Die Nidwaldner Schützen brauchen moderne Schiessanlage: «In dieser Hinsicht sind wir Dinosaurier»

Die LG Nidwalden verpasst an der Mannschaftsmeisterschaft in Reiden die Podestplätze – trotz Spitzenleistungen von Profi Nina Christen.

Stephan Santschi
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Das Team der LG Nidwalden kämpfte in Reiden glücklos und schied in der Qualifikation aus. Vorne von links: Roman Durrer, Nina Christen und Marina Schnider. Mitte von links: Martin Frank und Jean-Claude Zihlmann. Hinten von links: Benno von Büren, Samuel Christen und Manuel Lüscher.

Das Team der LG Nidwalden kämpfte in Reiden glücklos und schied in der Qualifikation aus. Vorne von links: Roman Durrer, Nina Christen und Marina Schnider. Mitte von links: Martin Frank und Jean-Claude Zihlmann. Hinten von links: Benno von Büren, Samuel Christen und Manuel Lüscher.

Photo:roger Gruetter / rogergruetter.com

Die LG Nidwalden wurde ihrer Favoritenrolle am Final der Mannschaftsmeisterschaft mit dem Luftgewehr (10 Meter) nicht gerecht. In der Qualifikation hatte sie noch den zweiten Rang belegt, in Reiden scheiterte das Team am letzten Samstag jedoch frühzeitig. Nach Niederlagen gegen Thunersee und Tafers schieden die Nidwaldner bereits in der Gruppenphase aus und belegten am Ende den fünften Platz (siehe Box rechts). In den letzten vier Jahren standen sie stets auf dem Podest, 2016 hatten sie den Wettkampf sogar gewonnen. «Die eine Hälfte hat geliefert, die andere nicht. Auf diesem Niveau verträgt es nicht viel», erklärt Jean-Claude Zihlmann, der Präsident der LG Nidwalden.

Aus acht Mitgliedern besteht jeweils ein Team, jedes trägt 20 Schuss zum Gesamtergebnis bei. Teamleaderin war die 26-jährige Wolfenschiesserin Nina Christen, die letztes Jahr im Schiesssport in die absolute Weltspitze aufgestiegen ist und unter anderem Silber an der Luftgewehr-EM gewonnen hat. Auch in der Johanniterhalle in Reiden waren ihre Leistungen überragend, gleich zweimal erreichte sie mit 210,1 Punkten das Tageshöchsttotal. Im Schnitt ergab das pro Schuss eine 10,5, was beim Maximum von 10,9 vorzüglich ist. Auch die 29-jährige Rothenburgerin Petra Lustenberger, der zweite Profi im Team Nidwaldens, zeigte mit Ergebnissen von 207,2 und 208,4 gute Auftritte – lautstark angefeuert von der zehnköpfigen Delegation ihres Deutschen Bundesligaklubs SV Buch.

«Schiessen ist in Nidwalden einfach populär»

Ungeachtet des ungenügenden Auftritts gilt Nidwalden als Hochburg im Schweizer Luftdrucksport. Bereits vor Christen, die 2016 an den Olympischen Spielen teilgenommen hatte, stellte man mit dem Pistolenschützen Patrick Scheuber einen Olympiafahrer (2012). Sowohl bei der LG Nidwalden, als auch den Pistolenschützen Stans steht die Nachwuchsförderung hoch im Kurs. «Pro Jahr nehmen 45 bis 60 Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren an unseren J+S-Kursen im Sportschiessen teil. Irgendein Talent bleibt immer hängen», berichtet Zihlmann. «Schiessen ist in Nidwalden einfach populär», sagt Lustenberger und Christen hält fest: «Hier wird das gemacht, wovon andere nur reden. Man interessiert sich für die Jungen und geht auf sie ein.» Im Nachwuchs gewann die LG Nidwalden in Reiden übrigens Silber – zum vierten Mal seit 2016.

Kampf für eine moderne Infrastruktur in Stans

Nicht so recht ins Bild passt dabei die Infrastruktur in der Eichlihalle in Stans. Dort wird nämlich noch immer mit Zugscheiben geübt und auf Karton geschossen. «In dieser Hinsicht sind wir ein Dinosaurier. Mit der Regeländerung von 2012 wurden elektronische Scheiben von einem ‹nice-to-have› zum Muss, wenn man an der Spitze mitmischen möchte», betont Zihlmann. Angesprochen ist die neue Wettkampfauswertung, seither werden die Leistungen bis auf Zehntelpunkte genau ausgewertet. So ist eine Zehn nicht mehr einfach eine Zehn, ihre Bandbreite reicht von 10,0 bis 10,9. «Es gibt also auch schlechte Zehner.» Auf internationalem Level nähert man sich immer mehr der Perfektion, dazu zählt auch die Materialentwicklung mit besonders steifen, stabilitätsfördernden Anzügen aus Indien. Die analoge Schiessanlage in Stans genügt deshalb den Anforderungen nicht mehr. 105000 Franken kostet die elektronische Trefferanzeige mit Lasertechnik, «bei der Geldbeschaffung befinden wir uns im Endspurt», sagt Zihlmann. «Nächste Saison möchten wir sie einweihen. Unsere jungen Schützen brauchen eine zeitgemässe Plattform.»

Christen und Lustenberger richten Fokus auf Olympia

Die Aushängeschilder Nina Christen und Petra Lustenberger richten ihren Fokus derweil auf den kommenden Sommer und die Olympischen Spiele in Tokio. Christen hat den Quotenplatz in zwei Disziplinen (Luftgewehr 10 m, Kleinkaliber Dreistellung 50 m) bereits eingespielt und dürfte am Grossanlass dabei sein. Lustenberger hat am Weltcup in Indien im März und am Qualifikationsturnier in Tschechien im Mai noch zwei Gelegenheiten, um sich erstmals den Zugang zu den grössten aller Bühnen im Schiesssport zu erwirken. Während Christen bei der Armee als Zeitsoldatin angestellt ist, hat Lustenberger einen Vertrag mit dem Schweizerischen Schiesssportverband. Beide Kontrakte laufen nach den Olympischen Spielen aus, wie es danach weitergeht, ist noch offen.

Die LG Nidwalden wird derweil den Final der Mannschaftsmeisterschaft mit dem Luftgewehr 2021 und 2022 in der Stanser Eichlihalle austragen. Dann will man vor Heimpublikum Revanche nehmen für den enttäuschenden Auftritt in Reiden.

Iwan Bolzern pulverisiert den Luzerner Kantonalrekord

Sieg für den Krienser Iwan Bolzern im Kantonalmatch mit dem Gewehr (10 m).

Sieg für den Krienser Iwan Bolzern im Kantonalmatch mit dem Gewehr (10 m).  

Patrick Birrer (Reiden, 7. Februar 2020)

Wie im Vorjahr wurde der Kantonalmatch über 10 Meter des Luzerner Kantonalschützenvereins (LKSV) auch heuer in Reiden ausgetragen. Für die herausragende Leistung sorgte am Freitagabend Iwan Bolzern in der Elite-Kategorie mit dem Gewehr. Der Titelverteidiger aus Kriens pulverisierte im 60-schüssigen Vorprogramm den knapp ein Jahr alten Kantonalrekord von Janine Frei (Pfaffnau). Mit 622,5 Punkten verbesserte er den bisherigen Luzerner Bestwert um 5,9 Zähler. Die Qualifikation schloss er damit mit mehr als 17 Punkten Vorsprung auf Marco Neuhaus (Buchrain) ab. Für den Final nützte ihm dies allerdings wenig, denn dieser begann für die acht Qualifizierten wieder bei null. Und hier lieferte sich Neuhaus Bolzern ein spannendes Duell und lag zeitweise gar in Führung. Ganz zum Schluss vermochte der Vorjahressieger aber zuzusetzen und krönte sich erneut zum Kantonalmeister. Marco Neuhaus blieb wie im Vorjahr die Silbermedaille. Bronze holte der Hergiswiler Othmar Schmid. Doppelsieg für die Sportschützen Dagmersellen Bei den U21 der Gewehrschützen heisst die Kantonalmeisterin Katja Bucher. Mit 398,4 Punkten verwies die Nebikerin ihre Vereinskollegin von den Sportschützen Dagmersellen und Vorjahressiegerin Catarina De Almeida (Nebikon/394,7) auf Platz 2. Die Bronzemedaille sicherte sich Andrea Wicki aus Gisikon mit 385,7 Punkten. Im Elite-Wettkampf mit der Pistole erzielte in der Qualifikation Alex Huber das Bestresultat (567). Damit lag der Luzerner vor Titelverteidiger Ueli Krauer (Malters/562) und Corinne Birrer (Schenkon/550). Wie mit dem Gewehr diente die Qualifikation aber lediglich dazu, die acht Finalisten zu ermitteln. Bei der Endausmarchung lag Jeannine Stamm bis zum 18. Schuss in Führung. Dann allerdings konnte die Luzernerin ihr hohes Niveau nicht ganz halten. Vorjahressieger Krauer zog an ihr vorbei und verwies sie auf Platz 4. Ähnlich erging es auch Corinne Birrer, die lange vor Krauer lag, am Ende aber mit Bronze vorliebnehmen musste. Die Krönung von Ueli Krauers Aufholjagd blieb aber aus. Alex Huber liess sich den komfortablen Vorsprung in den letzten beiden Finalschüssen nicht mehr nehmen und sicherte sich souverän den Sieg und die Goldmedaille. In der U21-Kategorie der Pistolenschützen schwang Jan Utiger aus Triengen mit 340 Punkten vor Simon Meier (Gettnau/335) und Chanel Moncecchi (Pfaffnau/334) obenaus. Bei den Veteranen ging der Kantonalmeistertitel an Walter Arnold aus Weggis. Mit 358 Punkten setzte er sich vor Hans Portmann (Altishofen/354) und Markus Birrer (Reidermoos/345) durch. (pbi)