Den Luzerner Volleyballer Luca Widmer bringt nichts aus der Ruhe

Luzerns NLA-Team verblüfft in diesem Frühjahr mit konstant starken Leistungen. Jetzt soll es auch Näfels zu spüren bekommen. Und dies nicht zuletzt dank Luca Widmers Intuition beim Passspiel.

Roland Bucher
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Luca Widmer (Mitte) mit erfolgreichem Block. Rechts: Nick Amstutz. Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 9. Dezember 2018)

Luca Widmer (Mitte) mit erfolgreichem Block. Rechts: Nick Amstutz. Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 9. Dezember 2018)

Irgendwie symbolisiert Luca Widmer, 21-jährig, Volley Luzern: jung, keck, forsch, selbstbewusst. Und: höchst ambitioniert. «Ich traue uns in dieser Saison viel zu», sagt er ohne Umschweife, und man müsse jetzt nicht mehr zäh um den heissen Brei her­umreden: «Wenn wir am Samstag Näfels schlagen, ja, dann sind wir unserem Saisonziel schon sehr, sehr nahe.»

Die Vorgabe für diese Meisterschaft: Das ist Rang vier nach der Qualifikation, die Positionierung in der Logenetage, die beim Smash-off für die Playoffs das gefragte Heimrecht zuweist. Ein feines Polster hat sich Volley Luzern gegenüber Hauptkonkurrenz Chênois erwirtschaftet, auch dank einem mirakulösen Heimsieg gegen Amriswil, den bis zu dieser Partie unbefleckten Leader. Dort spielte der junge Mann, der in Horw das Volley-Einmaleins erlernte und bei Emmen Nord seine Begabung verfeinerte, eine Schlüsselrolle: Als die Halle kurz vor dem finalen Aufschlag bebte, schnappte sich Luca Widmer den Ball, setzte Amriswil schachmatt. «Es war mein vielleicht bestes Spiel für Luzern», erinnert sich der Passeur, «solche Momente liefern dir die Motivation für fünf harte Trainings in der Woche.»

«Luca Widmer ist die Ruhe in Person»

Weil man, vor allem auch auf der sportlichen Plattform, junge Grossbegabungen schön am Boden halten soll, vergreift sich Josef Wicki, der Teamchef der Luzerner Himmelsstürmer, nicht mit dem Prädikat des «Volley-­Juwels». Schlicht und einfach: «Luca ist ruhiger Spieler, der die grossen Momente nicht scheut.» Ausgedeutscht: einer, der in heiklen Situationen nicht «Versteckis» spielt, sondern Verantwortung übernehmen, mit breiter Brust hinstehen will. In seiner Position als Passeur kommt dieses Gütesiegel natürlich voll zum Tragen: «Blitzschnell entscheiden müssen, welchem Smasher ich jetzt den Ball zuliefere, immer ein paar Sekundenbruchteile zuvor analysieren, wo der gegnerische Block Schadstellen hat – das ist die interessanteste Aufgabe in diesem Sport.»

Der Traum von einem Engagement im Ausland

Fintenreich seinen besten Angreifer, Ligatopskorer Strahinja Brzakovic in optimale Smashposition zu manövrieren: diesen Job erledigt Luca Widmer inzwischen so eloquent, dass er in der Zuliefererrolle gleiche Spielanteile wie der neu zum Team gestossene griechischstämmige Kanadier Adam Anagnostopoulos erhält. «Von ihm», sagt der in Kriens wohnhafte ausgelernte Polymechaniker mit Berufsmatur-Gegenwart und Plänen für ein Studium als Wirtschaftsingenieur, «kann ich noch sehr viel lernen.» Und: «Konkurrenzkampf belebt, härtet ab.»

Noch besser, spieldirigierender will er in den kommenden Jahren werden, sich in der NLA einen Stammplatz erkämpfen, und sich dann, wenn die Zeit reif sei, einen grossen Traum erfüllen: «In Deutschland in der Bundes­liga einen Verein zu finden – das wäre wunderbar.» Vorerst wollen er und sein Team indes Näfels ­bodigen. Wenn es ihm nach dem Sinne steht, wird sich Luca Widmer vor dem Spiel bei einem Spaziergang am Pilatus das erwandern, was vor dem Glarner Sturm sicher nichts schaden kann: seine sprichwörtliche Ruhe.

Hinweis

Volleyball, NLA-Männer. Samstag: Volley Luzern – Näfels (17.00, Sporthalle Bahnhof, Luzern).