Fussball
Der Luzerner SC bettelt um die Punkte, Rothenburg hamstert sie

Das 2.-Liga-Duell zwischen dem Luzerner SC und Rothenburg endet 2:2. Die Gäste verpassen den Sieg nur knapp.

René Barmettler
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LSC-Verteidiger Omer Osmanovic (links) kommt vor dem Rothenburger Adrian Fries an den Ball.

LSC-Verteidiger Omer Osmanovic (links) kommt vor dem Rothenburger Adrian Fries an den Ball.

Bild: Adrian Bär (Luzern, 30. April 2022)

In der 88. Minute spielt Rothenburg-Stürmer Dario Hänsli LSC-Torhüter Noël Schweizer aus, schiesst den Ball von rechts auf das leere Tor – und trifft nur den Pfosten. Es wäre das 3:1 und die Entscheidung gewesen, und auch das Heimteam hätte dem nicht widersprechen können: Völlig verdient. In der Nachspielzeit kommen die Stadtluzerner auf dem neu verlegten Naturrasen im Leichtathletik-Stadion nochmals gefährlich vor das Tor: Eine Flanke erreicht nahe am entfernten Pfosten Erdem Yalcin, der von der sonst so aufmerksamen Rothenburger Verteidigung alleine gelassen wird – 2:2.

Diesen Punkt nahm LSC-Trainer Pren Spaqi gerne entgegen, «wir haben derzeit einen schweren Stand». Wie wahr: Vor dieser Partie holte der LSC in sechs Partien nur drei Zähler und befindet sich in der ungewohnten Rolle eines Bettlers. Ursachenforschung ist schnell betrieben, 25 Gegentore, das Spektakel fand zu häufig im eigenen Strafraum statt.

Bitteres Cup-Aus für den Luzerner SC

Glück im Unglück: Der Traditionsklub hatte in der Vorrunde ein beachtliches Punkte-Reservepolster angehäuft und befindet sich noch nicht in akuter Abstiegsgefahr. «Unsere Vorbereitung im Winter lief nicht gut. Wir haben angeschlagene Spieler, können Verteidiger nur ungenügend ersetzen und sind deshalb physisch nicht ganz auf der Höhe», sagte Spaqi, der seit 2015 als Spieler zum LSC kam und nun als Trainer die schwere Aufgabe hat, die Saison noch einigermassen über die Runde zu bringen.

«Wir müssen realistisch bleiben: Die 2. Liga ist für uns keine Selbstverständlichkeit. Du darfst hier niemanden unterschätzen.»

Wie auch Rothenburg nicht, «das gegen uns um jeden Zentimeter gekämpft hat». Ausserdem hatten die LSC-Spieler mit schweren Beinen zu kämpfen: Am Mittwoch standen sie im IFV-Cup-Viertelfinal gegen Sempach bis rund 23.30 Uhr auf dem Rasen und mussten sich im Penaltyschiessen mit 4:5 geschlagen geben.

Marc Odermatt, der Trainer des FC Rothenburg, beschwichtigte sein Team nach dem verpassten Sieg:

«Kopf hoch!»

Das fiel insbesondere Torhüter João Pedro Da Silva Lopes schwer, der seinem Frust freien Lauf liess. Möglicherweise brachte er die Szene nicht mehr aus dem Kopf, die zum 1:1-Ausgleich (53.) geführt hatte: Er liess einen Cornerball aus den Händen gleiten, LSC-Innenverteidiger Ivan Procopio nützte die Situation aus.

Der LSC-Jubel war kaum verklungen, unmittelbar nach dem Wiederanstoss traf Erich Schnider mit einem technisch sauberen Linksschuss zur erneuten Führung der Gäste, die bis zur 93. Minute Bestand hatte.

So weit hätte es für die Rothenburger nicht kommen müssen, «wir hatten in der ersten Halbzeit die besseren Chancen», wie Odermatt zu Recht anmerkte. Das Kopftor in der 13. Minute durch Davide di Berardino war eine zu magere Ausbeute, und deshalb «ist das eine gefühlte Niederlage», sagte Odermatt, der sich aber in dieser Rückrunde damit abgefunden hat, «dass wir die Punkte zusammenhamstern müssen». Eine Forderung an sein Team, das kompakt und solidarisch auftritt, hat er hingegen schon:

«Wir müssen uns endlich für den Aufwand belohnen.»

Sechs Runden vor Schluss befindet sich Rothenburg (22 Punkte) nur unmittelbar vor den beiden Verfolgern Altdorf (21) und Obergeissenstein (20) auf dem elften Rang. Nun also gilt es für den FC Rothenburg, noch möglichst viele Punkte im Kampf gegen den Abstieg zusammenzuhamstern.