Die Dagmerseller Handballer schocken Altdorf erneut

Dagmersellen gewinnt bei Favorit Altdorf mit 27:26 und übernimmt in der 1.-Liga-Abstiegsrunde die Tabellenführung.

Stephan Santschi
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Der Dagmerseller Dominik Sommer (am Ball) setzt zum Torschuss an.

Der Dagmerseller Dominik Sommer (am Ball) setzt zum Torschuss an.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 29. Februar 2020)

Acht Sekunden blieben den Altdorfern, um am Samstagabend wenigstens einen Punkt in der heimischen Feldlihalle zu behalten. 26:27 lagen sie gegen Dagmersellen im Rückstand – und daran sollte schliesslich auch das letzte Aufbäumen nichts mehr ändern. Florian Henrichs Wurf wurde zur Beute von Goalie Ramon Häller – die Luzerner jubelten, die Urner waren konsterniert. Schon wieder. Bereits Ende Januar siegte der letztjährige Zweitligist gegen den früheren B-Ligisten, damals mit 34:30. In der Gruppe 3 der 1.-Liga-Abstiegsrunde zieht Dagmersellen damit vorbei an Altdorf auf Platz eins der Tabelle.

Erstaunlich war es schon, dass ausgerechnet Häller zum Matchwinner wurde. Bis zur 40. Minute dauerte es nämlich, bis er den ersten Ball hielt. Erst in der Schlussphase drehte der sonst zuverlässige Rückhalt der Dagmerseller auf und wurde zum entscheidenden Faktor. Dies, obwohl er mit 20 Prozent nur auf eine halb so gute Abwehrquote kam wie seine Antipoden Jan Dittli (40 Prozent) und Christian Amrein (39), die phasenweise Parade an Parade reihten. «Im Handball zählen eben die wichtigen Momente», haderte Altdorfs Spielertrainer Mario Jelinic.

«Spinnen die eigentlich?», staunt der Zuschauer

Das neuerliche Scheitern dem Torhüter-Duo anzukreiden, wäre allerdings verfehlt. Die Altdorfer verschliefen den Start im Kollektiv, lagen nach nicht einmal fünf Minuten bereits mit 1:5 hinten. Gleich im ersten Angriff versuchten sie sich mit einem Flieger, erfolglos notabene, was bei einem Zuschauer nur ein Kopfschütteln und die Bemerkung «Spinnen die eigentlich? So holt man sich doch keine Sicherheit» abrang. Die Urner vermochten sich aber zu steigern, stellten sowohl in der Deckung (vom 6:0 zum 5:1) als auch im Angriff (neu mit 7:6-Überzahl) das System um, und zwangen den Gegner zu vielen Fehlern.

Zur Pause hatte der KTV Altdorf das Spiel gedreht (16:14), bis zur 34. Minute erhöhte er die Führung auf 19:15 und schien dem vierten Sieg in Serie entgegenzustreben. Die Manndeckung auf Jelinic bekam dem Gastgeber in der Folge aber nicht, ohne ihren Spielertrainer im Rückraum wirken die Urner ziemlich führungslos. «Das passiert uns leider etwas oft, dass wir den Gegner gar einfach ins Spiel zurückkommen lassen», stellte Jelinic fest. «Unser Team ist sehr jung, da mangelt es halt noch an Konstanz.» Zudem fehlten Altdorf mit Benjamin Vizi, Manuel Gisler und David Arnold gleich drei Aufbauer verletzungsbedingt.

Die kämpferischen Dagmerseller, bei denen Trainer Martin Prachar aufgrund fehlender Stabilität selber wieder in der Abwehr spielt, glichen das Skore in der 42. Minute erstmals wieder aus (20:20) und lieferten sich danach mit dem Gegner ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Herausragende Figur neben Keeper Häller war dabei Rückraumspieler Thomas Häfliger. Nicht eben als Topskorer bekannt und mangels Alternativen als Rechtshänder auf der unpassenden Position im rechten Aufbau im Einsatz, traf Häfliger gleich achtmal ins Netz und führte sein Team in offensiver Hinsicht zum Sieg. «Das war mein wohl bestes Spiel. Wir haben nie aufgegeben, nie den Kopf hängen lassen», freute sich Häfliger über die starke Moral seiner Equipe.

Seine Treffsicherheit war auch deshalb von tragender Bedeutung, weil Dagmersellen aufgrund der Fehleranfälligkeit nur kurz auf sein 7:6-Überzahlspiel zurückgriff. «Das haben wir zuletzt nicht mehr so intensiv trainiert», erklärte Häfliger und bestätigte auf Nachfrage mit einem Schmunzeln: «Ja, wegen der Fasnacht…».

Sorge wegen Corona-Virus erreicht den KTV Altdorf

Bleibt zu hoffen, dass am Samstag alle Anwesenden den Weg gesund nach Hause angetreten haben. Wegen des Corona-Virus mussten auf Anweisung des Kantons am Eingang sämtliche Zuschauer Name, Wohnort und Telefonnummer hinterlassen, damit sie bei einem Infektionsfall als möglicher Virenherd kontaktiert werden können.

Altdorf – Dagmersellen 26:27 (16:14)
Feldli. – 200 Zuschauer. – SR Eberhard/Lanz. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Altdorf, 3-mal 2 Minuten gegen Dagmersellen. – Altdorf: Dittli/Amrein (ab 31.); Auf der Maur (7), Henrich, Luca Aschwanden (2), Jelinic (5/2), Fallegger (2), Adamcik (4); Pascal Aschwanden (4), Baumann, Häusler (1), Bär (1). – Dagmersellen: Häller/Portmann (28. bis 30.); Renggli (3), Häfliger (8), Oggier (3), Sommer (2), Kilian Tschupp (5), Wyss (2), Prachar; Pascal Tschupp (2), Peter (2), Huber. – Bemerkungen: Pascal Aschwanden mit Übertritt beim Penalty (28./15:13). Amrein pariert Penalty von Sommer (57./24:24).