Handballclub Kriens-Luzern hat ein Geisterspiel und macht ein Meisterspiel

Kriens-Luzern bezwingt vor leeren Zuschauerrängen Bern 30:19. Und beeindruckt wie noch nie in dieser Saison.

Roland Bucher
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Der Krienser Hleb Harbuz (in Blau) trifft mittels Freiwurf spektakulär.

Der Krienser Hleb Harbuz (in Blau) trifft mittels Freiwurf spektakulär.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Kriens, 7. März 2020)

Wäre es nach Hanspeter Würmli gegangen, dem Verwaltungsratspräsidenten des HC Kriens-Luzern, hätte die Partie «nun wirklich nicht» unter Ausschluss von Zuschauern stattgefunden: «Für mich ist das alles im Moment ein bisschen zu viel Virus-Hysterie.» Doch der höchste Chef des Vereins beugte sich Nick Christen, dem CEO, der sich für die Variante «Vorsicht über alles» entschieden hatte. So viel vorweg: Die Fans verpassten ein Handball-Spektakel.

Kriens – Bern war ein Geisterspiel, klar, es war aber auch ein Meisterspiel. Es war ein meisterlicher Auftritt der Truppe von Goran Perkovac, welche mit unerhörter Präzision die in den letzten Wochen erheblich erstarkten Berner sezierten, von Beginn weg eine unerhörte Dominanz an den Tag legten. 11:5 stand es nach einer Viertelstunde, und wer – zum Beispiel von den fast 1000 Fans, welche die Partie zu Hause in der warmen Stube am Livestream verfolgten – einen Leistungseinbruch befürchtete: täuschte sich nichts als gewaltig. Der HCK zog die Pace durch, zelebrierte wunderschöne Gegenstösse, gewann im Mann-gegen-Mann-Duell alle Zweikämpfe und stand in der Defensive wie ein harter Pilatus-Felsbrocken. «So gut wie diesmal waren wir in der Abwehr noch nie», schwärmte Perkovac, der mit einem Schielauge auf das Matchblatt bemerkte: «Wir haben in den ersten 47 Minuten lediglich 11 Gegentreffer kassiert – das scheint mir durchaus rekordverdächtig, darauf bin ich stolz.» Dann durfte bei Kriens die, übrigens ebenfalls sehr hoffnungsvolle, zweite Garde ran.

Bars Zauberparaden

Mann des Spiels war Goalie Paul Bar. Der liess sich fette 60 Abwehrprozente notieren und meinte nichts anderes als: «Ja, es war kein schlechtes Spiel von mir.» Des polnischstämmigen Deutschen Leistung überragte beim Sieg alles, lässt Hoffnung auf einen grandiosen Saison-Endspurt aufkeimen: «Wir nähern uns der Playoff-Form. Das gibt Vertrauen.» Paul Bar hat die Qualitäten zum Meisterkeeper – nicht zuletzt auch mit Kayoum Eicher in der starken Ersatzrolle: Der Jungspund parierte bei seinem Kurzeinsatz vier Würfe, darunter einen Penalty.

Zauberwurf von Harbuz

Nun, schade also, dass der treue HCK-Anhang bei der Handballgala im besten Fall vor dem Bildschirm mitfiebern durfte. Kriens offerierte Bern eine Lehrstunde des modernen, effizienten Handball, hatte mit Blättler, Gavranovic, Piroch und Papez gleich vier Leute mit perfekter Abschlussqualität und – einmal mehr – in Hleb Harbuz die ganz grosse Nummer im Schweizer Handball in seinen Reihen. Harbuz trat ausgeprägt mannschaftsdienlich auf, doch als es Sekundenbruchteile vor dem Halbzeitpfiff Verantwortung zu übernehmen galt, trat er aufs Parkett. Sein Freiwurf-Direktschuss durch die Beine der verdutzten Berner Mauer war das Eintrittsgeld alleine schon wert. Pardon: Wäre es wert gewesen.

Rang zwei im Visier

Eine Platzierung unter den ersten Vier, welche im ersten Playoff-Halbfinal wichtiges Heimrecht garantiert, hat Kriens inzwischen auf sicher. Perkovac, zufrieden und glücklich wie noch nie in dieser Saison nach einem Spiel, will mehr: «Wir haben jetzt sämtliche Optionen für Rang zwei oder drei in der Qualifikation. Dorthin wollen wir.» Um diese Absicht zu unterstreichen, hat Kriens gegen den Entscheid, das Protestspiel zwischen Kriens und Schaffhausen zu Gunsten der Kadetten zu werten, fristgerecht rekurriert. Nick Christen: «Wir fordern ein Wiederholungsspiel.» Trumpft der HCK auf wie am Samstag, könnte aus einem Remispunkt selbst gegen Schaffhausen ein Sieg werden.

Kriens-Luzern – BSV Bern 30:19 (19:9)
Ohne Zuschauer. – SR Brunner/Salah. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 3-mal 2 Minuten gegen BSV Bern.
Kriens-Luzern: Bar (16 Paraden)/Eicher (4); Harbuz (5/1), Wipf, Blättler (3), Piroch (4), Kim (1), Gavranovic (6), Oertli (2), Ramseier (1), Schlumpf (1), Delchiappo, Papez (5), Lavric, Hofstetter (2).
BSV Bern: Tatar (4 Paraden)/Rosenberg; Eggimann, Schneeberger, Kaleb (3/2), Baumgartner (5), Kusio (3), Weingartner, Pereira Spinola (4), Gerlich, Strahm (3), Rohr, Arn (1), Mühlemann.
Bemerkungen: Verschossene Penaltys: 2:1. Partie wurde aufgrund des Coronavirus ohne Zuschauer ausgetragen.