Martin Fanger baut an seiner Zukunft

Platz vier an der Schweizer Bikemarathon-Meisterschaft in Einsiedeln ist für Martin Fanger eine Enttäuschung. Dennoch blickt der Obwaldner guten Mutes in seine sportliche Zukunft.

Martin Platter
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Martin Fanger (links) vermag um die Podestplätze nicht ganz mitzuhalten. Bild: Martin Platter (Einsiedeln, 30. September 2018)

Martin Fanger (links) vermag um die Podestplätze nicht ganz mitzuhalten. Bild: Martin Platter (Einsiedeln, 30. September 2018)

Nach Platz 3 am O-Tour Bike-Marathon in Alpnach und dem guten Start am darauffolgenden Bike-Etappenrennen Swiss Epic im Wallis wollte Martin Fanger am vergangenen Sonntag um die Medaillen an den Schweizer Bikemarathon-Meisterschaften in Einsiedeln (Iron Bike Race) mitreden. Doch es kam anders: Als die beiden Hauptfavoriten Urs Huber und Hansueli Stauffer das Tempo bei Kilometer 43 in der Steigung zu Wisstannen verschärften, zerfiel die Spitzengruppe. Zwölf Kilometer vor dem Ziel war es dann auch um Stauffer geschehen, als Huber die Pace in der Steigung zum Bogenfang abermals verschärfte. Ungefährdet konnte der Mettmenstetter auf dem Einsiedler Klosterplatz seinen vierten Titelgewinn an Schweizer Meisterschaften bejubeln. Mit dem Triumph sicherte er sich auch noch das Gesamtklassement der nationalen Bike Marathon Classics. Stauffer blieb beide Male der zweite Platz.

Fun-Fahrer Amgarten inmitten des Elitefelds

Im Rücken der beiden Spitzenfahrer lief der Kampf um die Bronzemedaille. Martin Fanger und der letztjährige Titelgewinner Konny Looser kristallisierten sich im Hauptanstieg zum Spirstock als valabelste Aspiranten heraus. Doch Fanger fehlte letztlich die Spritzigkeit. Seit dem Swiss Epic kämpfte er mit einer Erkältung und musste Looser ziehen lassen. Enttäuscht rollte Fanger als Vierter über die Ziellinie – wie 2012, bei seinem letzten Start am Iron Bike Race. Einen Achtungserfolg erzielte dagegen Fun-Fahrer Norbert Amgarten. Der Kernser klassierte sich als Zehnter inmitten des Elite-Feldes und lieferte damit eine makellose Siegserie in der Bike Marathon Classics ab. «Das perfekte Finale in Einsiedeln war das Spiegelbild für die gesamte Saison», freute sich Amgarten.

Weniger gesprächig war zunächst Martin Fanger, der seine Enttäuschung verdauen musste. Doch dann redete der gebürtige Kägiswiler ungewohnt offen über sein Leben als Profi im Schatten von Nino Schurter. Seit zwei Jahren lebt der 30-Jährige zusammen mit seiner Lebenspartnerin in Genf, wo er sich eine zweite Existenz aufgebaut hat. «Der Kontakt entstand in der Zeit, als ich noch für das BMC Racing Team fuhr und dazu ins Wallis umzog. Ich suchte einen Bike-Club, wo ich Nachwuchstrainings leiten konnte, denn ich arbeite seit einiger Zeit an meiner Trainerausbildung. Bei ‹Bike in Love Management› in Genf bin ich fündig geworden.» Inzwischen habe er alle J&S-Kurse durchlaufen und stehe vor der Entscheidung, das Modul Trainer-Experte oder Berufstrainer zu absolvieren.

Noch mindestens ein Jahr Berufsfahrer

Vorerst hat aber seine Karriere als Berufsfahrer noch für mindestens ein Jahr Vorrang. «Mit dem belgischen Crosscountry-Team KTM Bike Vision habe ich wieder einen Sponsor gefunden. Die rosigen Zeiten, die ich bis 2016 im BMC Racing Team erleben durfte, sind allerdings vorbei», so Fanger. Zwei Jahre war der Obwaldner mehr oder weniger auf sich alleine gestellt mit dem Crosscountry-Weltcup-Zirkus um den Globus getingelt und hat alles selber organisiert. «Das wird sich künftig wieder ändern. KTM Bike Vision stellt den Support an den Weltcups und den Prüfungen des 3-Nations-Cup. Dazu werde ich die Etappenrennen Cape Epic, Engadin Bike Giro und Swiss Epic sowie einige Läufe des Swiss Bike Cups bestreiten.» Beklagen über seinen bisherigen Sponsor Price Bikes will sich Fanger aber keineswegs: «Heute muss man dankbar sein, wenn man überhaupt noch einen Sponsor findet.»

Wie sich sein Lohn im kommenden Jahr zusammensetzen wird, weiss Fanger noch nicht definitiv. Sein Monatslohn von knapp 3000 Franken haben im laufenden Jahr hauptsächlich die Schweizer Sporthilfe und das Team Genève beigesteuert. Im kommenden Jahr muss dies aber neu ausgehandelt werden. Fanger bleibt optimistisch: «Ich lebe noch immer meinen Traum. Und der ist unbezahlbar.»