Handball

Kriens-Luzern bezwingt Endingen scheinbar mühelos

Kriens-Luzern gewinnt in Endingen problemlos mit 34:22. Mehr zu reden, gibt eine andere Neuigkeit.

Stephan Santschi
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Tim Rellstab (rechts, Kriens) gegen Lukas Riechsteiner (links, TVE).

Tim Rellstab (rechts, Kriens) gegen Lukas Riechsteiner (links, TVE).

Bild: Alexander Wagner

Es war ein ungleiches Duell am Samstag in der Siggenthaler Arena. Der TV Endingen, als Abstiegskandidat ohnehin krasser Aussenseiter gegen das NLA-Spitzenteam des HC Kriens-Luzern, hatte auch noch grosse personelle Sorgen zu beklagen. Ein halbes Dutzend Spieler war nicht verfügbar, darunter der Stammgoalie Vit Schams, der kanadische Topskorer Justin Larouche (Corona-Quarantäne), Rückraumspieler Joel Huesmann (privater Grund) und Kreisläufer Leonard Pejkovic (verletzt).

Und so kam es zur kuriosen Situation, dass der 47-jährige Trainer der Endinger, der frühere Profikeeper Zoltan Majeri, nochmals das Goalietrikot überstreifte und sich auf der Ersatzbank als Notnagel bereit hielt – trotz schwerer Knieverletzung, die er sich vor drei Monaten im Sportunterricht zugezogen hat. Gerüchten zu Folge hätte ihn seine Frau nicht mehr nach Hause gelassen, hätte sie erfahren, dass sich ihr Mann tatsächlich aufs Matchblatt schreiben liess.

Erstes Nati-Aufgebot für Tim Rellstab

Nun, eines sei vorneweg genommen: Die Dienste von Majeri brauchte es nicht, der Muotathaler Yves Imhof machte zwischen den Endinger Pfosten einen passablen Job. Die 22:34-Niederlage konnte aber auch er nicht verhindern, zu inferior war sein Team an diesem Abend. 13 Minuten lang vermochte der Underdog die Partie ausgeglichen zu gestalten. Dann zogen die Zentralschweizer das Tempo an, eroberten in der Defensive einige Bälle, liefen Gegenstösse und erhöhten die Führung innerhalb von nur fünf Minuten von 5:4 auf 11:4. «Wir haben gut gedeckt, waren hinten beweglich», freute sich Trainer Goran Perkovac über die Steigerung in der Abwehr, nachdem Kriens-Luzern im letzten Heimspiel gegen Pfadi Winterthur (34:36) so viele Gegentore wie noch nie in seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit kassiert hatte.

Die Begegnung war also früh entschieden und so verschob sich der Fokus bald auf ein Thema, das diese Woche in Kriens mit grosser Freude zur Kenntnis genommen worden ist: das erste Aufgebot fürs Schweizer Nationalteam von Tim Rellstab. Der 19-jährige Rückraumspieler des HCKL steht für die Testspiele gegen Italien (29. und 30. Dezember 2020) und Rumänien (8. und 9. Januar 2021) im Kader von Nationalcoach Michael Suter. «Darauf bin ich extrem stolz, ich hätte nicht damit gerechnet. Doch darauf habe ich hingearbeitet, das ist ein sehr schönes Gefühl», kommentierte Rellstab die frohe Botschaft.

Für verletzten Harbuz in der Startformation

Kommt hinzu, dass er in diesen Tagen auch beim HC Kriens-Luzern in eine andere Rolle schlüpft. Hleb Harbuz, die Nummer eins im linken Aufbau, hat sich im Training nämlich am Bein verletzt, fällt vorderhand aus und eröffnet seinem Ersatzmann damit die Chance, sich in der Startformation zu präsentieren. «Ich bin immer motiviert, doch von Beginn weg zu spielen, gab mir natürlich nochmals einen extra Kick», versichert Rellstab. Gegen Endingen gelang dem 2,03 Meter grossen und 91 Kilo schweren Aufbauer eine ordentliche Leistung, fünf Mal traf er ins gegnerische Netz. «Alles in allem war das solide, auch wenn ich unnötige Fehlwürfe drin hatte und zu Beginn in der Verteidigung das eine oder andere Mal zu spät dran war», resümierte er seinen Auftritt nicht ohne Selbstkritik.

Seinen Vertrag hat der Zürcher, der seit 2019 für Kriens-Luzern spielt, mittlerweile vorzeitig um zwei Jahre bis 2023 verlängert, dies habe er «mit voller Überzeugung getan», wie er sagt. «Kriens-Luzern ist eine geile Mannschaft, ich habe extrem viel Spass, ich komme immer besser rein und wir können zusammen noch viel erreichen.» Geht es nach seinem Trainer, steht dem Sohn des 85-fachen Alt-Internationalen Beat Rellstab eine grosse Karriere bevor. «Tim versteht den Handball, ich kann ihn vorne und hinten einsetzen», erklärt Perkovac und er betont: «Gemeinsam mit Lenny Rubin sehe ich ihn in ein paar Jahren im linken Aufbau des Nationalteams gesetzt.»

Endingen - Kriens-Luzern 22:34 (8:16)

GoEasy-Arena, Siggenthal. – keine Zuschauer. – SR Castiñeiras/Zwahlen. – Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Endingen, 4-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern.

Endingen: Imhof; Mauron (4), Lukas Riechsteiner (9), Schafroth (1), Radovanovic (3), Noah Grau (2), Huwyler (1), Christian Riechsteiner (2/2); Seya Grau, Fischer, Lüthi, Hitz, Mischler.

Kriens-Luzern: Bar/Eicher; Idrizi, Papez (5/1), Lapajne (4/2), Rellstab (5), Schlumpf (4), Gavranovic (6), Lavric; Delchiappo, Oertli (3), Piroch (2), Wanner (1), Blättler (4).

Bemerkungen: Endingen ohne Pejkovic, Mühlebach (beide verletzt), Schams, Larouche, Hirsbrunner (alle Quarantäne) und Huesmann (privat). Kriens-Luzern ohne Harbuz (verletzt). Imhof pariert Penalty von Lapajne, der im Nachschuss trifft (36./10:19). Blättler mit Übertritt beim Penalty (60./22:34).