Die Geschwister Keiser aus Rotkreuz harmonieren bestens

Annja Keiser ist die neue Turnfestsiegerin bei den Geräteturnerinnen in der Königskategorie 7. Die 25-jährige Zugerin aus Rotkreuz reitet aktuell auf einer Erfolgswelle – auch dank Bruder Markus (32).

Stefanie Meier
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Annja Keiser und ihr Bruder und Trainer Markus klatschen sich nach der Reckübung ab. Bild: Severin Bigler (Aarau, 16. Juni 2019)

Annja Keiser und ihr Bruder und Trainer Markus klatschen sich nach der Reckübung ab. Bild: Severin Bigler (Aarau, 16. Juni 2019)

Auf dem Wettkampfplatz sieht man sie oft zusammen: Annja Keiser, Ausnahmeathletin und von Beruf Pflegefachfrau, und ihr Bruder Markus, ehemaliger Turner, begeisterter Inlineskater und von Beruf Hochbauzeichner. Die beiden feierten am Eidgenössischen Turnfest in Aarau den grössten Erfolg ihrer Karriere und zeigten sich direkt nach dem Wettkampf total überwältigt. Annja und Markus Keiser stammen aus einer turnbegeisterten Familie. Sogar die kleine Lea, jüngster Familienzuwachs von Schwester Fabienne, war am Sonntag als Fan in der Schachen-Halle mit dabei.

Annja und Markus Keiser, wie sah die Vorbereitungszeit im Hinblick auf das ETF aus?

Markus Keiser:Das eidgenössische Turnfest ist der Wettkampf aller Wettkämpfe. Da wollten wir – ich spreche jetzt von wir, weil wir ja ein Team sind – parat sein. Wir hatten einen vielversprechenden Saisonabschluss letzten November und sind sehr motiviert in die neue Saison eingestiegen. Mein Ziel war es, Annja bis zu den Sommerferien fit zu machen. Wegen einer Fussverletzung haben wir viel Zeit in eine neue, etwas weniger belastende Bodenübung investiert.

Das heisst, die Übung ist einfacher oder gar unattraktiver geworden?

Linus Wolfisberg holt Silbermedaille im Kunstturnen

Noch vor zwei Wochen, an den Schweizer Meisterschaften der Junioren, misslangen Linus Wolfisberg viele Elemente bei seinen Übungen. Doch beim Saisonhöhepunkt in Aarau zeigte der Neuenkircher seine Klasse. Der Programm-4-Turner startete am Reck mit einer guten Übung und konnte den Doppelsalto rückwärts in den Stand turnen. Die weiteren Geräte turnte der 13-jährige Sportschüler konstant, dies brachte ihn vor dem letzten Gerät in Führung. Am Barren unterliefen dem Talent zwar keine Fehler. Weil sich aber der Zürcher Colin Schmid am Reck die höhere Note sicherte, reichte es letztlich nicht für den Sieg. «Das ist das Highlight meiner bisherigen Turnkarriere», zeigte sich Wolfisberg mit Rang zwei zufrieden. Nicht zuletzt über seinen Auftritt an den Ringen konnte er stolz sein: «Ich konnte erstmals die Stützwaage zeigen und dazu den Doppelsalto zum sicheren Stand turnen.» Im Programm 2 bewies Elias Weber einmal mehr, warum er zu den Besten seines Jahrganges gehört. Auch in Aarau stand der Turner des TV Ebikon als Dritter auf dem Podest. Damit konnte der Kunstturner mit Jahrgang 2008 seinen Podestplatz von den nationalen Meisterschaften bestätigen. Knapp dahinter auf Rang fünf klassierte sich sein Teamkollege Ben Stadler. Bei der Elite gelangen Fabien Herzog, Dominic Tamsel und auch Iman Clayton der angestrebte «perfekte Wettkampf» nicht, sie verpassten den Kranz allesamt. (RW)

Innerschweizer Platzierungen in Aarau. Männer. Programm 1: 9. Leon Schüpbach (Neuenkirch). 17. Luca Schöll (Luzern). 24. Matheo-Luca Zrotz (Malters). – P2: 1. Ben Schumacher (Lenzburg). 3. Elias Weber (Ebikon). 5. Ben Stadler (Ebikon). – P4: 2. Linus Wolfisberg (Neuenkirch). – P6: 27. Fabien Herzog (Luzern). 29. Dominic Tamsel (Malters). 44. Aron Spigaglia (Rickenbach). 47. Iman Clayton (Luzern). 50. Leandro Isenegger (Rickenbach). 53. Valentin Vonesch (Roggliswil). 58. Michael Fischer (Rain). 63. Jonas Fischer (Rain). 64. Daniel Lauber (Luzern). 74. Fabio Lippitsch (Rain). 75. Yannick Wey (Rickenbach). Frauen. Programm 2: 4. Joy Rohrer (BTV Luzern). – P3: 2. Annika Weissörtel (Küssnacht). – P4 Amateur: 15. Anja Gisler (Altdorf). – P6: 11. Céline Sidler (Küssnacht). 44. Jill Iten (BTV Luzern). 49. Amina Luneno (BTV Luzern).

Annja Keiser: Einfacher ja, weil sie viel gelenkschonender ist. Der Salto kam raus, dafür viel mehr kombinierbare Elemente rein. Ich mache beispielsweise Rolle-Handstand-Healy als Kombination und bleibe so die ganze Übung hinweg im Fluss. Wir haben die Übung gefühlt tausendmal geändert und jetzt endlich eine Variante gefunden, die mir auch wirklich Spass macht und für mich interessant zum Turnen ist. Ziel erreicht, würde ich sagen.

Ihr beide arbeitet eng zusammen. Kommt es nie zu Reibereien zwischen euch?

Markus Keiser: Annja ist sehr «pflegeleicht» und klar gibt es Tage, an denen es uns beiden an Energie und Motivation fehlt. Wir kennen uns sehr gut, wir sind schliesslich Geschwister. Wir versuchen dann, die Situation so zu drehen, dass wir am Ende eines Trainings die Turnhalle trotzdem mit einem guten Gefühl verlassen können.

Ein wichtiges Thema bei euch sind die Emotionen. Inwiefern beeinflussen sie euch?

Markus Keiser: Annja hat ein sehr gutes Gespür für sich selbst. Wenn bei ihr das Gefühl beim Turnen stimmt, weckt das in ihr positive Emotionen – und das gibt mir als Leiter Motivation, noch mehr Zeit und Energie in sie zu investieren. Wir machen viele Vorübungen, damit Annja den Bewegungsablauf verinnerlichen kann. Und plötzlich geht Turnen ganz leicht. So als würde sich ein Knopf lösen. Immer wieder stossen wir auf Aha-Erlebnisse im Training wie auch im Wettkampf und das wirkt enorm elektrisierend.

Annja Keiser: Markus ist ein so positiver Mensch. Darum habe ich mich sehr gefreut, dass er mich am ETF betreut hat. Kurz bevor ich ans Gerät ging, gab er mir kleine Inputs, die mich total gut gelenkt haben. Es war nicht zu viel und nicht zu wenig. Irgendwie weiss er immer genau, was er sagen muss. Er findet für jede Situation die richtigen Worte. Letzten Freitag habe ich unsere K6er betreut und mich immer wieder gefragt, «was würde wohl Markus jetzt sagen».

Wo seht ihr Optimierungsmöglichkeit im Hinblick auf die nationalen Titelkämpfe von Ende Jahr?

Markus Keiser: Ich verfolge das Motto: «Man wächst mit der nächsten Herausforderung». Ich möchte Annja noch mehr beibringen. Annja Keiser: Ich bin motiviert für neue Herausforderungen. Und Markus auch, das weiss und spüre ich. Denn er hat mir direkt nach dem Wettkampf gesagt, jetzt könne er mir meine neue Reckübung zeigen. Ich weiss nicht, was Markus im Sinn hat, aber es wird sicher spannend. Wir werden die wettkampffreie Zeit gut nutzen. Im Sommer lege ich noch eine kurze Trainingspause ein, gehe für einige Wochen nach Kanada und bin dann auf die Herbst-Wettkämpfe wieder zurück in der Schweiz.

Roggliswiler peilen in der Leichtathletik einen Platz unter den ersten Fünf an

Das ETF in Aarau geniesst bei den Leichtathleten des STV Roggliswil einen hohen Stellenwert. «Für die meisten Aktiven bildet es das Highlight der ersten Saisonhälfte und wurde dementsprechend mit viel Elan vorbereitet. Die drei wöchentlichen Trainingseinheiten wurden im Vorfeld sehr rege besucht. Auch im Trainingslager nach Ostern wurde intensiv an der Form gefeilt. Die Athleten haben die Chance genutzt und das Bestmögliche aus der Vorbereitung herausgeholt», so Lukas Luternauer. Der 31-Jährige stand am Samstag gemeinsam mit zwei weiteren Duos aus Roggliswil im Sechskampf in der Kategorie Sie und Er im Einsatz. «Während beide Teammitglieder die Disziplinen Hoch- und Weitsprung, Kugelstossen und Speerwerfen bestreiten, wird der abschliessende 2000-Meter-Lauf gemeinsam gelaufen, wobei die Strecke in 400-Meter-Abschnitte unterteilt wird. Unseren drei Gruppen lief es gut, im Team zu kämpfen, hat grossen Spass gemacht», so der Liftmonteur, der bei der Schindler AG arbeitet. Besonders am Mehrkampf sei es eine lockere, freudige Atmosphäre untereinander. «Man hilft einander und unterstützt sich gegenseitig. Vor allem in der Kategorie Sie und Er, wo der Spass im Vordergrund stand, waren alle mit Freude dabei. Bis zur letzten Disziplin spielte auch das Wetter mit.» Nach den Eidgenössischen Turnfesten in Frauenfeld und Biel bildet dasjenige in Aarau bereits das dritte, an dem Lukas Luternauer als aktiver Turner dabei ist. «Die Turnfeste werden immer grösser. Während ich früher als Athlet einfach Teil der Gruppe war, nehme ich das ganze Drumherum als Betreuer nun anders wahr.» Gefeiert wird erst in einer Woche Ebenfalls am Samstag im Einsatz standen mit Sven Eichenberger, Jonas Luternauer und Christian Wirz drei Sechskämpfer. Sie bestritten die Disziplinen 100-Meter-Lauf, Weit- und Hochsprung, Kugelstossen, Speerwerfen sowie den abschliessenden 1000-Meter-Lauf. «Besonders gut lief es dabei meinem Bruder Jonas, welcher eine tolle Punktzahl erzielte und mit einer Topplatzierung liebäugeln darf.» Auch im zweitägigen 10-Kampf waren mit David Luternauer sowie Micha Luternauer und Marco Glauser drei Roggliswiler am Start. Marco Glauser konnte dabei bei seinem letzten 10-Kampf die 6000-Punkte-Marke knacken. «Im abschliessenden 1500-Meter-Lauf musste er dafür eine Zeit von 4:40 Minuten laufen – mit 4:38 Minuten gelang ihm dies. Auch den anderen beiden Zehnkämpfern gelangen durchs Band weg solide Leistungen ohne Nuller.» Im Anschluss an die Wettkämpfe wurde auf die Erfolge angestossen – richtig gefeiert wird aber erst in einer Woche. «Am Freitag werden wir im Leichtathletik-Mannschafts-Mehrkampf, bestehend aus den sechs Disziplinen 100-Meter-Lauf, Hoch- und Weitsprung, Kugelstossen sowie 100-Meter-Lauf antreten. Dabei kommen vier Athleten pro Team in die Wertung. Unser Ziel ist es, eine gute Punktzahl zu erreichen. Die Top 5 sind unser Ziel. Ob es sogar zu einem Podestplatz reicht, hängt nicht zuletzt von der Konkurrenz ab.» (stb)

Leichtathletik. Männer. 10-Kampf: 1. Thomas Bucher (Buttikon-Schübelbach) 6895 Punkte. 3. Raphael Holdener (Schindellegi) 6650. Ferner: 11. Marco Glauser (Roggliswil) 6024. 16. Marc Röthlisberger (Ballwil) 5605. 35. Micha Luternauer (Roggliswil) 5050. 45. David Luternauer (Roggliswil) 4862. 48. Reto Eichenberger (Hitzkirch) 4812. – 6-Kampf: 1. Ralf Kurath (Mels) 4860. 12. Jonas Luternauer (Roggliswil) 4318. 19. Ramon Zehnder (Schindellegi) 4263. Frauen. 7-Kampf: 1. Iris Inderbitzin (Buttikon-Schübelbach) 4687. 8. Karin Schnüriger (Brunnen) 4215. 163. Angela Gurtner (Rotkreuz) 3965. 23. Vreni Christen (Küssnacht) 3527. – 4-Kampf: 1. Dania Behringer (Eschenbach SG) 2737. 7. Sabrina Niederhauser (Brunnen) 2530.