Der Luzerner Turner Simon Stalder treibt sich selbst zu Höchstleistungen

Simon Stalder (28) bereitet sich auf die Schweizer Turn-Meisterschaften in Yverdon vor. Dabei wird er immer kreativer.

Stefanie Meier
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Der Rickenbacher Simon Stalder bei seiner Ringvorführung. Bild: Marianne Baschung (Luzern, 21. September 2019)

Der Rickenbacher Simon Stalder bei seiner Ringvorführung. Bild: Marianne Baschung (Luzern, 21. September 2019)

Seit Simon Stalder vor über 10 Jahren vom Kunstturnen ins Geräteturnen gewechselt hat, ist der Rickenbacher für spektakuläre Sprünge, schnelle Rotationen und Gänsehautmomente zuständig. Sein Repertoire an Elementen ist beeindruckend, sein Palmarès kaum zu überbieten. Genug hat der 28-Jährige noch lange nicht. An der Schweizer-Meisterschafts-Challenge in Luzern sorgte er für Furore, als er sich beim Einturnen am Boden mit der Bahn Rondat, Tempo-Flic, Salto rückwärts mit Schraube aufwärmte. Am Wettkampf zeigt er lässig den Doppelsalto rückwärts gebückt zum sicheren Stand. «Ich will Spass haben, ich will das Publikum begeistern», erklärte Stalder.

Simon Stalder kriegt so manches Kompliment für sein attraktives Turnen. Ein Mehrwert für diesen Sport, sind sich die Leute einig. Mit seinem hervorragenden Orientierungssinn, seinem guten Körpergefühl und seiner Beweglichkeit bringt er genau die Voraussetzungen mit auf das Parkett, um eben solche Steigerungsläufe innert Minuten hinzukriegen. Doch wie macht er das? Videoanalyse sei das Zauberwort. «Wenn ich ein Element auf Video sehe, analysiere ich den Bewegungsablauf, stelle mir mich selbst in dieser Bewegung vor und so geht das Erlernen eines neuen Elementes für mich viel einfacher», präzisierte er mit einem Lachen.

Immer schneller, immer höher, immer verrückter

«Mein Vater hat mich früher viel herumgeworfen – natürlich auf lustige Art und Weise. Er hat mich beispielsweise in einen Laubhaufen geworfen und egal, wie ich flog, ich sei immer auf den Füssen gelandet», zitierte er seine Mutter. Der Ehrgeiz spornt ihn immer wieder zu neuen Höchstleistungen an. So bringt er sich aktuell am Reck den Kovàcs-Salto bei, ein Element, das man häufig von der Kunstturn-Elite zu sehen bekommt. Ein Kovàcs-Salto ist ein Doppelsalto rückwärts über die Reckstange. Ziel dabei ist es, sich sauber an der Reckstange in den Hang aufzufangen. «Das Fangen klappt zurzeit noch nicht ganz. Aber ich bin dran», kommentierte Stalder, der sich solcher Elemente mehrheitlich in der Turnwerkstatt in Malters annimmt, wo genügend Sturzraum vorhanden ist. Schnitzelgruben sind sein Element, dort kann er drehen und schrauben, bis ihm der Kopf brummt. Immer schneller, immer höher und immer verrückter. Der aus einer sportlichen Familie stammende Rickenbacher begeistert mit seiner Passion und ist zudem ein toller Teamplayer, wenn es um Mannschaft-Wettkämpfe geht.

Sorgt für Unterhaltung und Atemlosigkeit

An den Schweizer Teammeisterschaften steht das Team im Vordergrund, der Schwierigkeitsgrad seiner Übungen wird leicht gedrosselt. Auch für den Mehrkampf geht der gelernte Polymechaniker, der als Aufzugsmonteur tätig ist, auf Nummer sicher, will glänzen, gewinnen, will Spass haben. Doch was die Gerätefinals anbelangt, kennt er kein Pardon. Dort wird gezeigt, was möglich ist. Ganz der Simon, der für Unterhaltung und Atemlosigkeit sorgt, obwohl ihm so eine goldene Medaille auf nationaler Ebene am Barren und Boden noch fehlt. Alle anderen Gerätefinals hat er schon mindestens einmal für sich entschieden. Vergangenen Samstag wagte er am Sprung gar eine Premiere für sich selber. «Und das nur wegen Miro», klagte Stalder scherzhaft. Als ob ein 5-Kampf nicht genug wäre, zeigte er an der Super-Challenge beim Einspringen am Sprung einen Dreifachsalto gehockt. Der Tessiner Miro Domeniconi kam ihm allerdings zuvor. Stalder warf dann für einmal die Vernunft über Bord und setzte zum Dreifachsalto gehockt mit halber Drehung an. Der Sprung war bei weitem nicht perfekt – aber unterhaltsam – auch mal bedacht und unkontrollierter.

Sein Körper in der Leitfunktion

Stalder kann auch anders. Doch selten ist ein Turner so souverän, konstant und sicher unterwegs wie er. «Ich kenne meinen Körper sehr gut, weiss wann genug ist und wo ich noch mehr kann.» Seine Trainingseinheiten beschränken sich aktuell auf das Sektionstraining mit dem STV Rickenbach und einer Trainingsstunde in der Turnwerkstatt Malters. Die Schulter, die er sich im Januar dieses Jahrs ausgekugelt hat, verursache nur noch selten Probleme. Ein gesunder Simon Stalder, der seinen Körper fordert, ihm aber auch genügend Ruhe und Erholung gönnt, nimmt nun die zweite Saisonhälfte in Angriff. Die nationalen Titelkämpfe in Yverdon von Anfang November stehen bevor. An diversen ausserkantonalen Wettkämpfen hat er sich den Vergleich zur Konkurrenz geholt. Klar, als amtierenden Schweizer Meister interessiert es ihn, in welcher Verfassung seine Herausforderer sich befinden.