Handball: Stans lässt Emmen keine Chance

Klare Sache im Zentralschweizer NLB-Derby, die Stanser schiessen Emmen mit 33:19 aus der stimmungsvollen Eichlihalle. Die grösste Gefahr lauert für Trainer Andy Gubler in den eigenen Reihen.

Stephan Santschi
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Mario Obad, hier beim Sprungwurf, war mit sechs Treffern der abschlussstärkste Stanser. (Bild: Boris Bürgisser (Stans, 3. November 2018))

Mario Obad, hier beim Sprungwurf, war mit sechs Treffern der abschlussstärkste Stanser. (Bild: Boris Bürgisser (Stans, 3. November 2018))

Andy Gubler sass auf der Bank, eine Hand vors Gesicht gehalten, die andere an die Bauchseite gedrückt.Der Stanser Trainer hatte Schmerzen, befürchtete gar, dass eine Rippe eingedrückt ist. Nach Spielschluss aber gab er Entwarnung und schmunzelte über den kleinen Zwischenfall. Was war passiert? David Wenger, sein Goalie, wartete an der Seitenlinie, bis die Nidwaldner ihren Angriff beendet hatten, damit er für den siebten Offensivspieler wieder zwischen die Pfosten zurückkehren konnte. In diesem Moment war Gubler in ein Gespräch mit einem Stanser Spieler vertieft, stellte sich Wenger aus Versehen in den Weg und stiess mit diesem hart zusammen. «Mein Fehler, ich habe da nichts verloren. Ich habe mich bei Dave sofort entschuldigt», sagte Gubler.

850Zuschauer sorgenfür grossartige Stimmung

Diese kleine Anekdote soll zeigen: Die grösste Gefahr für den Stanser Trainer lauerte an diesem Abend in den eigenen Reihen.Denn mit dem Gegner, dem Aufsteiger aus Emmen, hatte sein Team keine Probleme. 33:19 siegte der BSV Stans am Ende, und obwohl er vor der Partie der Favorit gewesen war – so klar hatte man die Kräfteverhältnisse nicht erwarten können.

So hoch haben die Emmer in dieser Saison erst einmal verloren – ganz zu Beginn gegen Endingen (21:35).«Das ist enttäuschend. Wir spielen vor einer solchen Kulisse und lassen uns abschiessen», haderte Emmens Goalie Marcel Luthiger. Sie war tatsächlich grossartig, die Atmosphäre, 850 Zuschauer waren in der Eichlihalle zugegen, darunter rund 100 aus Emmen. «Wir haben mit die besten Fans der Liga. Wir liegen klar zurück, und sie feuern uns trotzdem weiter an», stellte Luthiger anerkennend fest.

Stanser Goalie wehrt fast 50 Prozent der Würfe ab

Weniger nette Worte hatte er für die Abwehrarbeit seiner Mannschaft übrig: «Die Abstimmung ist mangelhaft, es fehlt die Kommunikation. Wir wussten, dass Stans schnell spielt. Und doch ging es uns zu schnell.» Von Beginn weg waren die Emmer auf verlorenem Posten, nach sechs Minuten stand es bereits 4:0. Zwar hatte sich der Underdog nach einer Viertelstunde auf 6:8 herangearbeitet, doch dann legte der Gegner sogleich den nächsten Zwischenspurt ein und zog bis zur 23. Minute mit einer 6:0-Serie auf 14:6 davon.

Zur Pause stand es 19:8, die Partie war längst entschieden. «Wir hatten den starken Rückraum der Emmer gut im Griff. Anhand von Videos haben wir ihre Laufwege studiert und ihnen dann im Spiel den Schneid abkaufen können», analysierte Gubler. Überzeugend trat auch Goalie Wenger auf, neben dem gewonnenen Renkontre mit seinem Trainer wies er mit 17 Paraden eine Abwehrquote von 48 Prozent auf.

Zufrieden war der Stanser Trainer auch mit dem eigenen Angriff, der in den letzten Wochen etwas geschwächelt habe. «Wir drückten nicht mehr so aufs Tempo wie gewohnt. Das war diesmal wieder viel besser.» Die Nidwaldner gefielen mit variablem Angriffsspiel, von jeder Position aus sind sie torgefährlich, ohne einen klaren Topskorer in ihren Reihen zu haben.Hätten sie in der zweiten Halbzeit nicht die Intensität aus dem Spiel genommen, wäre ein noch deutlicherer Erfolg gegen das inferiore Emmen möglich gewesen.

Kein Zweifel: Die Stanser, dank vier Siegen in Serie mittlerweile auf Rang vier vorgerückt, haben in dieser Saison das Zeug zum NLB Spitzenteam.

Emmen steht neu auf einem Abstiegsplatz

In die andere Richtung muss sich derweil Handball Emmen orientieren. Der Aufsteiger zahlt Lehrgeld, hat sechs von sieben Spielen verloren und steht neuerdings auf einem Abstiegsplatz. Für Luthiger steht fest: «Wir haben noch viel zu tun.»