Der Fussballmeisterschafts-Abbruch-Entscheid ist im Sinn der Vereine

Die Fussballmeisterschaften hoch bis zur Promotion League sind sistiert. Fast alle Klubs sind zufrieden.

René Barmettler
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Das zweite Derby fällt nun aus: Der Buochser Joel Sousa Miranda (links) duelliert sich in der Vorrunde mit dem Goldauer Pirmin Bosshart.

Das zweite Derby fällt nun aus: Der Buochser Joel Sousa Miranda (links) duelliert sich in der Vorrunde mit dem Goldauer Pirmin Bosshart.

Bild: Boris Bürgisser (Buochs, 19. Oktober 2019)

Seit Mittwoch ist bekannt: Falls bis im Sommer noch Fussball gespielt werden sollte, dann nur in den beiden höchsten nationalen Ligen. In der Zentralschweiz wurde dieser Entscheid überwiegend mit Wohlwollen aufgenommen. Der Innerschweizerische Fussballverband IFV liess kürzlich eine Umfrage bei den 90 Vereinen durchführen. Das klare Ergebnis: Von den 76 Rückmeldern sprachen sich 65 gegen eine Wiederaufnahme der Meisterschaften aus, nur acht befürworteten eine Fortsetzung, drei enthielten sich.

Der Blick auf die 1. Liga Gruppe 2 und 2. Liga inter Gruppe 4 zeigt auf: Der Abbruch ist aus Zentralschweizer Sicht kein grosses Unglück: Der SC Goldau und Zug 94 (1. Liga) hätten sich wohl nur noch durch ein Wunder dem Abstieg entziehen können. Eine Liga tiefer hätte sich sogar ein Quartett mit dem Fall in die regionale 2. Liga beschäftigen müssen: Sursee, Ägeri, Brunnen und das abgeschlagene Sarnen belegten nach der Herbstrunde die letzten vier Plätze (drei Absteiger).

Willisau und Rotkreuz werden gebremst

Unglücklich ist der Abbruch für die beiden 2.-Liga-inter-Spitzenteams Willisau (1.) und Rotkreuz (3.), die noch im Rennen um den Aufstieg waren. Für die Luzerner Hinterländer wäre derzeit eine Promotion in die 1. Liga indes eine finanziell kaum zu stemmende Aufgabe. Rotkreuz hegte zwar Ambitionen, hat wegen fehlender Einnahmen aber inzwischen andere Sorgen: Präsident Claudio Carbone befürchtet wegen des Abbruchs aller Abteilungen ein «finanzielles Desaster». Zug 94 plagten schon vorher grosse monetäre Sorgen und hat nun bis im Sommer Zeit, sich neu aufzustellen. Obwohl mit dem neuen Trainer Vural Oenen noch keine Partie bestritten wurde, verlängerte der neue Sportchef Besnik Reci dessen Vertrag vorzeitig: «Vural Oenen ist ein Trainer mit viel Erfahrung. Er identifiziert sich stark mit dem Verein und geht mit voller Leidenschaft ans Werk.» Beim SC Goldau wurde der Saisonabbruch bedauert und man liess mitteilen: «Die Mannschaft von Trainer Sandro Marini war gut vorbereitet und sehr motiviert, sich aus eigener Kraft aus dem Abstiegskampf zu befreien. Dies erübrigt sich nun.» Finanziell stehe der Verein momentan auf solidem Fundament, aber die Absage der Rückrunde schmerze aus sportlicher wie wirtschaftlicher Sicht sehr.

Das geht auch dem SC Cham so, der Zuger Verein spielt in der Promotion League und ist die Nummer drei der Zentralschweiz. Mit 400 Junioren und über 120 Aktiven gehört er zu den «Riesen» der Region und sah sich nun wegen fehlender Aktivitäten genötigt, eine Solidaritätsaktion ins Leben zu rufen.

Der SC Goldau spricht wohl allen Klubs aus der Seele: «Wir freuen uns schon jetzt auf die kommende Saison.»

Das sind die Auswirkungen des Abbruchs

Der Bundesrat hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass Spiele frühestens am 8. Juni wieder möglich sein werden. Allerdings nur «in Ligen mit übermässig professionellem Spielbetrieb». Das trifft nur auf die Super- und Challenge-League zu. Der Zentralvorstand des Schweizerischen Fussballverbandes gibt die Folgen des Abbruchs bekannt:
Die Wettbewerbe 2019/20 werden nicht gewertet, mit Ausnahme der abgeschlossenen Wettbewerbe, insbesondere den Halbjahresmeisterschaften in den Regionalverbänden.
Es gibt keine Meister sowie Cupsieger. Es gibt keine Auf- und Absteiger.
Die Teilnehmer am Schweizer Cup 2020/21 aus den Abteilungen Erste Liga, Amateur Liga und den Regionalverbänden werden per Los aus den für eine Teilnahme in Frage kommenden oder aus den in den jeweiligen Qualifikationswettbewerben verbliebenen Teams bestimmt.
Die ausgesprochenen Strafen, Bussen und die noch offenen Suspensionen oder Funktionssperren (auch aus Verwarnungen) bleiben bestehen oder werden gemäss den bekannten Regeln auf den nächsten offiziellen Wettbewerb derselben Kategorie übertragen. (reb)