Eishockey
Plötzlich Erster: Der HC Luzern erreicht das nächste Level

Ursprünglich am «Grünen Tisch» in die 1. Liga aufgestiegen, ist der HC Luzern nun auch sportlich angekommen.

René Barmettler
Drucken
Teilen
Markus Enz, Präsident HC Luzern

Markus Enz, Präsident HC Luzern

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 28. Oktober 2021)

2019 profitierte der HC Luzern davon, dass kein anderes Team gewillt war, in die 1. Liga aufzusteigen. Was folgte, war mehr Frust als Lust, ein sportlicher Reinfall. Der Ligaerhalt fand wie schon der Aufstieg am «Grünen Tisch» statt. Auch die zweite Saison begann verheerend: 4 Spiele, 0:21 Tore: Kein Schelm wer dachte, zum Glück sei die Saison dann abgebrochen worden.

Und nun, im fortgeschrittenen Herbst, nach acht absolvierten Partien, reiben sich die Fans des HCL die Augen: 16 Punkte, Tabellenführung, die Luzerner sind der Favoritenschreck schlechthin. Wie konnte das geschehen? Markus Enz (53), seit letztem Dezember neuer Vereinspräsident, sagt:

«Das ist ein grosses Verdienst des neuen Trainers und Sportchefs Raphael Zahner. Er schmiedete ein gutes Team und besitzt die Gabe, Höchstleistungen abrufen zu lassen. Er ist einer, der fördert und fordert.»

Zahner erreichte mit Luzern das nächste Level, «er ist voll in der Blüte und hervorragend vernetzt. Raphael weiss genau, welche Spieler er will und auch holen kann. Grosses Wissen und auch viel Leidenschaft zeichnen ihn aus.»

Die Zuschauerzahlen lassen noch zu wünschen übrig

Enz selber ist grosser Fan des EV Zug, in diesem Umfeld lernte er HCL-Vizepräsident Stefan Unternährer kennen. Nach dem Tod von Benno Vonarburg im September 2020 war dieser auf der Suche nach einem neuen Präsidenten. Markus Enz, Inhaber einer Gartenbaufirma, liess sich darauf ein.

«Ich wusste, dass viel Arbeit auf mich zukam und hatte das anfangs etwas unterschätzt. Doch der HCL war keine Baustelle, ich traf ein intaktes Umfeld an.»

Rund fünf bis zehn Stunden pro Woche wendet der verheiratete Vater von zwei Söhnen für den Klub auf. Natürlich stellt sich auch die Frage, wie der notorisch klamme HC Luzern sich plötzlich eine Mannschaft leisten kann, die in dieser anspruchsvollen Liga vorne mitzuhalten vermag? Zu 2.-Liga-Zeiten konnten mit den Matcheinnahmen kaum die Schiedsrichterhonorare beglichen werden. Der Giswiler Enz klärt auf:

«Das Sponsoring konnte hochgefahren werden. Das Wichtigste ist, dass die Finanzen stimmen. Erst dann sind sportliche Erfolge möglich.»

Dennoch ist der Verein keineswegs auf Rosen gebettet: «Nach wie vor müssen wir kostenbewusst unterwegs sein.» Das Budget auf diese Saison hin wurde um 15 Prozent angehoben. Trainer/Sportchef Zahner ist als Vollprofi angestellt, die Spieler werden pro Spieleinsatz bescheiden entlöhnt. Enz betont: «Ein grosser Teil des Vereinsbudgets geht in die Hockeyschule und den Nachwuchs mit 170 Jugendlichen. Wir wollen weiterhin ein Förderverein bleiben.» Ausserdem hat der sportliche Erfolg noch nicht dazu geführt, dass vermehrt Schaulustige ins Eiszentrum Luzern strömen. Die Zertifikationspflicht trägt auch nicht zu besser gefüllten Kassen bei. So bleibt dem HCL nichts anderes übrig, als weiterhin mit guten Leistungen auf sich aufmerksam zu machen, um eines Tages zu erreichen, «dass in der Fussballstadt Luzern auch die Eishockey-Fangemeinschaft wieder grösser wird».

Es gab Zeiten, da verlor auch praktisch der letzte HCL-Anhänger den Glauben, jemals wieder 1.-Liga-Hockey aus der Nähe zu sehen. Enz verspricht: «Wir wollen längerfristig in der Regio League bleiben. Mit uns muss wieder gerechnet werden.»

Aktuelle Nachrichten