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Footvolley-EM in Kriens: Der Traum von Roger Federer

Die Footvolley-EM in Kriens bietet spektakulären Sport. Die Leidenschaft der Szene ist gross, das Zuschauerinteresse aber sehr gering.
Stephan Santschi
Alberto Quintas spielt für die Schweizer Nationalmannschaft. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Alberto Quintas spielt für die Schweizer Nationalmannschaft. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Das israelische Team (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Das israelische Team (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Ein Spieler des östreichischen Teams nimmt den Ball mit der Brust an. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Ein Spieler des östreichischen Teams nimmt den Ball mit der Brust an. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Voller Einsatz (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Voller Einsatz (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Der Spieler des italienischen Teams befördert den Ball mit dem Fuss übers Netz. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Der Spieler des italienischen Teams befördert den Ball mit dem Fuss übers Netz. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Mit dem Kopf wird der Ball gespielt (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Mit dem Kopf wird der Ball gespielt (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Da muss er sich mächtig strecken. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Da muss er sich mächtig strecken. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Das iraelische Team (blau) und das norwegisches Team (rot) klatschen sich ab. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Das iraelische Team (blau) und das norwegisches Team (rot) klatschen sich ab. (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
(Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019) (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Eine Linie am Boden wie beim Volleyball (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Eine Linie am Boden wie beim Volleyball (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
(Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019) (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Cèderic Schmutz mit seiner Ballmaschine (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Cèderic Schmutz mit seiner Ballmaschine (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
(Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019) (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Mylene Lanter vom Schweizer Nationalteam (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Mylene Lanter vom Schweizer Nationalteam (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Die Schweizerinnen im Zusammenspiel (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Die Schweizerinnen im Zusammenspiel (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
Maria Wahle (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)Maria Wahle (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
(Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)(Bild: Nadia Schärli, Kriens, 23. August 2019)
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Footvolley-EM in Kriens

«Ich weiss nicht, wo ihr sonst Footvolley spielt. Aber hier ist es grossartig. Diese Sicht auf die Berge, das bin ich nicht gewohnt. Sonst sehe ich nur das Meer.» Der Israeli Ron Ben iShai schmunzelt bei diesen Worten. Gerade hat er mit seinem Partner Oren Tzuberry das Vorrundenspiel gegen Norwegen souverän gewonnen. Ben iShai ist Footvolley-Profi, in Israel gibt es sogar eine Profiliga, die im TV übertragen wird. Sein Trainingsplatz ist der herrliche Gordon Beach von Tel Aviv. «Sieben Monate im Jahr haben wir Sommer. Alles ist komplett anders als in der Schweiz», sagt er und verscheucht erschrocken eine Hummel, die ihm zu nahe kommt. Grenzen hat er sich keine gesetzt. «Ich will die Nummer eins der Welt werden. Mein erstes Ziel ist es nun, hier die EM zu gewinnen.»

Sein Wunsch sollte sich nicht ganz erfüllen, Israel landete an der Footvolley-EM im Parkbad Kriens auf Platz drei. Die Goldmedaille ging an Portugal, bei den Frauen siegte Norwegen. Der Sport bot viel Unterhaltung und vermittelte echtes Strandfeeling. Die Italiener zeigten zu den Klängen von «Viva la Mamma» den Shark Attack – ein Smash mit der Sohle des Fusses. Die Spanier spielten zu «La Cintura» platzierte Kopfbälle in das hintere Eck des gegnerischen Sandes. Und Punkte der Schweizer wurden mit hiesiger Volksmusik gefeiert. Letztere klassierten sich ihrem Status als Aussenseiter entsprechend weitab von der Spitze. Drei Teams waren dabei, nur die Schweizer Meister Alberto Quintas und Cristiano Goes hatten sich sportlich qualifiziert, die zweite Schweizer Auswahl und das Frauen-Team erhielten die Startplätze als Gastgeber geschenkt.

Ein Italiener macht den Shark Attack. (Bild Nadia Schärli (Kriens, 23. August 2019))

Ein Italiener macht den Shark Attack. (Bild Nadia Schärli (Kriens, 23. August 2019))

Wer hat es erfunden? Die Schweiz!

Während es Quintas/Goes nach einem Sieg gegen Österreich immerhin in den Achtelfinal schaffte und dort am späteren Europameister scheiterte, schieden die anderen bereits in der Vorrunde aus. Die Schweiz rühmt sich mit Bezug auf historische Dokumente zwar als Erfinder des Footvolleys, schon vor den aktuellen Dominatoren aus Brasilien soll in Luzern dem Volleyballspiel mit den Füssen gefrönt worden sein. Die nationale Szene allerdings hat es bisher nicht aus den Kinderschuhen herausgeschafft. Kaum 30 Lizenzierte sind registriert, nur vier Vereine gemeldet, bei den Frauen ist Footvolley praktisch inexistent.

In Kriens wurde die weibliche Schweiz von Mylene Lanter und Maria Wahle vertreten. Die eine ist eine 27-jährige Biologin aus Frankreich, die andere eine 22-jährige Biochemikerin aus Deutschland – beide arbeiten und leben in Basel, weshalb sie mit einer Sondergenehmigung für die Schweiz starten durften. Lanter spielt immerhin seit eineinhalb Jahren Footvolley mit den Männern, Wahle begann erst vor kurzem damit, nachdem sie auf eine Anzeige von Lanter geantwortet hatte. Einmal trainierten sie vor der EM zusammen, das Auftaktspiel gegen Holland war der erste gemeinsame Auftritt an einem Wettkampf, entsprechend chancenlos war das neu formierte Duo bei der 5:18-Niederlage. «Die Gegnerinnen haben uns beobachtet und ausgeguckt», stellt Wahle fest. «Wir haben wenig Erfahrung», sagt Lanter. «Während die anderen Teams mit Tricks das Publikum auch unterhalten, wollen wir in erster Linie punkten.» Weitere klare Niederlagen gegen Norwegen (4:18) und Österreich (5:18) sollten folgen.

Treffen am Strand mit einem brasilianischen Fussballstar

Dabei gibt es sie durchaus, die leidenschaftlichen Pioniere im Schweizer Footvolley. Zwei von ihnen bildeten die zweite Schweizer Mannschaft – der Tessiner Michele Politta und der Freiburger Cédric Schmutz. Auch sie waren der internationalen Konkurrenz klar unterlegen, ihre Vita allerdings ist bemerkenswert. Politta ist 51-jährig und damit der älteste Teilnehmer im EM-Feld. Auf den Geschmack kam er vor vielen Jahren in den Ferien in Rio, als er an der Copacabana zufällig auf Junior stiess. Der ehemalige brasilianische Fussballstar, der an der WM 1982 Teil des «Dream Teams» um Zico und Socrates war, liess sich spontan auf eine Runde Footvolley am Strand überreden. «Da habe ich mich in Footvolley verliebt. Der verrückte Kerl ist jedoch der dort drüben», sagt Politta und lacht. Der dort drüben, das ist Cédric Schmutz, 40-jährig und einer, der dem Footvolley in der Schweiz zum Durchbruch verhelfen will. Dafür hat er sich extra eine Ballmaschine angeschafft, die in regelmässigen Abständen das Spielobjekt auf den Akteur schiesst, der dann die Abnahme üben kann.

Beim FC Luzern mit Footvolley abgeblitzt

Schmutz versuchte sogar, die Entscheidungsträger in Fussballklubs der Super League davon zu überzeugen, Footvolley-Einheiten in den Trainingsalltag einzustreuen. Doch egal ob beim FC Luzern, in Sion oder Zürich – Schmutz blitzte ab. Dabei könne das Spiel im Sand einem Profi viel bringen, erzählt der ehemalige Fussballer, der es bei Bulle einst bis ins NLB-Team geschafft hatte.

Als er anfing, während drei Stunden pro Woche Footvolley zu betreiben, hätten sich seine Leistungswerte schon nach sechs Monaten um 20 Prozent gesteigert. «Kondition, Schnelligkeit, Kopfballspiel, Sprung- und Schusskraft – alles wurde signifikant besser.» Da er wisse, dass auch Weltklasse-Tennisspieler Footvolley spielen, habe er Roger Federer angefragt, ob er nach Kriens komme. «Eine klare Absage gab es nicht, es passte wegen der US Open einfach nicht in seinen Terminkalender. Ich werde es wieder probieren.»

Schweizer Szene hofft auf Bus, der sie abholt

Roger Federer als Botschafter – für Beni Zwyssig kämen dann wohl Weihnachten, Geburtstag, Ostern und alle anderen Feiertage zusammen. Er ist der Präsident von Swiss Footvolley, war selber 27 Jahre lang aktiv und amtete als OK-Präsident der EM in Kriens. Trotz spektakulärem Sport seien an den drei Wettkampftagen nur etwa 1000 Zuschauer in die Beach-Arena gekommen. «Wir haben uns mehr erhofft», gibt der 48-jährige Nidwaldner zu. Er habe feststellen müssen, dass sich die Entwicklung einer Randsportart nicht beschleunigen lasse, wenn das grosse mediale Interesse fehle. «Dabei wäre das Potenzial sehr gross. Footvolley ist eine Kombination aus Fussball und Beachvolleyball.»

Immerhin habe der erst 2017 in Luzern gegründete europäische Verband eine Tour mit drei Qualifikationsturnieren eingeführt. «Nun haben wir ein gutes Produkt, das wir einem Sportvermarkter übergeben können.» Darüber hinaus werde er sich um die Aufnahme in den Schweizer Volleyballverband bemühen und wolle den Sport bei den Fussballern bekannter machen. «Wir sind mit Footvolley noch immer zu Fuss unterwegs. Vielleicht nimmt uns bald ein Bus mit, damit wir schneller vorwärtskommen.»

Footvolley-EM

Resultate, Männer. Final: Portugal – Italien 2:0 (18:9, 18:14). – Spiel um Platz 3: Deutschland – Israel 0:1 (15:18). – Zwischenrunde: Portugal – Schweiz I 2:0 (18:8, 18:10); Schweiz II in Vorrunde out.

Frauen, Final: Holland – Norwegen 0:2 (15:18, 15:18). – Spiel um Platz 3: Italien – Deutschland 0:1 (13:18); Schweiz in Vorrunde out.

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