Die Familie Emmenegger aus Nottwil hat den Handball im Blut

Caro Emmenegger gewann mit Nottwil vier Meistertitel. Nun sorgen im Nachwuchs ihre Töchter für Aufsehen.

Stephan Santschi
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Ihr Name ist eng mit den grossen Erfolgen der Spono Eagles verknüpft. Dreimal gewann Caroline Emmenegger als Spielmacherin den Meistertitel (2000, 01, 06), einmal als Assistenztrainerin von Urs Mühlethaler (2016). Heute ist die 47-jährige Primarlehrerin aus Nottwil für den U18-Elite-Nachwuchs zuständig. Und wen erstaunt’s? Auch mit den ältesten Juniorinnen der Spono Eagles ist sie auf Erfolgskurs. In der Qualifikation führen sie die Tabelle klar an – in 17 Partien gaben sie nur drei Punkte ab. «Unglaublich», sagt sie selber über diese Dominanz, «das habe ich so nicht erwartet. Die Harmonie in unserem Team ist ein wichtiger Faktor.»

Doch Emmenegger sorgt nicht nur als Teamverantwortliche für die Entwicklung des Nachwuchses, sie hat auch drei Töchter, die bei den Spono Eagles mit viel Leidenschaft Handball spielen: die 17-jährige Ana, die 15-jährige Mia und die 12-jährige Nora.

Caroline Emmenegger, flankiert von ihren Töchtern, der 15-Jährigen Mia (links) und der 17-jährigen Ana.

Caroline Emmenegger, flankiert von ihren Töchtern, der 15-Jährigen Mia (links) und der 17-jährigen Ana.

Bilder: Jakob Ineichen (Nottwil, 26. Februar 2020)

Druck ausgeübt habe sie nie, betont Emmenegger. «Wir hätten auch ein musikalisches Hobby unterstützt.» Handball sei für ihre Mädchen einfach von klein auf ein Thema gewesen. «Wenn ich früher Spiele der 1. Mannschaft vor dem TV analysiert habe, sassen alle dabei, machten eigene Analysen oder zeichneten etwas dazu», erzählt sie lachend. Ihr Mann Guido sei der einzige Nicht-Handballer in der Familie. «Seine Unterstützung ist ganz wichtig. Er hält uns den Rücken frei und zeigt, dass es noch anderes als Handball gibt.»

Ana, die älteste der Emmenegger-Schwestern, spielt mittlerweile in der zweiten Auswahl der Nottwilerinnen in der SPL2. Wie ihre Mutter fühlt sie sich in der Schaltzentrale auf Rückraum Mitte zu Hause. «Das Gefühl für das Spiel ist mir in die Wiege gelegt worden», berichtet Ana. «Mir gefällt es, auf dem Feld Verantwortung zu übernehmen und das Spiel für mein Team zu organisieren.» Mit ihrer verhältnismässig geringen Körpergrösse von 1,72 Metern schlägt sie ihrer Mutter Caro nach (1,67 Metern), generell sind die beiden in ihrem sportlichen Auftreten sehr ähnlich.

Ana Emmenegger geht an Krücken zum Training

In der SPL2 hat sich Ana Emmenegger bereits einen Namen gemacht. Beim Leader der Abstiegsrunde ist sie eine Leistungsträgerin und mit 95 Toren die zweitbeste Skorerin. Seit dieser Saison trainiert sie einmal pro Woche mit dem SPL-1-Team. Am letzten Samstag stand sie dabei erstmals für ein Meisterschaftsspiel im Aufgebot der ersten Auswahl, beim 29:28-Sieg in Thun kam sie aber noch nicht zum Einsatz. «Ana wirft besser, als ich es tat», erzählt Caro Emmenegger. «Wenn sie nun noch vier, fünf Kilo an Muskelmasse zulegt, hat Ana alles, um eine komplette Spielmacherin zu werden.»

Manchmal müsse man sie fast bremsen, so gross sei ihr Ehrgeiz. Nach dem Kreuzbandriss im Herbst 2018 kam Ana an Krücken in die Halle, um im Sitzen Wurfübungen zu machen, derart hart und fokussiert arbeitete sie an ihrem Comeback. Auch das Pfeiffersche Drüsenfieber warf sie nicht aus der Bahn.

Mia Emmenegger möchte «einfach Vollgas» geben

Mia Emmenegger hat ebenfalls bereits Einsätze im SPL2-Team absolviert, ihr Stammteam sind aber noch die U18-Juniorinnen – dort ist sie aktuell mit 117 Toren sogar die Topskorerin der gesamten Liga. Im Gegensatz zu ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester spielt sie nicht im Rückraum, sondern als Linkshänderin am rechten Flügel. «Ich bin noch ein junger Schnaufer, bringe frischen Wind ins Team. Ich möchte nicht zu viel denken, sondern aus dem Bauch heraus spielen», erzählt Mia. Das sei auf ihrer Position sehr gut möglich. «Die Linie rauf- und runterrennen, Gegenstösse laufen und in den Abschluss gehen, wenn es passt – ich möchte einfach Vollgas geben.»

Mit 1,60 Metern ist sie die Kleinste der Emmeneggers. In Zukunft will sie an ihrem 1:1-Verhalten und an ihrer Sprungkraft feilen. «Dann habe ich noch mehr Zeit, die Torhüterin auszugucken und mit ihr zu spielen.» Als Vorbild nennt sie die spektakulär auftretende Russin Anna Wjachirewa. «Sie zeigt auf, welche Möglichkeiten man als kleine Linkshänderin hat.»

Reisen drei Emmeneggers an die historische WM?

Wenig überraschend nehmen beide auch in den Nachwuchs-Nationalteams eine tragende Rolle ein – Ana in der U18-Auswahl, Mia bei der U16. Assistenztrainerin der U18 ist Caro Emmenegger und so stellt sich generell die Frage: Wie läuft es mit der eigenen Mutter als Trainerin? «Sehr gut, sie ist geduldig und gibt oft wertvolle Tipps. Im Frauen-Handball hat es ja nicht extrem viele Trainerinnen. Sie bringt für junge Mädchen viel Verständnis auf», sagt Ana. «Manchmal ist es etwas speziell, ich habe auch schon gehört, dass wir bevorzugt werden könnten», sagt Mia.

Caro Emmenegger hofft, dass dies nicht der Fall sei: «Es gelten für alle die gleichen Regeln und bei Entscheidungen, die meine Töchter betreffen, halte ich mich raus», erklärt sie. Sie befinde nicht darüber, wann sie eine Stufe höher zum Einsatz kommen oder für das Nationalteam aufgeboten werden. Im Sommer haben die Drei sogar ein ganz besonderes Highlight in Aussicht. «Vielleicht fahren wir alle an die U18-WM nach Kroatien, aber bis im August kann noch viel passieren», erzählt Emmenegger, die als Aktive 86 Mal für die Schweiz auflief. In Kroatien nimmt erstmals überhaupt ein weibliches Nationalteam an einer Endrunde teil.

Nora Emmenegger «wird wohl die Grösste von uns»

Aus jetziger Sicht scheint es also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Ana und Mia auf höchster Stufe ankommen. Beide besuchen die Sportschule an der Kanti Alpenquai in Luzern, setzen sich die SPL1, das A-Nationalteam und später vielleicht ein Engagement im Ausland zum Ziel. Und dann ist mit Nora bereits das nächste vielversprechende Talent auf dem Weg – sie spielt bei den Nottwiler U14-Elite-Juniorinnen im Rückraum. «Sie wird wohl die Grösste von uns, schon jetzt misst sie 1,62 Meter», sagt Caro Emmenegger. Der Name Emmenegger dürfte in Nottwil also weiter eng mit dem Erfolg verknüpft sein.