Handball
Endlich wieder ein Nachwuchsspieler in Kriens: Der nächste Rohdiamant nimmt Anlauf

Der HC Kriens-Luzern macht derzeit wenig Freude. Eine Ausnahme bildet der Jüngste im Team, Gino Steenaerts.

Stephan Santschi
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Kriens-Flügelspieler Gino Steenaerts bezwingt Chênois-Torhüter Bastien Soullier insgesamt drei Mal.

Kriens-Flügelspieler Gino Steenaerts bezwingt Chênois-Torhüter Bastien Soullier insgesamt drei Mal.

Wenn der HC Kriens-Luzern heute Wacker Thun empfängt (19.30 Uhr, Krauerhalle), will er einen wichtigen Schritt aus der Krise machen. Nach sieben Runden mit vier Niederlagen, darunter zwei deftige Ohrfeigen, stehen die Zentralschweizer nur auf Platz acht. Während der Grossteil des Teams wenig Freude bereitet, macht der 16-jährige Gino Steenaerts in diesen sportlich schwierigen Wochen positiv auf sich aufmerksam. Am letzten Samstag, beim 35:22-Heimsieg gegen Aufsteiger Chênois, trug er mit seiner unbeschwerten Art am rechten Flügel drei Treffer zum Erfolg bei. «Ich war zufrieden, die Mitspieler haben mir gratuliert», berichtet Steenaerts mit einem Schmunzeln.

Dass er in dieser Saison bereits zum Kader der Krienser QHL-Mannschaft gehört, war ursprünglich nicht geplant. Als sich in der Vorbereitung allerdings herausstellte, dass Ammar Idrizi mit einer Knieverletzung bis in den Winter ausfällt, bestand Handlungsbedarf. «Bereits im Trainingslager in Rogla war ich dabei, das kam megaunerwartet und hat mir grosse Freude gemacht», erzählt Gino Steenaerts. Komplett neues Terrain betrat er dabei nicht, letzte Saison trainierte er bei Bedarf mit, trotzdem war der Sprung von den U17-Elite-Junioren in die höchste Liga des Landes ein grosser.

«Das Spiel ist schneller, körperlicher und man muss immer konzentriert bleiben.»

Zwei Meistertitel mit der SG Pilatus

Vor allem in der Abwehr tut sich Steenaerts schwer, die Gegenspieler seien viel unberechenbarer als bei den Junioren, erzählt er. «Der Rückraumspieler entscheidet erst im letzten Moment, was er macht. Ich muss vorausschauender verteidigen, hierzu fehlt mir noch das Gespür.» Vorne macht der 1,83-Meter grosse Linkshänder in den wenigen Einsatzminuten, die er als Nummer zwei hinter Levin Wanner erhält, aber bereits eine gute Figur.

«Die Athletik, die Sprungkraft und die gute Trefferquote zählen zu meinen Vorzügen.»

Diese stellte er schon im Nachwuchs unter Beweis – sowohl mit der U13- (2018) als auch mit der U17-Auswahl (2021) gewann Steenaerts jeweils einen Schweizer-Meister-Titel und zählte dabei zu den Leistungsträgern der SG Pilatus.

Wohin ihn der Handball in Zukunft führt, weiss Gino Steenaerts nicht, seine Ambitionen sind allerdings gross. Stammspieler in der QHL, A-Nationalspieler, Ausland-Engagement – das alles wünscht sich der junge Mann aus Römerswil, der bei der HR Hochdorf zu seinem Lieblingssport fand. Auch seine Schwester Luina liess sich von ihrem Bruder für Handball begeistern, spielt derzeit im U14-Nachwuchs des LK Zug. Der Nachname Steenaerts lässt dabei auf ausländische Wurzeln schliessen, «die Vorfahren meines Vaters stammen aus Belgien, doch das liegt weit zurück», erklärt der Luzerner.

Stammspieler sind vor allem Ausländer

Schafft Gino Steenaerts beim HC Kriens-Luzern den Schritt zur fixen Grösse, würde er eine willkommene Ausnahme verkörpern. Denn obwohl die SG Pilatus seit 2009 Junioren ausbildet, war mit dem 13-fachen Nationalspieler Adrian Blättler nur ein Akteur für eine längere Zeit ein wichtiger Baustein des Teams. Der Rest suchte und fand sein Glück andernorts in der QHL oder trat bald einmal kürzer. Das Vertrauen des Klubs in seine Junioren, die Geduld der Junioren beim Warten auf den Durchbruch – dieses Wechselspiel funktioniert beim HCKL (noch) nicht.

Die zentralen Rollen übernimmt deshalb auswärtiges Personal. Zwar befinden sich momentan im 18-Mann-Kader sieben Zentralschweizer mit viel Talent, Stammspieler ist allerdings keiner. Mit Ausnahme der Flügelpositionen mit dem Zürcher Ramon Schlumpf und dem Schaffhauser Levin Wanner stehen sogar durchwegs Ausländer in der Hauptverantwortung – ein Umstand, der den Verantwortlichen gerade jetzt, in einer Phase des Misserfolgs, mitunter zum Vorwurf gemacht wird. Umso wichtiger ist, dass sich Eigengewächse wie Spielmacher Moritz Oertli, Abwehrspezialist Gino Delchiappo oder die Flügel Idrizi, Steenaerts und On Langenick zu gestandenen Akteuren entwickeln, dann dürfte sich beim HC Kriens-Luzern auch mehr Kontinuität einstellen.

Ab dem Winter wieder im Nachwuchs?

Für Gino Steenaerts, der gestern zu einem Training mit dem U19-Nationalteam nach Schaffhausen aufgeboten worden ist, zählt vorderhand nur das Heimspiel gegen Wacker Thun, welches man natürlich gewinnen wolle.

«Zuhause sind wir ungeschlagen, das wollen wir so beibehalten»,

erklärt der 16-jährige Flügelspieler, der an der Kantonsschule Alpenquai in Luzern bis 2025 die Sportklasse besuchen wird. Wenn Idrizi in der zweiten Saisonhälfte zurückkehrt, werde er sich, ohne zu klagen, wieder in den Nachwuchs zurückziehen und auf Einsätze mit den U19-Elite-Junioren konzentrieren. In der Hoffnung, dereinst beim HC Kriens-Luzern eine Hauptrolle einnehmen zu können.

QHL

Nachtragsspiel 2. Runde, heute, 19.30: Kriens-Luzern – Thun.
Rangliste: 1. Kadetten Schaffhausen 7/14. 2.GC Amicitia Zürich 8/10. 3. BSV Bern 7/10. 4. Wacker Thun 7/9. 5. Pfadi Winterthur 8/9. 6. St.Otmar St.Gallen 8/9. 7. Suhr Aarau 8/8. 9. Kriens-Luzern 7/5. 9. RTV Basel 8/2. 10.Chênois Genève 8/0.

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