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Erfolg ist ein flexibler Begriff

Kolumne: Im Turndress
Stefanie Meier, Aarau

Am Eidgenössischen Turnfest in Biel haben allein im dreiteiligen Vereinswettkampf der ersten Stärkeklasse plus minus 132 Vereine teilgenommen. Manche erfolgreicher, manche weniger. Doch woran definiert sich Erfolg? Ist ein Verein nur dann erfolgreich, wenn er gewinnt? Oder spricht man von Erfolg, wenn er einen fehlerfreien Wettkampf zeigt? Oder vielleicht bedeutet erfolgreich sein auch einfach nur, als Verein das erlebnisreiche Wochenende bei einem kühlen Bierchen in der Dorfbeiz ausklingen zu lassen.

Fakt ist, dass man das Thema Erfolg nicht einfach verallgemeinern kann. Verglichen mit einem Spitzenverein, wie es der STV Wettingen ist, der als Titelverteidiger am ETF teilnimmt, reist ein kleiner Dorfverein – und davon gibt es schweizweit eine ganze Menge – mit ganz anderen Erwartungen an ein Eidgenössisches Turnfest. Vielerorts gilt die Regel «Jeder darf mitmachen» oder «Dabei sein ist alles». Die Vielfältigkeit spricht für sich. Aber es braucht auch eine gewisse Flexibilität. Denn «Jeder» ist vielleicht ein vielbeschäftigter Nachbar, der kaum Zeit fürs Training hat. «Jeder» ist aber auch ein Cousin, der ein enormes Potenzial aufweist, es aber nie richtig ausschöpfen kann, oder ein Quereinsteiger, der den eisernen Willen hat, mit dem 12,5-kg-Stein die 10 Meter zu stossen. Ihr seht, wohin das führt?

Wenn es die Vereinskultur zulässt, dass jedermann – egal, ob gross oder klein, ehrgeizig oder weniger – an einem Turnfest teilnehmen darf, ist es eine echte Herausforderung, die Erwartungen und Ziele dementsprechend zu definieren. Irgendjemand wird immer zu kurz kommen, über- oder unterfordert sein. Aber genau das ist Breitensport. Die Kunst, für jeden motivierten Sportler die für ihn passende Disziplin zu finden und ihn auf sein persönliches Höchstniveau zu bringen. Egal, ob dieses Höchstniveau jetzt bei 8 Metern oder bei 10 Metern liegt.

Ich habe ein wenig rumgefragt und viele spannende Definitionen zum Thema Erfolg erhalten. Für Livia war es deshalb ein erfolgreiches Wochenende, weil nach dem Wettkampf jeder mit seiner Leistung zufrieden war. Und ein befreundeter Turner wollte die Schachen-Halle zum Brennen bringen, und die Note sollte dabei einer 10,00 nahekommen. Erfolg an der Note messen – auch das ist eine Variante. Man darf ehrgeizig sein und gewinnen wollen. Die Leistungen der Turngiganten wie eines STV Wettingen oder des BTV Luzern sind kein Zufall, das ist Können. Nebst den turnerischen Aspekten fördern auch sie Werte wie Gemeinschaft, Spass und Geselligkeit. Nur vielleicht in einem anderen Ausmass. Teil zwei an einem Turnfest fällt bei ihnen möglicherweise etwas ruhiger aus, weil sie als gerngesehener Spitzenverein Zusatzauftritte leisten.

Wichtig ist nur, dass sich ein Verein, der mit anderen Ambitionen an ein ETF reist, nicht mit einem Spitzenverein zu vergleichen versucht. Möglicherweise müssten sie den gesamten Verein umkrempeln. Was macht das für einen Sinn? Okay, vielleicht sind Sie gerade auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Aber dann lernen Sie doch besser Golf oder gehen auf einen Segelturn. Aber lassen Sie Ihren Verein so, wie er ist: individuell und mit eigenen Zielen. Auch mein Samstag war mehr als erfolgreich. Nur schon deswegen, weil wir «Landeier» am Bahnhof Sursee zur rechten Zeit auf dem richtigen Gleis – es hat nur drei – auf den goldrichtigen uns nach Aarau bringenden Zug aufgesprungen sind.

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