Jonas Bosserts Sieg in letzter Sekunde bringt den Willisauer Ringern den Meistertitel

Nach einer höchst spannenden Zitterpartie wurde der Topfavorit Willisau Lions zum 14. Mal Schweizer Mannschaftsmeister.

Simon Gerber
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Ringen Final: Willisau vs. Muri. Jonas Bossert nach seinem Sieg. Bild: Corinne Glanzmann (Willisau, 21. Dezember 2019)

Ringen Final: Willisau vs. Muri. Jonas Bossert nach seinem Sieg. Bild: Corinne Glanzmann (Willisau, 21. Dezember 2019)

Corinne Glanzmann, Luzerner Zeitung

Die Luzerner gewannen den dritten Finalkampf gegen das sich nochmals vehement aufbäumende Freiamt hauchdünn mit 17:16 Punkten und damit die Best-of-3-Serie mit 2:1. Bis zuletzt war es so, als könnten sich die Ringergötter einfach nicht entscheiden, wem sie die Gunst erweisen wollen. In einer elektrisierenden Atmosphäre wurde auf der Matte in jedem Fight hart um jeden einzelnen Punkt gekämpft. Erst im letzten der zehn Mattenduelle und erst in den letzten Sekunden vor dem Schlusspfiff entschieden sie sich für die Willisau Lions.

Als Matchwinner liess sich der Altinternationale Jonas Bossert feiern. Der 29-Jährige besiegte im Freistil den sieben Jahren jüngeren Nico Küng mit 5:1. Damit wurde der Servicetechniker in der Finalserie von der tragischen Figur zum umjubelten Helden. In der ersten Begegnung gegen Freiamt verlor der Grecospezialist den letzten Kampf des Abends, was zur überraschenden Niederlage der Willisau Lions führte. Diesmal holte der Routinier die Kastanien für seinen Verein aus dem Feuer. Als Held fühle er sich trotzdem nicht. «Der Erfolg hängt nicht von einem einzelnen Ringer, sondern von der Leistung des ganzen Teams ab. Es war jedoch in meiner langen Karriere der bisher wichtigste Sieg in der Teammeisterschaft», freut sich Jonas Bossert.

Die entscheidende Partie um den begehrten Meisterpokal war von Beginn weg ein Tanz auf dem Hochseil. Nach vier Kämpfen lagen die Gastgeber dank zwei souveräner Siege in den schwersten Gewichtsklassen durch WM-Bronzegewinner Stefan Reichmuth und Samuel Scherrer mit einer 8:4-Führung über ihrem Budget. Im letzten Duell vor der Pause erwischte der Freiämter Michael Bucher seinen Gegner Rasul Israpilov mit einem Hüfter eiskalt auf die Schulter und glich zum 8:8 aus. Im zweiten Kampfabschnitt taten sich die Grafenstädter, mit dem besten Kader der Liga, schwerer als erwartet, die Oberhand zu behalten.

Vor dem letzten Kampf steht es 15:15

Nach den beiden hart erkämpften Siegen durch Tobias Portmann und Andreas Vetsch stand es vor dem letzten Duell 15:15. Erst der überragende Auftritt von Jonas Bossert brachte die Entscheidung zugunsten der Luzerner Hinterländer. Beide Teams hatten am Schluss je fünf Siege auf ihrem Konto.

In den vergangenen beiden Jahren war Willisau Lions ein Meister der verpassten Möglichkeiten gewesen. Zweimal traten die Zentralschweizer im dritten Kampf gegen Kriessern an, hatten die Gelegenheit zum Titelgewinn jedoch ungenutzt gelassen. «Ich bin extrem glücklich, dass sich diese Geschichte nicht noch einmal wiederholt hat. Unser Sieg hing jedoch erneut bis zum Schluss an einem seidenen Faden. Vom Dämpfer kurz vor der Pause liessen sich unsere Leistungsträger nicht entmutigen. Dank einer konzentrierten Leistung und einer Ausnahmeleistung von Jonas Bossert konnten wir das Blatt wieder wenden», resümierte Thomas Bucheli, der Cheftrainer der Willisau Lions. Es war für den Erfolgstrainer der zweite Titelgewinn nach 2015.

Die Enttäuschung über den nur ganz knapp verpassten siebten Meisterpokal hielt sich bei Marcel Leutert, Cheftrainer von Freiamt, in Grenzen. «Unser Plan ging zuletzt beinahe noch auf. Wir forderten dem Gegner nochmals alles ab. Natürlich tut es weh, wenn man gegen den Rekordmeister so nahe an einem Sieg ist. Trotzdem ist die Saison für mich ein Riesenerfolg, weil wir viel mehr erreicht haben, als wir erwartet hatten. Ich bin sehr zufrieden und Willisau ist ein verdienter Meister», sagte Leutert.

Meisterschaft NLA. Männer. Playoff-Final (best of 3): Willisau – Freiamt 17:16; Schlussstand 2:1. – Willisau zum 14. Mal Schweizer Mannschaftsmeister.

Willisau – Freiamt 17:16 (8:8)
57 kg: Timon Zeder v. Nils Leutert 1:2. – 61 kg: Lukas Bossert v. Nino Leutert 0:2. – 65 kg: Rasul Israpilov v. Michael Bucher 0:4. – 70 kg: Tobias Portmann v. Pascal Strebel 3:1. – 74 kg: Michael Portmann v. Andrey Maltsev 1:2. Jonas Bossert v. Nico Küng 2:1. – 79 kg: Andreas Vetsch v. Marc Weber 2:1. – 86 kg: Gergely Gyurits v. Magomed Ayskhanov 1:3. – 97 kg: Samuel Scherrer v. Roman Zurfluh 3:0. – 130 kg: Stefan Reichmuth v. Jeremy Vollenweider 4:0.