Eine echte Geduldsprobe für die Andermatter Skifahrerin Leoni Zopp

Die 18-jährige Urnerin Leoni Zopp kämpft mit den Folgen eines vor einem Jahr geschehenen Unfalls.

Peter Gerber Plech
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Trotz Rückschlägen zuversichtlich: die Urnerin Leoni Zopp. Bild: pd

Trotz Rückschlägen zuversichtlich: die Urnerin Leoni Zopp. Bild: pd

Erinnern könne sie sich kaum daran, was am 28. November 2018 beim FIS-Riesenslalom in Arosa passiert sei, sagt Leoni Zopp. Vielleicht ist es auch besser so, dass lediglich Erzählungen von Trainern oder Kolleginnen als Erinnerung dienen. Die Andermatterin stürzte im ersten Lauf des FIS-Riesenslaloms von Arosa, war kurz ohne Bewusstsein, fand sich im Rettungshelikopter und später für drei Tage im Spital wieder. Knochen und Bänder blieben heil, immerhin. Aber eine Gehirnerschütterung sorgte dafür, dass Leoni Zopp den Winter vorzeitig hatte beenden müssen.

Mehr noch, denn bis heute zeitigt der in Arosa erlittene Unfall Folgen. Die C-Kader-Angehörige von Swiss Ski kann noch immer keine Rennen bestreiten. «Es ist zwar besser geworden, aber es ist noch nicht so wie es vor dem Sturz gewesen ist», sagt Leoni Zopp. Nicht, wie nach einer Gehirnerschütterung auch möglich, Schwindelgefühle oder Schlafstörungen plagen die junge Rennfahrerin, es sind immer wiederkehrende Kopfschmerzen, welche die Lebensqualität und die sportlichen Möglichkeiten einschränken. Hinzu kommt, dass sich die Urnerin während des Konditionstrainings im Sommer noch eine Verletzung am rechten Knöchel (Zerrung des Syndesmosebandes und Knochenprellungen) zuzog. Zwei Monate Zwangspause waren die Folge. «Das war zwar ärgerlich, aber im Vergleich mit den Folgen der Gehirnerschütterung ein Klacks.»

Mehr Erholungszeit als im gesunden Zustand

Diese Fussverletzung hatte auch negative Auswirkungen auf den Zustand im Kopf. Klingt eigenartig, ist aber, wenn man die Begründung von Leoni Zopp liest, logisch. «Weil ich im Training die Beine nur eingeschränkt habe einsetzen können, habe ich umso mehr für den Oberkörper, den Rumpf und den Nacken gemacht. Und das war dann einfach zu viel. Hinzu kam, dass genau in dieser Phase auch die Schule wieder begonnen hat und dadurch das Gehirn zusätzlich gefordert worden ist.» Da nützte auch ein etwas reduzierter Schulbesuch – drei Tage in der Schule, zwei Tage Arbeit zuhause – in Engelberg nichts. Sie brauche viel mehr Erholungszeit als im gesunden Zustand. «Habe ich diese nicht, dann wird mir schnell mal übel und der Kopf schmerzt. Da wird mir immer wieder klar gemacht: mein Kopf ist der Chef, nicht mein Wille, nicht meine Wünsche.»

Leoni Zopp möchte unbedingt zurück auf die Skier, und das möglichst rasch. Das ist auch dem Charakterzug der Ungeduld geschuldet. «Das ist definitiv ein bisschen ein Problem. Ich muss lernen und akzeptieren, dass mein Kopf den Plan vorgibt. Es nützt nichts, wenn ich etwas mit Gewalt erzwingen will. Es geht deswegen nicht schneller, im Gegenteil.» Statt auf der Skipiste ist die 18-Jährige im Swiss Concussion Center in Zürich Stammgast. Alle zwei Wochen taucht sie in der Fachklinik für Neurologie zur Physiotherapie auf, während ihre Teamkolleginnen Spuren in den Schnee ziehen.

Mit ihrem Vater zum freien Skifahren

Zopps Hoffnung ist, dass ein Renntraining mit der Mannschaft ab Januar wieder möglich sein wird. Bis dahin kann sie, wenn es der Kopf zulässt, gemeinsam mit ihrem Vater zum freien Skifahren auf den Gemsstock. «Dort kann ich im bekannten Umfeld und in meinem Tempo trainieren. Ich habe keinen zusätzlichen Stress, der mein Gehirn unnötig belasten würde.» Und auf der Piste wird Leoni Zopp wenigstens immer wieder vor Augen geführt, dass sie skifahrerisch nichts verlernt hat – davon sind übrigens auch ihre Trainer von Swiss Ski überzeugt. Und die Nachwuchshoffnung macht sich selber Mut, ohne übermütig zu werden: «Ich will gesund werden, alles andere ergibt sich dann.»