Der Luzerner Thomas Suppiger beendet seine grossartige Ringerkarriere

Einsiedeln löst als letztes Team das Ticket für die Halbfinals der Ringer und trifft dort auf Willisau.

Simon Gerber
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Thomas Suppiger verabschiedet sich vom treuen Publikum. (Bild: Manuela Jans-Koch, Hergiswil bei Willisau, 16. November 2019)

Thomas Suppiger verabschiedet sich vom treuen Publikum. (Bild: Manuela Jans-Koch, Hergiswil bei Willisau, 16. November 2019)

Vor sechs Wochen demütigte Hergiswil im ersten Qualifikationskampf das favorisierte Einsiedeln vor eigenem Publikum mit einem 18:16-Sieg. Die Schwyzer hatten deshalb noch eine Rechnung offen und strebten die Revanche an. Für beide Teams stand aber noch viel mehr auf dem Spiel. Sie kämpften in der letzten Qualifikationsrunde um den Einzug in den Halbfinal. Hergiswil glaubte an die Überraschung. «Die Chancen stehen 50:50», sagte der Präsident Daniel Stadelmann vor dem Match.

Doch sein Traum, nach 2016 wieder einmal in den Halbfinal einzuziehen, verflüchtigte sich schon im ersten Kampfabschnitt. Nur gerade der Ukrainer Alexander Gollin und Thomas Suppiger überzeugten mit ihrer Leistung. Der 32-jährige Suppiger war auch bei seinem allerletzten Kampf bis in die Haarspitzen motiviert. Mit einer Energie- und Willensleistung rief er nochmals sein grosses Können ab und besiegte den zehn Kilogramm schwereren Kontrahenten Sven Neyer dank seiner herausragenden Bodentechnik mit 8:4 Punkten. «Es war für mich eine schwierige Aufgabe. Ich trat erstmals im Greco-Stil gegen diesen Gegner an. Zudem war der Druck gross, denn alle erwarteten einen Sieg inklusive von mir selbst. Umso schöner, dass mir dieser zum Abschluss der Karriere gelungen ist», freute sich Thomas Suppiger.

Suppiger gewinnt 126 von 140 Kämpfen

Die Gäste aus dem Klosterdorf waren die klar tonangebende Mannschaft. Sie zeigten eine kompakte und disziplinierte Leistung. Der Erfolg über die harmlosen Hausherren war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Bereits nach drei Kämpfen gingen die Schwyzer mit 7:4 in Führung und bauten diese bis zum Schluss kontinuierlich zum 24:10-Erfolg aus. Mit dieser Leistung steht Einsiedeln zum dritten Mal in Folge im Halbfinal. Dort heisst der Gegner Willisau Lions. «Mit einem so deutlichen Sieg rechnete ich allerdings nicht. Für uns ist wirklich alles optimal aufgegangen. Auch die knapp kalkulierten Duelle kippten noch auf unsere Seite. Jeder war mental bereit und konnte die von ihm erwartete Leistung abrufen», resümierte Urs Bürgler, Cheftrainer von Einsiedeln.

Wer mit einer Hergiswiler Reaktion auf den 7:11-Pausenrückstand gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Im zweiten Kampfabschnitt gingen sämtliche fünf Luzerner als Verlierer von der Matte. Besonders bitter war die Niederlage des Schweizer Meisters Martin Grüter. Seine 6:4-Führung gegen den überraschenden Jan Neyer löste sich zuletzt wieder in Luft auf. «Einsiedeln war eindeutig besser und abgeklärter als wir. Uns fehlte ein Exploit. Nach einer anstrengenden Saison waren zudem nicht mehr alle zu 100 Prozent fit angetreten», erklärte Marco Hodel, Sportchef von Hergiswil.

Am Schluss wurde Thomas Suppiger, das langjährige Aushängeschild der Ringerriege Hergiswil, von 500 Zuschauern in der Steinacherhalle gebührend und mit vielen Emotionen verabschiedet. Der 32-Jährige hängte unter grossem Applaus seine Ringerschuhe an den Nagel. Der Greco-Ringer war seit vielen Jahren einer der tragenden Säulen der Napfringer. Der ehemalige Internationale ist zwölffacher Schweizer Meister und gewann mit Hergiswil 2012 und 2013 den Mannschaftsmeistertitel. Von den 140 bestrittenen Mannschaftsduellen gewann Thomas Suppiger deren 126. Eine beeindruckende Leistung. Nach rund 20 Jahren Ringsport setze er nun seine Prioritäten auf die Familie und den Beruf. 2014 habe er den Bauernbetrieb seines Vaters übernommen. «Ich freue mich extrem darauf, dass ich die neu gewonnene Freizeit nun anders gestalten kann», sagt Thomas Suppiger.

Männer, NLA

NLA. Mannschafts-Meisterschaft. 10. Runde: Schattdorf – Kriessern 14:26. Freiamt – Willisau 16:23. Hergiswil – Einsiedeln 10:24. Rangliste (nach 10 Runden): 1. Willisau 19. 2. Kriessern 14. 3. Freiamt 12. 4. Einsiedeln 8. 5. Hergiswil 6. 6. Schattdorf 1.

Modus: Die Top 4 qualifizieren sich für die Halbfinals. Der Sechstplatzierte bestreitet einen Auf-/Abstiegskampf gegen den NLB-Meister.

Hergiswil – Einsiedeln 10:24
57 kg: Alexander Golin s. Dany Kälin 3:0. – 61 kg: Patrick Rölli v. Lars Neyer 0:4. – 65 kg: David Wisler v. Michael Schönbächler 1:3. – 70 kg: Martin Grüter v. Jan Neyer 1:2. – 74 kg: Patrick Kunz v. Isa Usupov 0:3. Manuel Jakob v. Adrian Mazan 1:2. – 79 kg: Raphael Kaufmann v. Matthias Käser 1:2. – 86 kg: Philippe Kunz v. Andreas Burkard 0:4. – 97 kg: Thomas Suppiger s. Sven Neyer 2:1. – 130 kg: Yasin Uzun v. Boris Illenser 1:3.

Freiamt – Willisau Lions 16:23
57 kg: Colin Brunner s. Marc Kaufmann 2:1. – 61 kg: Nino Leutert s. Timon Zeder 3:0 – 65 kg: Randy Vock v. Rasul Israpilov 1:2. – 70 kg: Sascha Rüttimann v. Tobias Portmann 0:4. – 74 kg: Joel Meier v. Michael Portmann 1:3. Kimi Käppeli v. Mirco Studer 0:4. – 79 kg: Nico Küng s. Daniel Häfliger 4:0. – 86 kg: Marc Weber s. Samuel Schwyzer 4:1. – 97 kg: Wilbert Barroso Machin v. Samuel Scherrer 1:4. – 130 kg: Roman Zurfluh v. Stefan Reichmuth 0:4.

Schattdorf – Kriessern 14:26
57 kg: Thomas Epp s. Nico Lüchinger 4:0. – 61 kg: Simon Gerig s. Dorien Hutter 4:0. – 65 kg: Sven Gamma v. Christoph Wittenwiler 1:4. – 70 kg: Sven Epp v. Dominik Laritz 0:4. – 74 kg: Fabian Epp v. David Loher 1:2. Yannick Epp v. Marc Dietsche 0:4. – 79 kg: Benjamin Gander v. Tobias Betschart 1:3. – 86 kg: Ramon Epp v. Damian Dietsche 1:4. – 97 kg: Michael Jauch v. Ramon Betschart 1:2. – 130 kg: Dominik Waser v. Noel Hutter 1:3.