Die Emmer Handballer wollen «böser» werden

Perfekter Einstand für Emmens neuen Trainer Gery Bucher: Sein 1.-Liga-Team bezwingt Dagmersellen mit 36:26.

Stephan Santschi
Drucken
Teilen
Luka Kovacevic (am Ball) trägt fünf Tore zum Emmer Sieg bei.

Luka Kovacevic (am Ball) trägt fünf Tore zum Emmer Sieg bei.

Bild: Eveline Beerkircher (Emmenbrücke, 5. September 2020)

Die Dagmerseller reisten mit Ambitionen zum Derby nach Emmen, das am Samstag die 1.-Liga-Meisterschaft eröffnete. Schliesslich hatten sie den ersten Ernstkampf im Cup gegen Leimental klar für sich entschieden, gar erstaunt war man über das eigene Leistungsvermögen zum frühen Zeitpunkt der Saison. Umso ernüchternder war dann das Fazit, dass sie am Ende ziehen mussten. Gleich mit 26:36 verloren sie in Emmen, schon zur Pause (15:24) hatte es keine Zweifel mehr über den Ausgang der Partie gegeben.

Deutlich besser war die Stimmung im Lager der Emmer. Dort stand mit Gery Bucher ein neuer Mann an der Seitenlinie, er folgte auf Heinz Fuhrimann, der das Team drei Jahre lang betreut hatte. «Es ist erfreulich gelaufen, wir waren gut eingestellt. Zu viel dürfen wir uns darauf aber nicht einbilden», resümiert Bucher seinen perfekten Einstand. Von Beginn weg drückte Emmen aufs Tempo, verteidigte effektiv, lief viele Gegenstösse und gefiel mit einer starken Chancenauswertung. Herausragend war Mark Schelbert, der 17 Mal (!) ins gegnerische Gehäuse traf. «Mit seiner individuellen Stärke riss er das Spiel an sich. Aussergewöhnliche Spieler wie er können Partien in der 1. Liga entscheiden», erklärt Bucher.

Gery Bucher formte Talente zu NLA-Spielern

Der Angriff ist ohnehin nicht das Sorgenkind des 54-jährigen Obernauers. Bereits letzte Saison war Emmen das offensivstärkste Team der gesamten 1. Liga, die Defensive war eines Spitzenteams aber nicht würdig. «Die Arbeit in der Abwehr zu verbessern, das ist mein Hauptkriterium», sagt Bucher. «Unsere 6:0-Abwehr muss kompakt stehen und sie muss sich mehr nach vorne orientieren. Einfach auf der Sechsmeter-Linie stehen bleiben, das geht heute nicht mehr.» Hierzu brauche es vor allem mehr Aggressivität. «Wir müssen im positiven Sinn etwas böser werden. Wir möchten hart und fair verteidigen.»

Der ehemalige NLA-Kreisläufer Gery Bucher (Borba Luzern, Emmenstrand) will damit die gute Arbeit seines Vorgängers fortführen. Wie Fuhrimann ist auch Bucher in erster Linie ein Ausbildner, auch er hat eine lange Vergangenheit als Trainer in der Nachwuchsabteilung der SG Pilatus. Schon bei deren Gründung im Jahr 2009 war er dabei, coachte die U15- und später die U19-Auswahl und bildete heutige NLA-Spieler wie Moritz Oertli, Claudio Vögtli, Gino Delchiappo oder Kayoum Eicher aus. 2019 endete sein Engagement bei der SG Pilatus, etwas Neues suchte er nicht «auf Teufel komm raus», wie Bucher erzählt. Die Anfrage aus Emmen war aber zu reizvoll, um sie auszuschlagen. Dem langjährigen Förderer von leistungssportorientierten Jugendlichen bietet sich damit die Möglichkeit, ein ambitioniertes Aktivteam zu übernehmen. «Gemeinsam mit meinem Assistenten Erich Schelbert möchte ich den Mix aus Jung und Alt zu einem Gebilde zusammenfügen und die Mannschaft auf ein höheres Niveau bringen», erklärt Bucher. Ein Platz in den Top zwei der Gruppe, der zur Teilnahme an der Finalrunde berechtigen wird, ist das erklärte Ziel der Emmer – im Wissen, dass die Konkurrenz in dieser Saison stärker sein wird als zuletzt.

Doppelmandat für Dagmersellen-Trainer

Die Dagmerseller werden sich derweil auf den Ligaerhalt fokussieren müssen. Trotz der Schlappe in Emmen stehen die Chancen hierzu gut, das Team ist grösstenteils zusammengeblieben. Ein Rückschlag war der Achillessehnenriss des neu verpflichteten Tschechen Bohumir Skopal im Training. Und eine besondere Herausforderung ist das Doppelmandat von Trainer Martin Prachar, der neu auch das NLB-Team der Solothurner führt. Apropos NLB: Bereits heute Dienstag (20.30 Uhr) steht Dagmersellen wieder im Einsatz: Zu Gast in der 1. Hauptrunde des Schweizer Cups ist B-Ligist Wädenswil/Horgen.

Emmen – Dagmersellen 36:26 (24:15)
Rossmoos. – 170 Zuschauer – SR Diethelm/Morf – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Emmen, 4-mal 2 Minuten gegen Dagmersellen. – Emmen: Schnyder/Schnellmann; Schelbert (17/5), Acha-Orbea (1), Kim (1), Häberli (1), Brunner (1), Hartmann (3), Cilurzo (2), Kovacevic (5), Bucher (3), Dürger (1), Büchli (1). – Dagmersellen: Häller/Schöpfer; Fabian Häfliger (1), Wyss (1), Vitus Hodel, Pascal Tschupp (1), Oggier (4), Kilian Tschupp (8), Sommer (6/1), Thomas Häfliger (2), Döös, Flavio Hodel (1), Minder, Renggli (2). – Bemerkung: Schöpfer pariert Penalty von Bucher (11./8:4)