FCL-Trainer Adrian Koch: «Keiner pusht den Frauenfussball»

Die NLB-Frauen des FC Luzern schlagen Schlusslicht Walperswil mit 1:0. Die Rahmenbedingungen sind trist.

Stephan Santschi
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Die Luzernerin Aldina Bosnic (links) klärt vor der Walperswiler in Jennifer Bärtschi.Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 23. November 2019)

Die Luzernerin Aldina Bosnic (links) klärt vor der Walperswiler in Jennifer Bärtschi.Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 23. November 2019)

Die Freude ist riesig. Nach dem Schlusspfiff umarmen sich die NLB-Fussballerinnen des FC Luzern und schreien ihre Erleichterung in die Herbstnacht hinaus. Die schwer am Knie verletzte Topskorerin Gentiana Morina stösst dazu, Tränen fliessen. Kurz darauf lässt man ein Teamfoto knipsen, wieder wird gejubelt. Der 1:0-Sieg gegen Schlusslicht Walperswil ist einer jener Meilensteine, die ein Aufsteiger auf dem Weg zum Ligaerhalt passieren muss.

So intensiv die Emotionen sind, so trist sind die Rahmenbedingungen auf dem Kunstrasen der Allmend-Süd in Luzern. Lediglich 60 Leute wollen die Partie der zweithöchsten Liga sehen. Der Zuschauereingang ist geschlossen, nur der Spielereingang führt aufs Terrain. Speaker gibt es keinen, die elektronische Anzeigetafel ist ausser Betrieb und gegenüber im Umkleidegebäude kann man sich am Kaffeeautomaten verpflegen, die Rollläden der Snackbar jedoch sind heruntergelassen.

Luzern trifft viermal die Latte und einmal ins Tor

Damit nicht genug: Schiedsrichterassistenten gibt es keine, an der Seitenlinie müssen Trainer und Ersatzspieler dem Referee signalisieren, ob der Ball im Out war oder nicht. Verhältnisse also wie bei den Männern in der 3. Liga. «NLB-Fussball gilt als Spitzensport, doch der Verband tut nichts für uns. Alle sagen, man soll Frauenfussball pushen, aber keiner tut es», sagt Adrian Koch, der Trainer der Luzernerinnen, und er hält fest: «Ich mache das für die Spielerinnen. Wenn man nicht mit Herz dabei ist, dann ist man im Frauenfussball fehl am Platz.»

Mit Herz sind alle dabei beim FC Luzern, das zeigt das Spiel am Samstag gegen Walperswil von Beginn weg. Vieles misslingt zwar auf der Plastikunterlage, kaum ein Angriff wird sauber zu Ende gespielt, doch der Kampfgeist und die Solidarität sind vorbildlich. «Druck!», schreit Koch immer wieder über das Feld, oft gefolgt von einem «zum Ball!». Platz auf der Bank nimmt er während den gesamten 90 Minuten nicht einmal.

Der 51-Jährige aus Malters, der das Team im letzten Januar vom prominenten Vorgänger Scott Chipperfield (ex FC Basel) übernahm und aus der 1. Liga aufstieg, verlangt ein aggressives Pressing mit schnellem Umschalten. «Wir taten das viel zu wenig schnell. Einen nicht so ballsicheren Gegner sollten wir stärker unter Druck setzen.»

Zur Führung in der ersten Halbzeit reicht es trotzdem. Sandra Schürmann drischt in der 26. Minute einen Freistoss an die Latte. Fatjana Golla hämmert den Abpraller ebenfalls ans Gestänge, von da setzt der Ball aber hinter der Linie auf. In der Folge entwickelt sich eine Partie, in der Luzern frühzeitig alles klar machen müsste. Unvermögen und zwei weitere Male die Latte verhindern den zweiten Treffer.

Spielabbruch in Zürich wegen Verletzung

In diesen Szenen macht sich die Absenz der eingangs erwähnten Gentiana Morina bemerkbar. Bis zum Walperswil-Spiel war sie die Miss 50 Prozent, 7 der 14 Tore erzielte sie. Nun fällt sie mit einem doppelten Kreuzbandriss, Meniskusschaden und Knochenruptur im rechten Knie aus. Mit der zentralen Mittelfeldspielerin Michelle Fussen und Stürmerin Teutë Ameti fehlen weitere Leistungsträgerinnen verletzungsbedingt.

Nach Ametis Schien- und Wadenbeinbruch in Zürich musste das Spiel sogar abgebrochen werden, weil die Ambulanz lange auf sich warten liess. «Wir müssen uns momentan durch einiges beissen», sagt Trainer Adrian Koch. Der 1:0-Sieg gegen Walperswil kommt deshalb gerade recht – mit vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsstrich erhalten die Luzernerinnen im sportlichen Überlebenskampf etwas Luft.


FC Luzern – Walperswil 1:0 (1:0)

Allmend-Süd. – 60 Zuschauer. – SR Kryeziu. – Tor: 26. Golla 1:0. – Luzern: Chanton; Bosnic, Emmenegger, Räber, Bitzi; Dervishaj, Faden, Schürmann, Kuchen; Tran, Golla (86. Bötschi). – Bemerkungen: 26. Freistoss von Schürmann an die Latte, Golla trifft im Nachschuss via Latte. 44. Lattenschuss Faden. 67. Tor von Tran wegen Foulspiels aberkannt. 87. Lattenschuss Tran.