Goldene Hochzeit mit dem Fussball

50 Jahre im Dienste des Fussballs: Urs Imbach (66) war ein halbes Jahrhundert in Zentralschweizer und überregionalen Ligen ein beliebter Spielleiter. Und sagt nichts als: «Danke!»

Roland Bucher
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Urs Imbach aus Root war nie ein Regent auf dem Spielfeld.Bild: Pius Amrein (Root, 26. September 2018)

Urs Imbach aus Root war nie ein Regent auf dem Spielfeld.Bild: Pius Amrein (Root, 26. September 2018)

Am 1. Juli 1968 wurde Urs Imbach offiziell in die Schiedsrichter-Gilde des Innerschweizer Fussballverbandes (IFV) aufgenommen. 50 Jahre sind es her, 1300 Partien hat der Rooter mit Wurzeln in Küssnacht arbitriert, 200 Spiele als Linienrichter gefähnelt. Und der Mann sagt nichts anderes als: «Als erstes möchte ich allen Trainern und Spielern ein ganz grosses Dankeschön aussprechen. Sie haben mir das Leben leicht gemacht.»

Es ist nichts als richtig und angebracht, jetzt und sofort auch die Umkehrformel ins Spiel zu bringen: Urs Imbach hat seinen Schützlingen das Leben, exakter ein lustvolles Fussballspielen ebenfalls leicht gemacht. Er, der am 24. August 1968 erstmals im Mittelkreis das runde Leder für einen Fussballmatch freigab und sich erinnert: «Es war eine C-Junioren-Partie, Brunnen unterlag 0:6, es war ein Vorspiel zu einem 1.-Liga-Match und ich hatte deshalb schon bei meiner Premiere fast 1000 Zuschauer.» Er war auf dem Rasenrechteck nicht der Pedant, auch nie der Regent; er sei der väterliche Freund, ein Begleiter gewesen. «Wissen Sie», erläutert Urs Imbach, «wenn ich etwas einem jungen angehenden Schiedsrichter mit auf den Weg geben darf, dann das: Sei nie arrogant zu den 22 Spielern auf dem Feld. Sie sind die Hauptakteure. Nicht du!»

Mit dem Velo an die Spiele

Urs Imbach war ein eloquenter Ref, keine Show, stets bedacht, aus seiner Überwachungsposition nie den Spielfluss zu lähmen. Das zahlte sich aus. «Ich hatte nie ‹Lämpen› auf dem Platz.» Fast nie. Einmal drosch ihm ein Spieler den Ball in den Bauch. «Es war nicht so arg, aber es gab eine Anhörung vor dem Fussballgericht. Dort, und das hat mich enttäuscht, war die Unterstützung für mich doch eher gering.» Der diplomierte Architekt erzählt gerne aus dem Nähkästchen seiner fünf Schiedsrichter-Dekaden. Zum Beispiel, dass er die ersten Jahre sein Velo sattelte, um an seine Spielorte wie Brunnen, Triengen oder Zug zu gelangen, das habe ihn in seiner sportlichen Einstellung auch glaubwürdig gemacht. Sein Weg führte bald in die 4. Liga (7. Mai 1972, SCOG – Hochdorf 8:0), in die 3. Liga (1974), in die 2. Liga (1979) – wo er 2002 letztmals in einer hohen regionalen Liga pfiff. Das und jedes andere Spiel hat er sich fein säuberlich notiert, auch dass er mit Schiedsrichter-Koryphäen wie Ruedi Renggli, Renzo Peduzzi oder Bruno Galler ein Trio bilden durfte. Schlicht und einfach: «Ich hatte eine schöne, wertvolle Schiedsrichter-Laufbahn.»

Die Aargauer ehrten ihn

Mit einem kleinen Misston ganz am Schluss. Urs Imbach, 35 Jahre für Küssnacht und 15 Jahre für den FC Hünenberg lizenziert, brach sich 2016 das Bein. 2017 beschied ihm der Arzt: «Du bist wieder fit, du darfst zurück zu deinem Schiedsrichter-Hobby.» Der IFV beharrte auf einem Konditionstest: «Doch dieses Spielchen habe ich nicht mitgemacht. Denn ich wusste nur zu genau, dass ich die Voraussetzungen nach wie vor besitze, zum Beispiel ein Veteranenspiel rechtschaffen über die Bühne zu bringen.» Urs Imbach blieb stur und schloss sich für sein Karriere-Finale dem Aargauer Fussballverband an. Der ehrte ihn am 20. August 2018 gebührend für seine enormen Verdienste im Schiedsrichterwesen.

Wie weiter, keine Langweile jetzt, da ein wesentlicher Lebensinhalt seinen Abschluss gefunden hat? Die Spätfolgen des Beinbruchs lassen ihn in der Kälte immer wieder an Schmerzen leiden. Dem hilft er ab, Sueli, seine Partnerin aus Brasilien in zweiter Ehe, lässt nicht locker, ihm ihr Heimatland noch schmackhafter zu machen: «In Zukunft werde ich nicht zwei oder drei, sondern acht Monate pro Jahr in Südamerika weilen.» Das Leben geniessen – und Strandfussball arbitrieren. Die Katze lässt das Mausen nicht ...