«Unglaublich» – Stanser Handballerinnen stehen bereits in der Aufstiegsrunde

Perfekter Abschluss des Sportjahres für die Stanserinnen: Dank dem 29:25-Sieg gegen Goldach-Rorschach haben sie den Ligaerhalt in der SPL 2 vorzeitig gesichert. Zu feiern gibt es zudem ein wichtiges Comeback.

Stephan Santschi
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Die Stanserin Ronja Schwab (am Ball) hat mit ihrem Team einen Lauf und spielt bald in der Aufstiegsrunde zur NLA. Bild Philipp Schmidli (Stans, 9. September 2018).

Die Stanserin Ronja Schwab (am Ball) hat mit ihrem Team einen Lauf und spielt bald in der Aufstiegsrunde zur NLA. Bild Philipp Schmidli (Stans, 9. September 2018).

Das Spiel ist zu Ende, der Stanser Trainer Vicente Cotrina Cabal verlässt seinen Arbeitsplatz an der Seitenlinie und macht sich auf in Richtung Kabine. Die Trainerjacke des Vereins hat er ausgezogen, ein rot-weiss gestreiftes Fussball-Dress wird sichtbar. «Das ist mein Klub, Real Sporting de Gijón», sagt der 36-jährige Spanier und schmunzelt. «Heute Nacht steht das Derby gegen Oviedo an. Ich werde es mir zu Hause in Ennetbürgen im Fernsehen anschauen.» Der Wechsel vom Trainer zum Fan ist innert Kürze vollzogen. Kein Zweifel, «Ike», wie er gerufen wird, lebt für den Sport.

Als Trainer machte er in diesem Moment einen zufriedenen Eindruck. Sein Team, der BSV Stans, hat soeben den Gast aus Goldach-Rorschach mit 29:25 bezwungen. «Wir haben viele Absenzen, deshalb mussten wir uns anpassen», erklärt er in mittlerweile passablem Deutsch. «Die Spielerinnen haben 60 Minuten gekämpft und immer 100 Prozent gegeben. Das ist unglaublich. Wir haben unter der Woche hart gearbeitet und nun erhalten wir den Preis dafür. Super!» Obwohl die Tabelle der SPL 2 aufgrund der stark variierenden Anzahl an Spielen sehr unübersichtlich ist, steht bereits zwei Monate vor dem Ende der Hauptrunde fest: Den auf Platz eins liegenden und seit fünf Partien ungeschlagenen Nidwaldnerinnen ist die Teilnahme an der Auf-/Abstiegsrunde SPL 1/SPL 2 nicht mehr zu nehmen.

Gegner und neue Matchuhr bereiten Probleme

Bevor es so weit war, hatten sie sich aber eines widerspenstigen Kontrahenten zu erwehren. Die St. Gallerinnen vom Bodensee nutzten die unkonzentrierte Startphase des Heimteams bis zur achten Minute zu einer 4:1-Führung aus. Nicht nur der Gegner auf dem Platz machte Stans zu schaffen, auch die erstmals im Einsatz stehende, neue Matchuhr forderte den Verantwortlichen am Zeitnehmertisch einiges ab. Nicht immer funktionierte es auf Anhieb mit der Anzeige der Zweiminutenstrafen, auch der Speaker meldete sich wegen technischen Problemen erst in der achten Minute.

Dann aber erwachte sowohl der Lautsprecher, als auch der BSV Stans, nur sechs Minuten später lagen die Gastgeberinnen mit 7:5 in Front. Abschütteln liessen sich die Ostschweizerinnen allerdings nicht, mehrmals lagen sie zwar mit drei Treffern zurück, bis kurz vor Schluss schafften sie aber immer wieder den Anschluss. «Wir hatten wenig Wechselmöglichkeiten, viele Spielerinnen mussten über die ganze Spielzeit auf dem Platz bleiben», erklärt Lara Ernst den unkonstanten Auftritt.

Lara Ernsts langer Weg zurück

Dass es am Ende gut ging und Stans mit 29:25 etwas gar hoch gewann, lag auch an ihr, Lara Ernst. Die 24-jährige Deutsche gab am Samstag in der letzten Viertelstunde nach rund neunmonatiger Verletzungspause das Comeback. Nach einem Sturz auf den Rücken hatte sie einen Bandscheibenvorfall erlitten und musste sich durch die langsam mahlenden Mühlen der Regeneration begeben. «Physiotherapie, Krafttraining, Stabilitätsübungen, stete Steigerung der Belastung», so sah ihr sportlicher Alltag aus. «Ich war nahe bei der Mannschaft, immer im Training und an den Heimspielen. Es war deprimierend, nicht mittun zu können», erzählt sie.

Dass es nun just zum letzten Spiel des Jahres zur Rückkehr reichte, sei eine Erleichterung und mit Blick auf die nun anstehende Winterpause auch eine Motivation. Welche Bedeutung die kräftige Rückraumspielerin aus Offenburg für ihr Team hat, zeigte sich sofort. In den letzten zehn Minuten trug sie drei Tore zum Sieg gegen Goldach-Rorschach bei.

Da die Zweitauswahlen von Zug, Brühl und Nottwil nicht in die Aufstiegsrunde dürfen, ist den Stanserinnen der Platz an der Sonne nicht mehr zu nehmen. Damit haben sie auch den Ligaerhalt in der SPL 2 vorzeitig geschafft. Für Trainer Cotrina Cabal folgen nun «Monate ohne Sorgen», wie er sagt. Monate, in denen man ohne Druck am Aufstieg schnuppern könne. Bleibt nur noch die Frage zu klären, wie das Nord-Derby in Spaniens zweithöchster Fussball-Liga ausgegangen ist. Sein Gijón verlor auswärts mit 1:2 – ein kleiner Wermutstropfen eines ansonsten perfekten Wochenendes für den Sportler aus Leidenschaft.

Stans – Goldach-Rorschach 29:25 (15:14)

Eichli. – 282 Zuschauer. – SR Süess/Lütolf. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Stans, 5-mal 2 Minuten gegen Goldach-Rorschach. – Stans: Schoch; Schardt (5), Fellmann (5), Schwab (4), Sina Kuster (2/2), Grandjean (7), Achermann (2), Flavia Kuster (1); Hurschler, Ernst (3).