieser verworrenen Situation bei. Nebst markantem Substanzverlust seien das auch jene Spieler gewesen, so Bussmann, die in schwierigen Zeiten auf den Tisch geklopft und die Mannschaft wachgerüttelt hätten.

Keine Reaktion nach Haxhimuratis Doppelschlag

Wachrütteln muss auch Mirko Pavličević sein Team nach der 1:3-Heimniederlage gegen Hergiswil. Optisch war die Spielanlage über weite Stecken ansehnlich. Doch es fehlte der Spielwitz, der öffnende Pass in die Tiefe und vor allem die Abgeklärtheit vor dem Tor. Attribute, welche die Nidwaldner auf ihrer Seite wussten. Bestes Beispiel ist die verpasste Torchance kurz vor der Halbzeit (45.), als Albert Rudaj das Kunststück fertig brachte, den Ball aus fünf Metern neben das verwaiste Hergiswiler Gehäuse zu setzen und so das Spiel in andere Bahnen zu lenken.

Wie man Torchancen verwertet, demonstrierte Luan Haxhimurati nach der Pause als der gefährlichste Hergiswiler Angreifer innert sechs Minuten (46./52.) nach Pässen in die Tiefe entwischte und mit gezielten Flachschüssen die 2:0-Führung markierte. Doch auch nach diesem Doppelschlag blieb eine Reaktion der Willisau weitgehend aus, die Luzerner Hinterländer wirkten weiterhin lethargisch und unentschlossen. «Uns fehlt derzeit die Qualität im Kader», sagt Pavličević, «die Verletzungen von Vasko Ostojić, Simon Brun und Pascal Lang wiegen zu schwer.» Zudem sei das Team verunsichert und brauche dringend ein Erfolgserlebnis. Wer hoffte, dass nach dem 1:2-Anschlusstreffer (74.) durch Nedim Brzina die Siegermentalität der letzten Saison in die Mannschaft zurückkehrt, wartete wiederum vergeblich. Es stand kein Spieler auf dem Platz, der vehement die Verantwortung übernahm, keiner, der die Mannschaft nach vorne trieb, keiner, der mit seiner Körpersprache eine Reaktion provozierte.

Andrin Arnold sorgte mit dem dritten Treffer in der Nachspielzeit (94.) für den krönenden Schlusspunkt aus Hergiswiler Sicht. Die Nidwaldner grüssen nach drei Startsiegen als alleiniger Tabellenführer. «Vor der Saison hätte ich diese Ausgangslage sofort unterschrieben», freute sich Trainer Sascha Imholz. Er sprach von einer durchzogenen ersten Halbzeit, aber auch davon, dass seine Mannschaft darauf eine Reaktion gezeigt, die angebrachten Korrekturen in der Halbzeit umgesetzt und verdient den Sieg eingefahren hätte.