Ski alpin
Fünf Rennen hat er bereits gewonnen: Lenz Hächler fühlt sich auf jeder Piste wohl

Der Zuger Lenz Hächler (18) steht kurz vor dem Aufstieg ins C-Kader von Swiss-Ski.

Peter Gerber-Plech
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Lenz Hächler führt die Swisscup-Wertung an.

Lenz Hächler führt die Swisscup-Wertung an.

Bild: PD

Die Mutter ist Österreicherin, der Vater Schweizer und der Geburtsort liegt in Bayern: ein gutes Startkapital für eine Karriere im alpinen Skirennsport. Wobei einschränkend ergänzt werden muss, dass bei Lenz Hächlers Wohnort Oberwil bei Zug eher für einen sportlichen Weg im Eishockey, in der Leichtathletik oder im Fussball sprechen würde. Diese Einschränkung trifft im Fall des 18-Jährigen aber nicht zu. Ob Slalom, Riesenslalom oder Speed – Lenz Hächler fühlt sich auf jeder Rennpiste wohl.

Ein Beleg dafür sind die bisher erzielten Resultate im Swiss­cup, der Rennserie für den Schweizer U19-Nachwuchs. Fünf Rennen – zwei Slaloms, zwei Riesenslaloms und einen Super-G – hat der Allrounder bereits gewonnen. Ein sechstes Rennen konnte er wegen eines positiv ausgefallenen Coronatests nicht in Angriff nehmen. Beim siebten und bisher letzten Swisscup-Wettkampf ist Hächler Zweiter geworden.

Seine Strecken sollen Streif und Chuenisbärgli sein

«Ich bin ehrgeizig. Wenn in einem Spiel ein Sieger ermittelt wird, dann setze ich alles daran, dass ich dieser Sieger bin. In einem Wettkampf sowieso», sagt der kurz vor der Matura stehende Schüler der Sportmittelschule Engelberg. Wenig überraschend, dass der Zuger auch ein ambitioniertes Ziel für das letzte Drittel der Saison 2021/22 hat: der Sprung aus dem nationalen Leistungszentrum Mitte ins C-Kader von Swiss-Ski. Hächler befindet sich als Leader des Swisscups auf dem besten Weg, die angestrebte Selektion zu schaffen. Es soll dies eine wichtige Etappe Richtung Europacup und Weltcup sein. Das Chuenisbärgli in Adelboden, die Kitzbüheler Streif oder die Pisten in Val d’Isère sollen in Zukunft Hächlers Herausforderungen werden. Wobei Stand heute noch offen ist, ob sich der Zuger neben der Basisdisziplin Riesenslalom in Richtung Speed oder aber zum Slalom hin entwickeln wird. Hauptsache Rennsport, sagt der Wettkampftyp.

«Es ist cool, wenn man mit vollem Vertrauen im Rennen angreifen kann und merkt, dass die Schwünge schnell sind.»

Hatte Hächler noch bis vor drei Jahren mit Gleitstücken noch so seine Mühe, so konnte er dieses Manko in der jüngeren Vergangenheit ausmerzen. Vielleicht steht diese Entwicklung auch im Zusammenhang mit einer körperlichen Veränderung. In den letzten zwei Jahren hat Hächler kontinuierlich noch an Körpergrösse zulegen können und misst jetzt gut 1,80 Meter.

Vorbilder im klassischen Sinne, also mit Postern im Kinderzimmer und der Jagd nach Autogrammkarten, gab es für Hächler nicht. Grosser Spass mit der Familie und der JO im Schnee, am liebsten im Tiefschnee, auf Waldwegen und über Schanzen waren hier viel prägender. Das heisst aber nicht, dass er nicht auch gelegentlich nach links oder rechts schaut, was die Grössen der Szene so tun oder lassen. «Marcel Hirscher und Marco Odermatt fielen oder fallen selten in einem Rennen aus. An dieser Konstanz muss ich noch arbeiten», sagt Hächler.

Hächler ist sein eigener Servicemann

Eigenständig ist auch seine Art, wenn er vor dem Rennen den Lauf noch einmal in Gedanken durchgeht. Lenz Hächler macht nicht die von Fernsehbildern bekannten Wellenbewegungen mit Armen und Händen, vielmehr versucht er, bei geschlossenen Augen mit dem ganzen Körper die anstehende Fahrt zu imitieren und so zu visualisieren.

In der Selbsteinschätzung bezeichnet sich der Teenager als diszipliniert, teilweise mit dem Hang zum Perfektionismus. Das zeigt sich beim Zuger nicht nur im Training, sondern auch in der Präparation seiner Ski.

«Ich bin mein eigener Servicemann. Auch in diesem Bereich versuche ich, das Maximum herauszuholen. Ich will mir nach einem Rennen nicht vorwerfen müssen, etwas nicht gemacht zu haben, um schnell sein zu können.»

Mit dem Aufstieg in die Kader des nationalen Verbandes würde sich in diesem Bereich künftig aber etwas verändern. Ein Servicemann wäre dann für Hächlers Material zuständig. Ein Problem? «Nein, aber ich möchte mich bei der Präparierung einbringen können.» Skifahren ist zwar ein Einzelsport, ein cooles Team und gute Stimmung sind für Lenz aber sehr wichtig.

Er weiss, wie er das Ziel erreicht

Dass Teamarbeit ein elementarer Punkt ist, hat Hächler schon früh erfahren. Denn der damals elf Jahre alte Lenz war beim ersten Slalom-JO-Punkterennen der Karriere auf externe Hilfe angewiesen. «Bei der Besichtigung des Slaloms war ich verwirrt und musste wegen einer mit Aussentor gesetzten Vertikale andere fragen, wo ich da genau durchfahren muss», erinnert sich der Zentralschweizer. Mittlerweile kennt Lenz Hächler nicht nur auf der Slalom-Piste den Weg in Richtung Ziel. Das nächste grosse Ziel heisst Aufstieg ins C-Kader von Swiss-Ski – und dieses ist in Griffweite.