Der Entlebucher Stefan Portmann gibt Gas auf Gras

Nach dem WM-Titel beendet der Grasskifahrer Stefan Portmann (Wiggen) seine Saison mit dem 15. Weltcup-Sieg.

Theres Bühlmann
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Stefan Portmann feiert an der WM daheim seine grössten Erfolge. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Marbach, 14. August 2019)

Stefan Portmann feiert an der WM daheim seine grössten Erfolge. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Marbach, 14. August 2019)

Gut Ding will Weile haben, auch im Sport. Dies trifft auch auf den 35-jährigen Grasskifahrer Stefan Portmann aus Wiggen zu, einer der erfolgreichsten dieser Zunft. Sein imposantes Palmarès schmücken Weltcup-Siege, 2014 gewann er als erster Schweizer den Gesamtweltcup, dazu kommen Schweizer-Meister-Titel, doch etwas fehlte in seiner Sammlung noch: eine WM-Medaille bei der Elite. Es reichte jeweils zu Diplomen und einigen vierten Plätzen. «Das sind gute Resultate», sagt der Entelbucher, «doch an einer WM zählen halt nur Medaillen.»

Eine erneute Chance ergab sich im August. Diese WM fand nicht irgendwo statt, sondern auf der Marbachegg, auf seinem Hausberg, und organisiert durch seinen Verein, den Grasskiclub Escholzmatt-Marbach. «Ich fokussierte mich voll und ganz auf diesen Grossanlass, habe vieles dieser WM untergeordnet und ging bestens vorbereitet an den Start», blickt Stefan Portmann zurück. Nervös sei er vor dem ersten Rennen, der Superkombination gewesen, die aus einem Super-G und einem Slalomdurchgang besteht und bei dem ein fünfter Platz resultierte.

«Ich musste erst lernen, mit dem Druck umzugehen.» Dann kam der 15. August, auf dem WM-Programm stand der Riesenslalom, seine Lieblingsdisziplin. «Ich wusste, wenn ich meine Läufe wie im Training sauber runterbringe, dann reicht es.» Und es reichte. Mit zweimaliger Bestzeit konnte er sich endlich seinen Traum vom WM-Titel erfüllen, stand ganz oben auf dem Podest, gefeiert von vielen Fans und Zuschauern. Dann holte sich der Wigger noch die Silbermedaille im Slalom und Platz 4 im Super-G, «schon wieder Vierter», sagt Portmann mit einem Lachen. «Aber zwei Medaillen an einer WM, das ist eine gute Leistung und diese macht mich überaus zufrieden.»

15 Siege im Weltcup in seiner Karriere

Zum letzten Mal die Pisten hinunterrollen hiess es in dieser Saison Mitte September beim Weltcup-Final im italienischen Schilpario. Stefan Portmann platzierte sich bei der Dernière in der Superkombi und im Slalom auf dem zweiten Rang, Platz 3 resultierte im Super-G und als Krönung liess er sich als Sieger im Riesenslalom feiern und bestätigte somit seinen WM-Titel. Dank diesem Erfolg ist er nun im Besitze von 15 Weltcup-Siegen.

In Italien machte er noch durch einen anderen Aspekt auf sich aufmerksam: Mit diesen sehr guten Resultaten schaffte er es im Weltcup-Gesamtklassement auf den dritten Platz, verdrängte den Italiener Lorenzo Gritti vom Podest, auf den er vor dem Final 200 Punkte Rückstand aufwies. «Ich habe das Unmögliche noch möglich gemacht», sagt Stefan Portmann, obwohl er bei zwei Weltcup-Rennen in Cortina ausschied und vier Rennen im Iran ausliess. Grasskirennen im Iran? Doch, das gibt es. «Diese Wettkämpfe sind eine tolle Angelegenheit», erzählt der Entlebucher. «Das sind richtige Grossanlässe, mit Tausenden von Zuschauern, und das Fernsehen überträgt die Rennen live. Man kann diese Veranstaltungen fast mit den Alpin-Rennen in Kitzbühel vergleichen.»

Grasski: Keine Liebe auf den ersten Blick

Das Skifahren ist seine Passion, bereits mit zwei Jahren stand er auf den Brettern. Erst fuhr er Rennen im alpinen Bereich, bevor er etwa im Alter von zehn Jahren richtig mit Grasskifahren in Berührung kam. Liebe auf den ersten Blick war es nicht, «denn ich stürzte dauernd.» Doch dann packte es ihn und die Erfolge liessen nicht auf sich warten. Zweifacher Junioren-Weltmeister 2003, 2008 der erste Sieg an einem Weltcup-Rennen, dies auf seiner Heimstrecke Marbachegg, 2014 gewann er den Gesamtweltcup und weitere Triumphe auf allerhöchster Ebene konnten gefeiert werden. Nicht immer verlief alles reibungslos. In der Saison 2011 zum Beispiel kam er überhaupt nicht auf Touren, stellte die Planung um, trainierte vermehrt Kondition – und es ging wieder aufwärts.

Zwei Weltmeister-Titel des Ehepaares

Verlassen kann sich der Weltmeister auf seine Familie, auf seine Frau Anna Lena, auch sie einst Grasskifahrerin, auch sie Weltmeisterin im Riesenslalom (2009), und ein Jahr später gewann sie den Gesamtweltcup. Seit 2011 sind die beiden verheiratet und Eltern der viereinhalb Jahre alten Lara und des zweijährigen Max. Seine Frau nimmt ihm einiges an administrativen Arbeiten ab, verhandelt mit Sponsoren, bewirtschaftet die Website und schreibt Medienberichte. «Ohne ihre Unterstützung könnte ich meinen Sport nicht in diesem Masse ausüben», sagt Stefan Portmann, der als Metallbauer zurzeit eine Weiterbildung zum Metallbaukonstrukteur absolviert.

In dieser Saison sei alles aufgegangen, «ich habe mir den Traum des Weltmeister-Titels erfüllt, konnte meinen 15. Weltcupsieg feiern, erreichte den dritten Rang im Gesamtweltcup und dazu kommen noch vier Schweizer-Meister-Titel», zog Portmann ein äusserst positives Fazit. Nach dieser erfolgreichen Saison stellt sich nun die Frage, wie weiter? Der Rücktritt steht im Raume. «Ich werde mich in den nächsten Wochen entscheiden.» Er möchte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, zudem laboriert er an einer Fussverletzung, die er sich vor vier Jahren bei einem Sturz im Iran zugezogen hatte.

Finanziell gross Abräumen kann Stefan Portmann in diesem Sport nicht. Bei Weltcup-Rennen gibt es zwar etwas Preisgeld, «dank meiner Sponsoren kann ich aber von einer Nullrunde sprechen.»

In den nächsten Jahren möchte sich der Wigger auch in der Nachwuchsförderung engagieren. Tochter Lara fühlt sich auf den Grasskis jedenfalls schon sehr wohl …