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Engelberger Seilzieher gewinnen die «Formel 1»

Jetzt ist es amtlich: Die Dominanz der Ebersecker in der Königsklasse ist nach sieben Jahren beendet. Der neue Schweizer Meister aus Engelberg gewinnt zum Abschluss sein Heimturnier und strebt nun nach internationalen Meriten.
Stephan Santschi
Die Engelberger Schwergewichte (640 kg) lösen die Ebersecker als Schweizer Meister ab und vertreten im September die Schweiz an der WM. (Bild: Jakob Ineichen (Engelberg, 22. Juli 2018))

Die Engelberger Schwergewichte (640 kg) lösen die Ebersecker als Schweizer Meister ab und vertreten im September die Schweiz an der WM. (Bild: Jakob Ineichen (Engelberg, 22. Juli 2018))

Was er im Moment des Triumphs empfinde? «Einfach eine grosse Genugtuung», sagte Thomas Arnold und atmete durch. Der 33-jährige Seilzieher der Engelberger hat mit seinen Teamkollegen eine harte Zeit hinter sich. Sieben Jahre lang mussten sie zuschauen, wie die Ebersecker in der 640-Kilo-Klasse einen Schweizer Meistertitel nach dem anderen einheimsten, immer wieder scheiterten ihre Versuche einer Wachablösung. «Wir waren sehr nahe an der Spitze, doch es war nie perfekt», erklärte Arnold. «Geglaubt aber haben wir immer an uns und jetzt funktioniert alles tipptopp.»

Vor dem Final war Arnold extra in den Anhänger der Turnierleitung gestiegen und brachte die Musikanlage wieder zum Laufen. Hardrock von seinem Mobiltelefon war angesagt, um sich mental auf den Showdown einzustimmen. «So ist es auch für die Zuschauer schöner», bemerkte Arnold und schmunzelte.

Engelberg mit Verstärkung aus Irland

Neben dem Wettkampfgelände stand derweil Claudia Christen, die Vereinspräsidentin. Auch ihr war die Erleichterung anzusehen. Erstmals seit 2014 gewann Engelberg wieder einen Schweizer Meistertitel, in der Königsklasse ist der letzte Triumph sogar elf Jahre her (2007). «Man gewinnt lieber die Formel 1, als die Formel 3», sagte sie und bezog sich damit auf die beiden Titel in der 580-Kilo-Kategorie (2013, 2014) und die lange Durststrecke der 640-Kilo-Athleten. Den Erfolg erklärt sie mit dem jahrelangen Aufbau, viel Training und einem guten Zusammenhalt. Mit Chris Egan erhielt das Team sogar Verstärkung aus dem Ausland. Der 40-Jährige aus der Grafschaft Leitrim zog 15 Jahre lang für das irische Nationalteam, siedelte aus privaten Gründen nach Engelberg über, ist mit der Schwester eines Teamkollegen liiert und arbeitet mittlerweile als Dachdecker.

Seilziehen mal aus einer anderen Perspektive. (Bilder: Jakob Ineichen, Engelberg, 22.07.2018).
Der Schiedsrichter gibt erst das «Pull», wenn die Markierung der Seilmitte über der Linie schwebt.
Gutes Schuhwerk hilft den Seilziehern, standhaft zu bleiben.
Die Engelberger Seilzieher sind bereit loszulegen.
Nach einem Zug werden die Schuhsohlen vom Dreck befreit.
Eine Erfrischung kann nie schaden.
Muskelkraft, aber auch Taktik und Durchhaltewillen sind beim Seilziehen besonders gefragt.
«Seil auf» pflegt der Schiedsrichter vor jedem Zug zu sagen.
«Bereit, Pull» und Sekunden später wird das Tau auf seine Reissfestigkeit geprüft.
Das Team aus Ebersecken musste den Meistertitel in der Königsklasse an Engelberg abtreten.
Der Ankermann hat als Hinterster seines Teams eine wichtige Funktion.
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Seilzieher kämpfen um jeden Zentimeter

Letztlich war es aber doch erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die Engelberger durch die Saison marschierten. In den insgesamt fünf Meisterschaftsturnieren und im Schweizer Cup in Stans verloren sie kein einziges Duell, nur einen Zug gaben sie ab, beim 1:1 in der Vorrunde gegen Ebersecken in Nottwil. Und so war der letzte Schritt zum 15. Meistertitel in der Königsklasse am Sonntag vor eigenem Anhang nur noch Formsache. Der Vorsprung in der Tabelle war derart gross, dass die Engelberger nur noch einen Punkt zur Siegsicherung benötigten. Den holten sie sich kurioserweise schon am Vormittag beim Wägen. Selbst wenn sie danach alle Wettkämpfe verloren hätten, wären ihnen ausreichend Ranglistenpunkte verschrieben worden.

Nottwiler müssen Lehrgeld zahlen

Rechnereien wären aber ohnehin keine nötig geworden, die Engelberger gaben sich auch am Heimturnier keine Blösse, gewannen alle fünf Vorrundenduelle, eliminierten im Halbfinal Stans-Oberdorf, ehe sie im Final die mit Sinsern angereicherte Konkurrenz aus Luthern bodigten. Phasenweise war die Überlegenheit derart gross, dass die Athleten während des Wettkampfs mit einem Lächeln auf den Speaker reagierten, als dieser das Publikum über den Beziehungsstatus und die Berufswahl jedes einzelnen Engelbergers aufklärte. Fast schon demütigend war der erste Zug des Tages gegen Nottwil, der nach rund zehn Sekunden zu Ende war. «Wir sind nicht gut reingekommen und dann konnten wir nichts mehr machen», erläuterte der Nottwiler Martin Buob (29) die schnelle Niederlage und hielt fest: «Training und Turnier sind ganz unterschiedlich. Wir sind vor allem hier, um Erfahrungen zu sammeln.» In Engelberg landete Nottwil auf dem letzten Platz, in den nächsten Jahren möchte es dank grösseren Personalressourcen näher an die Spitze heranrücken.

Und dann waren da die Ebersecker, die sich still und leise vom Thron verabschiedeten. In Engelberg wurden sie nur Vierte, nachdem sie im Halbfinal Luthern und im kleinen Final Stans-Oberdorf unterlegen waren. Im Gesamtklassement retteten sie wenigstens noch den zweiten Platz hauchdünn vor Luthern über die Ziellinie. «Am Ende ist uns der Schnauf ausgegangen», sagte Coach Beat Steinmann und analysierte mit Blick auf den Verlust der Vormachtstellung: «Wir hatten einige Wechsel im Team. Und nach sieben Jahren, in denen wir alles gewonnen haben, fehlten bei uns ein paar Prozent. Wir hatten nicht mehr ein klares Ziel vor Augen.» Den Engelbergern mag er den Erfolg gönnen. «Sie mussten lange unten durch, haben von uns immer wieder auf den Grind bekommen. Sie haben einen super Block beisammen.»

Kampfansage der Ebersecker

Wie geht es nun weiter? Streben die Engelberger nach einer Ära, wie sie die Ebersecker hinter sich haben? «Die Chance ist gross, dass wir eine Weile oben bleiben», findet Thomas Arnold, der bereits beim letzten Sieg in der Königsklasse im Jahr 2007 im Team war. Als nächstes vertreten die Engelberger die Schweiz an der WM in Südafrika (19. bis 22. September) – mit dem klaren Ziel, die Goldmedaille nach Hause zu nehmen. Die Ebersecker richten derweil in der Person von Coach Beat Steinmann eine Kampfansage ins Klosterdorf: «An der WM 2022, welche wir austragen werden, wollen wir wieder an der Spitze sein.»

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