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«Für uns ist das Gold wert»

Schweizer Jugendliche, die Skicross betreiben möchten, haben nur spärlich Trainingsgelegenheiten. Eine Startanlage für den Sommer im Melchtal soll nun einer kleinen Gruppe grosse Fortschritte ermöglichen.
Stephan Santschi
Die Kägiswilerin Andrina Frank katapultiert sich kraftvoll aus der Startrampe. Damit im Winter möglichst keine Konkurrentin mehr an ihr vorbeikommen wird. (Bild: Boris Bürgisser (Melchtal, 14. Juli 2018)

Die Kägiswilerin Andrina Frank katapultiert sich kraftvoll aus der Startrampe. Damit im Winter möglichst keine Konkurrentin mehr an ihr vorbeikommen wird. (Bild: Boris Bürgisser (Melchtal, 14. Juli 2018)

«Das ist einmalig.» Dominic Reber befindet sich auf dem Gelände des Sportcamps Melchtal und zeigt auf die Konstruktion vor ihm. Sechs Nachwuchsathleten steigen abwechslungsweise auf eine Startrampe und versuchen sich so schnell wie möglich von ihr wegzustossen. Reber ist der Trainer des SX Riders Team, das sich aus Jugendlichen der Zentralschweiz und des Berner Oberlands zusammensetzt. Da es für Skicrosser unterhalb der Nationalkader von Swiss Ski keine Ausbildungsstruktur gibt, müssen jene, die sich nach oben arbeiten wollen, erfinderisch sein.

Normalerweise steht die besagte Startanlage im Skicross Park im Gebiet Erzegg und dient dort dem Winterbetrieb. Dank der Unterstützung der Bergbahnen Melchsee-Frutt, dem Sportcamp Melchtal und Skicross-Renndirektor Didi Waldspurger wurde sie im Juni rund 1000 Höhenmeter nach unten befördert. Die Skicrosser legten selber Hand an, behalfen sich mit Palettes und Holzbrettern, um die Anlage in die abschüssige Wiese beim Sportcamp einzufügen.

«Im Skicross ist der Start die halbe Miete»

Vier Startgates sind eingerichtet worden, zwei simulieren den Start in steiles Gelände, zwei für flaches. Unterhalb der Installation liegt auf einer Länge von bis zu 15 Metern Kunstrasen, der von Assistenztrainer Michael Frank regelmässig mit dem Schlauch abgespritzt wird. «Sonst wäre die Unterlage zu klebrig», erklärt er.

Und so üben sie stundenlang, katapultieren sich kraftvoll aus der Startanlage, fahren ein paar Meter den Hang runter, schnallen die Ski ab, steigen wieder nach oben und lassen sich von Trainer Reber korrigieren. Mit einem Tablet filmt er seine Cracks, um anschliessend im Videostudium Korrekturen anzubringen. «Im Skicross», so erklärt Reber, «ist der Start die halbe Miete.»

Neben ihm sitzt Lars Kaiser aus Hergiswil. Der 21-Jährige ist so etwas wie das Zugpferd des Teams, letzte Saison kam er zu seinen ersten Einsätzen im Europacup. «Lars, dein Becken solltest du mehr nach unten drücken, sonst verlierst du beim Start an Wucht. Du musst dich zuerst diagonal nach oben bewegen und dann stürzt du dich nach unten.» Der junge Mann hört aufmerksam zu, steigt kurz darauf wieder auf das Podium und macht wie ihm geheissen. «Ja, fliessender!», ruft ihm Reber hinterher. Kaiser ballt die Faust. Er macht Fortschritte.

Nidwaldner Lars Kaiser will es wissen

Lars Kaiser hat wie fast alle Skicrosser in einem Skiclub mit der alpinen Ausbildung begonnen und irgendwann die Lust am Training verloren. Er liebt die Action im Skicross, wo vier Athleten miteinander starten, um ihre Positionen kämpfen und sofort nach der Zieleinfahrt wissen, wo sie in der Rangliste stehen. Kaiser ist sehr ambitioniert, für die kommende Saison hat der gelernte Forstwart sein Arbeitspensum auf 40 Prozent reduziert, um sich bestmöglich auf den Sport zu fokussieren. «Ich will wissen, was möglich ist», sagt er. Für 2019 hofft er auf die Aufnahme in den C-Kader von Swiss Ski.

Ähnliche Träume hegt Andrina Frank, die 16-jährige Obwaldnerin aus Kägiswil, die vor ein paar Jahren auf der Frutt an einem Wettkampf der Skicross Kids Tour auf den Geschmack gekommen ist. «Ich liebe es, nicht nur gegen die Zeit zu fahren. Es geht über Schanzen, Wellen und durch Kurven. Ich möchte so schnell wie möglich starten und dann soll keiner mehr an mir vorbeikommen», erzählt die Kantischülerin. Im kommenden Winter möchte sie erste FIS-Rennen bestreiten und damit ihrem Fernziel, den Olympischen Spielen, einen Schritt näher kommen.

Trotz grosser Erfolge weiter eine Randsportart

Ja, tatsächlich! Skicross ist eine olympische Disziplin und dies schon seit acht Jahren. Im Februar in Pyeongchang gewannen Marc Bischofberger (Silber) und Fanny Smith (Bronze) zwei Olympiamedaillen für die Schweiz; Vorreiter ist Mike Schmid, der 2010 Olympiasieger geworden ist. Trotzdem ist die Sportart hierzulande nicht über den Stellenwert einer Randerscheinung hinausgekommen. Zwar gibt es Sichtungstage in Saas Fee und nationale Rennserien, ansonsten sind die Bemühungen im Nachwuchsbereich aber bescheiden. «Lokale Skiclubs bieten kein Skicross-Training an und mit Ausnahme des Berner Oberlands haben auch die Regionalverbände keine Skicrossabteilung», erklärt der Spiezer Dominic Reber. Das SX Riders Team, das nun in sein drittes Jahr geht, bietet mit eigenen Sponsoren also ein Auffanggefäss für junge Skicrossbegeisterte. Dank der Startrampe in Melchtal haben sie nun erstmals die Gelegenheit für Sommertrainings. «Für uns ist das Gold wert.»

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