Die Triathleten finden in Sursee zurück in den Wettkampfmodus

An der kurzfristig anberaumten Schweizer Triathlon-Meisterschaft auf dem Gelände des Sportcampus Sursee profilieren sich mit Nicola Spirig und Florin Salvisberg zwei grosse Namen.

Jörg Greb
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Jolanda Annen sprintet auf den zweiten Rang.

Jolanda Annen sprintet auf den zweiten Rang.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Sursee, 27. September 2020)

Nicola Spirig, die Olympiasiegerin und unbestrittene Vorzeigefigur des Schweizer Triathlons, sah sich gefordert. Die 38-Jährige sagte: «Dieses Format, dieser Sprint über 400-m-Schwimmen, 10-km-Velo und 2,5-km-­Laufen, das ist etwas für die Jungen.» Die Startgelegenheit und den 1:1-Vergleich mit der Schweizer Elite liess sie sich trotz der Fragezeichen nicht nehmen. Und – ungewollt – erschwerte sie sich die Aufgabe. Spirig bekam im Final eine Zeitstrafe aufgebrummt. Der Grund: ein Frühstart beim Schwimmen im 50-m-Becken. «So etwas ist mir in meiner über 20-jährigen Karriere noch nie passiert», sagte sie. Beim Wechsel aufs Velo hatte sie die 10 Strafsekunden abzusitzen. Die Besten wie die Urnerin Jolanda Annen musste sie ziehen lassen. Doch Spirig nahm das Verdikt gelassen. «Eine zusätzliche Herausforderung», sagte sie sich, bevor sie zur Aufholjagd aus sechster Position startete.

Ihrer Klasse auf dem Velo entsprechend schaffte Spirig den Anschluss auch auf der kurzen Strecke souverän. Und beim Laufen sorgte sie früh für die Vorentscheidung. Spirig siegte ohne Spurt vor Annen und Alisha König. «Ich bin froh über das glückliche Ende», sagte sie. Im Hinblick auf die nächste Saison mit Olympia fühlt sie sich nach dem Bruch des Radisuköpfchens am Ellenbogen vor gut zwei Monaten wieder «auf Kurs».

Mit einem Strahlen im Gesicht beendete auch Jolanda Annen das Rennen. «Ich bin glücklich mit dem Resultat und natürlich mit der Möglichkeit, mich auf dieser Stufe mit den Besten messen zu können», erklärte die 28-Jährige. Im Gegensatz zu Spirig nutzte sie den Coronasommer gezielt mit vier Trainingsblöcken mit ihrer deutschen Trainingsgruppe. Diese Investitionen machen sich bezahlt. Auch Annen fühlt sich motiviert und «auf gutem Weg». Ganz im Gegensatz zu vielen Zweitplatzierten sagte sie: «Rang 2 an dieser Meisterschaft macht Freude – Freude bezüglich der Art und Weise des Zustandekommens, ebenso aber wegen dieser Wettkampfmöglichkeit und der Stimmung untereinander.» Mit klarem Abstand folgte auf Rang 3 Alisha König.

Premiere für Florin Salvisberg

Ein Geburtstagsgeschenk der besonderen Art bereitete sich Florin Salvisberg mit seinem Triumph bei den Männern. Am Vortag feierte er seinen 30. Auch er führte die Entscheidung in Sursee beim Laufen herbei. «Im Gegensatz zum Bundesliga-­Rennen zwei Wochen zuvor spielten nun die Beine voll mit», sagte er lächelnd. Um den ersten Meistertitel bei der Elite handelt es sich für ihn. Rang 2 ging an Simon Westermann, Rang 3 an Lars Holenweger.

Glücklich schätze sich auch die Verbandsführung. Innert knapp vier Wochen stellte sie zusammen mit lokalen Vereinen und der Sportcampus-Leitung unter Mathias Hecht diese Titelkämpfe auf die Beine. Attraktiv, spannend, hochklassig besetzt waren sie. Und dieses Sprint-­Format mit Vorlauf, Halbfinal und Final dürfte in Zukunft nicht nur international – es ist für Europameisterschaften und die Olympischen Spiele vorgesehen –, sondern auch in der Schweiz an Bedeutung gewinnen. «Wir wollen diese Meisterschaft ins Jahresprogramm integrieren», sagte Verbandspräsident Pascal Salamin. Nach den aktuellen Ideen dürfte sich das Spektakel in Sursee regelmässig wiederholen – dann hoffentlich mit Publikum.

Triathlon

Oberkirch. Campus Sursee. Super Sprint Triathlon. Schweizer Meisterschaften (400-m-Schwimmen, 10-km-Radfahren, 2,5-km-Laufen). Männer: 1. Florin Salvisberg (Zürich) 28:20. 2. Simon Westermann (Winterthur) 0:16 Minuten zurück. 3. Lars Holenweger (Dietlikon) 0:23. 4. Sasha Caterina (Minusio) 0:28. 5. Maxime Fluri (Aigle) 0:38. 6. Adrien Briffod (Vevey) 0:41.

Frauen: 1. Nicola Spirig (Bachenbülach) 31:22. 2. Jolanda Annen (Schattdorf) 0:09. 3. Alissa König (Dietlikon) 0:30. 4. Lisa Berger (Emmenmatt) 0:44. 5. Ilaria Zane (ITA) 0:53. 6. (SM-5.) Imogen Simmonds (Genf) 1:20. 7. (SM-6.) Anja Weber (Hinwil) 2:03.