Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Die Familie gibt dem FC-Schötz-Stürmer Labinot Aziri die Lockerheit

Labinot Aziri, Stürmer des FC Schötz, ist derzeit zweitbester Torschütze der ganzen 1. Liga.
René Barmettler
Labinot Aziri jubelt: Sein spektakuläres Tor in der 94. Minute stellt den 3:2-Heimsieg über Zug 94 sicher. Inzwischen steht er bei 14 Meisterschaftstreffer. Bild: Dominik Wunderli (Schötz, 10. August 2019)

Labinot Aziri jubelt: Sein spektakuläres Tor in der 94. Minute stellt den 3:2-Heimsieg über Zug 94 sicher. Inzwischen steht er bei 14 Meisterschaftstreffer. Bild: Dominik Wunderli (Schötz, 10. August 2019)

Gretzenbach ist eine Gemeinde im Kanton Solothurn, von Zofingen aus nur auf verschlungenen «Pfaden» zu erreichen. Dort ist Labinot Aziri zu Hause, das Treffen findet in der Café-Bäckerei Maier statt, einem für diesen überschaubaren Ort grosszügig gestaltetes Lokal. Der 27-Jährige sitzt schon dort und verströmt gute Laune. Ein Mensch, der rundum glücklich ist. «Momentan läuft es so gut, dass es mir manchmal sogar unangenehm wird. Ich kam von einer Kreuzband- und Meniskus-Verletzung zurück, war acht Monate weg. In dieser Zeit kam Sohn Lorik auf die Welt, seither bin gelassener geworden. Der Mittelpunkt ist jetzt meine Familie», erzählt er.

14-facher Torschütze in der Meisterschaft ist er zurzeit in der vierthöchsten Schweizer Liga. Das ist der zweitbeste Wert aller Spieler der 42 Mannschaften. Nur Mohamed Almamy Camara (Delémont, ebenfalls Gruppe 2) hat mit 16 Toren mehr getroffen als der Schweiz-Kosovare. «Seit ich Familienvater bin, kam die Lockerheit. Zudem geniesse ich es, nach dieser Verletzung wieder dabei zu sein.»

So wie er, möchte jedes Kind aufwachsen

Seit 27 Jahren lebt Labinot Aziri im aargauischen Dorf Gretzenbach. Sein Vater kam 1977 in die Schweiz und arbeitete wie damals üblich als Saisonnier. Später fand der Familiennachzug statt. Labinot ist das jüngste von vier Kindern. Er hat zwei Schwestern, sein Bruder ist der Älteste der vierköpfigen Kinderschar. Labinot ist aber der einzige «Secondo», die älteren Geschwister kamen noch im damaligen Jugoslawien zur Welt. «Meine Muttersprache beherrsche ich nach wie vor, unsere Familie reist jedes Jahr für ein paar Tage nach Gjilan, unserer Heimatstadt im Kosovo. Von dort emigrierten übrigens ganz viele in die Schweiz.»

Labinot Aziri erlebte hierzulande eine sorgenfreie Kindheit. «So wie ich, will jedes Kind aufwachsen», sagt er dankbar. Er fühlte sich in Gretzenbach immer wohl, auch wenn es ausser Fussball nicht viele Freizeitangebote hat. Bis 15 spielte er beim örtlichen FCG, danach fuhr er jeweils mit dem Fahrrad ins nahe Olten zum Training. Dort spielte er in der Nachwuchsabteilung Rivo-Olten-Gäu U15, die es inzwischen nicht mehr gibt. Die folgenden Stationen waren Solothurn, Niedergösgen, FC Olten unter Trainer René Erlachner, Wangen bei Olten, FC Kosova ZH, Sursee, wieder Kosova und Wangen, und jetzt eben Schötz. Sein Ex-Trainer Erlachner, der zurzeit beim FC Rotkreuz (2. Liga inter) unter Vertrag steht, holte ihn ins Luzerner Hinterland. «René Erlachner hat mir die Chance gegeben, in Schötz zu spielen.» Im Winter 2016/17 wechselte er zum FCS, in seiner ersten kompletten Saison 2017/18 gelangen ihm 16 Saisontreffer für Schötz. In der darauffolgenden lief es dann weniger prächtig. Fünf Tore erzielte er, dann ereilte ihn die eingangs erwähnte Verletzung. Ein Rückschlag für den extrem ehrgeizigen Stürmer, der, wenn es nicht läuft, auch mit sich hadern konnte. Treffen tut ihn auch das oft sehr kritische Publikum beim FC Schötz, das berühmt-berüchtigt ist, etwas gar schroff mit Spielern umzugehen, welche die Erwartungen temporär nicht zu erfüllen im Stande sind. Seinem Mitstürmer Elvis Bratanovic ist es auch schon so ergangen, «darum bin ich froh, dass er letzthin wieder treffen konnte. Ich bin sehr froh, mit ihm zusammenspielen zu können.» Bratanovic ist der Robuste der beiden, Aziri ist der, der die weiten Wege nicht scheut.

Unerklärliche Schötzer Auswärtsschwäche

Labinot Aziri ist gelernter Maurer. Dass er jeweils abends todmüde im Training auftauchte, machte ihm nichts aus. «Daran gewöhnte ich mich.» Inzwischen hat er beruflich einen anderen Weg eingeschlagen, ist bei den SBB als Leiter Logistik in Hägendorf beschäftigt.

Beschäftigen tut ihn auch die derzeit nicht einfache sportliche Situation des FC Schötz. Er ist zwar der beste Zentralschweizer 1.-Ligist, aber nur auf Rang 8 zu finden. Das hat mit der Auswärtsschwäche zu tun, bei den Heimauftritten gibt es wenig zu bemängeln. «Ich kann mir das nicht erklären. In Goldau müssten wir das 3:2 über die Runde bringen, kassierten aber noch den Ausgleich. Es hat schon seine Gründe, dass wir Achter sind.»

Niederlagen beschäftigen Aziri über das ganze Wochenende, über Siege kann er sich genau so lange freuen. Dem Real-Madrid-Fan gefällt Cristiano Ronaldo am besten. «Nicht seines Stiles wegen, sondern wegen seines Ehrgeizes.»

Ehrgeiz, die Erleichterung, die Verletzung überstanden zu haben und das Familienglück: Diese Kombination führte dazu, dass Labinot Aziri derzeit unbeschwert aufspielen kann. Schafft dies auch noch der Rest seines Teams, dürfte der FC Schötz nur schwierig zu stoppen sein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.