Interview

IFV-Präsident Urs Dickerhof zu einer möglichen Fortsetzung des Spielbetriebs: «Wir können frühestens Mitte Mai starten»

Welche Folgen hat der Coronavirus für den Innerschweizer Fussball? Urs Dickerhof, Präsident des Innerschweizerischen Fussballverbandes, nimmt Stellung und appelliert an die Gemeinden, die Vereine nicht mit Platzmieten zu quälen.

Stephan Santschi
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Der Spielbetrieb ist vorerst bis Ende April ausgesetzt. Wie ist die Stimmungslage bei den IFV-Vereinen?

Urs Dickerhof: Alle tappen im Dunkeln und fragen, was als nächstes kommt.

Urs Dickerhof, Präsident des Innerschweizer Fussballverbandes.

Urs Dickerhof, Präsident des Innerschweizer Fussballverbandes.

Bild: PD

Was kommt als nächstes?

Der IFV kann und will im Moment keine Angaben zum zukünftigen Spielbetrieb machen. Das wäre reine Spekulation. Der Bundesrat wird nächste Woche über seine Exitstrategie informieren, dann wissen auch wir, ob und wie es weitergehen wird.

Der Fussballverband Region Zürich hat drei Szenarien skizziert. Die Erkenntnis: Nur wenn Anfang Mai die Meisterschaft fortgesetzt wird, kann die Rückrunde zu Ende gespielt werden.

Ich möchte hier eigentlich keine Theorien entwickeln. Taktgeber in dieser Sache sind nicht die Verbände, sondern der Bundesrat. Fest aber steht: Sollten wir wieder loslegen, brauchen die Vereine drei Wochen Vorbereitungszeit. Wir könnten also frühestens Mitte Mai starten.

Reicht dies, um die Saison zu beenden?

Theoretisch kann man 12 Spiele in sechs Wochen austragen, ja.

Und praktisch?

Wäre es eine enorme Herausforderung für die Vereine, die Spieler und für uns als Verband. Ich denke unter anderem an das stufengerechte Aufgebot der Schiedsrichter. Sollte die Möglichkeit bestehen, die Saison zu Ende zu spielen, müssten wir zur Entscheidungsfindung auch die Vereinspräsidenten ins Boot holen. Als Teil der Amateurliga können wir mitbestimmen, aber nicht selber über unsere Zukunft entscheiden. Wir zählen auf SFV-Zentralpräsident Dominique Blanc, dass er als ehemaliger Präsident der Amateurliga weiss, wo in den Regionalverbänden der Schuh drückt.

Vereine klagen bereits über fünfstellige Verluste. Stehen gewisse sogar vor dem Aus?

Nein, das glaube ich nicht. Im Profibereich kann ich mir das eher vorstellen, dort brauchen die Vereine die Zuschauereinnahmen. Die Amateure leben von den Mitgliederbeiträgen, Einnahmen der Klubbeiz sowie Sponsoren und Gönnern.

Ich appelliere dabei an die Gemeinden, die Vereine nicht mit Platzmieten zu quälen, da sie die Plätze aktuell nicht brauchen und belasten.

Es macht keinen Sinn, auf der einen Seite zu betonen, dass der Breitensport wichtig ist und unterstützt wird, auf der anderen aber einzukassieren.

Der Bundesrat stellt dem Breitensport 50 Millionen Franken zur Verfügung.

Davon wird nicht sehr viel bei uns im Amateurfussball landen. Sollte er beispielsweise 1,5 Millionen Franken erhalten, gäbe dies für jeden der rund 1500 Vereine in der Schweiz 1000 Franken. Damit ist keinem geholfen.

Kann der IFV Vereine in Not finanziell unterstützen?

Grundsätzlich kann er das nicht, weil es in den Statuten nicht vorgesehen ist. Der Verband hat keine eigene Geldquelle. Aber der IFV wird alles daran setzen, um über die ihm zur Verfügung stehenden Kanäle Hilfe anzubieten. Vor allem liegt es uns am Herzen, dass die Juniorinnen und Junioren unserem Sport frönen können.

Wie geht es in der aktuellen Krise dem IFV?

Auch der Verband muss sich zur Decke strecken, da die Einnahmen aus dem Spielbetrieb komplett wegfallen. Beispielsweise fallen die Bussengelder weg. Darum haben wir für unsere drei Angestellten Kurzarbeit angemeldet. Grundsätzlich kann auch jeder Verein Kurzarbeit anmelden, wenn er gegenüber Spielern, Trainern, Klubbeizern oder Dresswäscherinnen als Arbeitgeber auftritt.

Welche Vereine trifft es am härtesten?

Jene, die starke Juniorenabteilungen haben, dürften weniger Probleme haben, als jene, die in externe Kräfte investieren. Die Fünft- und Viertligisten spüren wohl weniger Druck, als Zweit- und Erstligisten. Nicht zu vergessen ist die grosse soziale Bedeutung des Fussballs. Eine Erhebung hat gezeigt, dass der gesellschaftliche Wert und das Beisammensein im Training höher gewichtet wird als der reine Wettkampf.