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«Der Rollstuhl ist nicht das Ende»

Der gebürtige Unterägerer Daniel Bachmann (43) hatte nach einem Unfall als Handballer Glück, nicht gelähmt zu sein. 13 Jahre später traf ihn dieses Schicksal doch noch. Dennoch spricht er von Schutzengeln.
Michael Wyss

«Beeinflussen kannst du im ­Leben nichts. Was passiert, muss so sein. Alles hat einen Grund. Ich sage immer, dass das Leben bestimmt ist», so Daniel Bachmann. Diese Aussage kommt von einer Person, die mit den Schattenseiten des Lebens schon zwei Mal konfrontiert wurde.

Seit seinem zweiten schweren Unfall sitzt Daniel Bachmann im Rollstuhl. Trotzdem hat er die Lebensfreude nicht verloren. «Mein Glas ist halb voll und nicht halb leer. Es ist eine Frage der Einstellung, des positiven Denkens. Klar, früher gab es Tage, wo ich nur hätte heulen können. Nun habe ich es aber akzeptiert, mein neues Leben. Die Frage nach dem Warum stellt sich nicht mehr», so Bachmann, der in Unterägeri aufgewachsen ist und seit einigen Jahren in Buttisholz lebt.

Der 43-Jährige ist von der Brust abwärts gelähmt und spürt einen grossen Teil seines Körpers nicht. Seinen linken Arm kann er bewegen, der rechte Arm ist versteift.

Verhängnisvoller Abzweiger

Es war der 22. Juni 2014, der Bachmanns Leben veränderte. «Das, was ich jetzt erzähle, wurde aus meiner Erinnerung gelöscht. Ich weiss es einfach von Zeugenaussagen und Polizei­berichten her, was passierte. Ich weiss nur noch, dass am Tag vor dem Unfall die Firmung meiner Tochter Nathielle gewesen war.» Der leidenschaftliche Töfffahrer wollte auf seiner Ducati über Gotthard-, Nufenen-, Grimsel- und Sustenpass.

«An diesem Tag bog ich in Wassen rechts ab in Richtung Sustenpass. Etwas, was ich noch nie gemacht hatte.» Bachmann hatte ein Wohnmobil vor sich, das wegen eines Velofahrers sehr langsam unterwegs war. Er wollte den Wohnwagen überholen. Genau in diesem Moment fuhr das Wohnmobil auf die linke Spur, um das Velo zu überholen. Bachmann musste abrupt bremsen. Das Vorderrad blockierte. Bachmann prallte mit dem Kopf gegen einen Granitpfeiler am Strassenrand.

Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, die ersten sieben Brustwirbelkörper waren ­gebrochen. «Meine Wirbelsäule wurde wie eine Handorgel gequetscht, der rechte Arm war 30 Mal gebrochen. Ich wollte, bevor es knallte, vermutlich noch mein Gesicht damit schützen», führt er aus. Sein Leben rettete vermutlich der Helm.

Bachmann wurde mehrmals operiert und musste während fünf Wochen ins Koma versetzt werden. Da viele Nerven zerrissen wurden, bestand keine Chance mehr, dass er eines Tages wieder gehen konnte. Die Rehabilitation erfolgte in Nottwil im Schweizerischen Paraplegiker-Zentrum (SPZ). Dort entdeckte Bachmann im Jahr 2016 die Freude am Rollstuhl-Rugby. Mittlerweile spielt er bei den Silent Lambs und den Fighting Snakes, die in Nottwil beheimatet sind und auf höchstem Niveau spielen. Vor zwei Jahren feierte Bachmann mit den Fighting Snakes den Cupsieg – der grösste Erfolg seiner bisherigen Karriere.

Kürzlich wurde er zum Assistenztrainer der Schweizer Nationalmannschaft berufen. «Ich bin stolz, dass ich dieses Amt bekleiden darf, das ist Ehrensache.» Mit dem Nationalteam strebt er den Aufstieg in die A-Gruppe an. «Wir werden Anfang Oktober in Nottwil die B-Weltmeisterschaft bestreiten. Die Promotion würde uns die Tür für Olympia 2020 in Tokio weit öffnen», erklärt Bachmann, der leidenschaftlicher Fan des EVZ ist.

In seinem ersten Leben spielte er Handball – und fand sich schon einmal im SPZ Nottwil wieder: Im Jahr 2001 stürzte Bachmann in einem 1.-Liga-Spiel mit dem TV Muri nach einem Zusammenprall auf eine Zuschauerbank. Der zehnte Brustwirbel war verschoben und gequetscht. «Ich wusste nicht, ob ich je wieder laufen kann. Schliesslich hatte ich Glück, dass der Wirbel nicht gebrochen war. Ich hatte also das erste Mal einen Schutzengel. Das zweite Mal flog er auch mit. Den Gang in den Rollstuhl konnte er diesmal zwar nicht verhindern, aber mein Leben retten.»

Das Schlimmste sei für Daniel Bachmann nicht, dass er nicht mehr gehen könne. «Vielmehr beschäftigt mich, dass ich die Temperaturen wegen der Lähmung nicht wahrnehmen kann. Das ist ein Problem wegen der Hitze im Sommer und der Kälte im Winter. Verbrennungen und Erfrierungen spüre ich nicht, weshalb ich gut aufpassen muss, wo ich mich aufhalte. Nur auf der linken Seite meines Kopfes schwitze ich noch. Warum das so ist, weiss man nicht.»

«Er ist ein Vorbild für viele»

Bachmann, der mit seiner Frau Maria und Tochter Nathielle ein Einfamilienhaus bewohnt, kann sich auch nur vier Stunden an einem Stück konzentrieren. «Dann muss ich mich hinlegen und schlafen.» Dennoch hat ihm ein Arbeitgeber eine Chance ­gegeben, er arbeitet in einem 30-Prozent-Pensum als Logistiker.

«Ich bin meinem Arbeit­geber für alles dankbar. Er hat sogar bauliche Massnahmen unternommen.» An den Handball bleiben ihm Erinnerungen – und Kontakte. Bachmann begann im LK Zug mit dieser Sportart. Sein ehemaliger Trainer Peter Stutz sagt: «Daniel ist ein Mensch, vor dem ich grössten Respekt habe. Wie er sein Leben meistert – Chapeau! Er ist ein Vorbild für viele.»

Hat sich Bachmann als Mensch verändert nach diesen Erlebnissen? «Ja. Ich bin ruhiger geworden und freue mich heute an Kleinigkeiten. Heute lebe ich bewusster. Das Leben kann so schön sein. Meine Einstellung hat sich auch geändert: Mache aus jeder Situation das Beste. Der Rollstuhl ist nicht das Ende.»

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