Levin Wanner hat mit dem HC Kriens-Luzern grosse Ambitionen

Kriens-Luzern tritt am Samstag bei RK Dubrava zum Europacup-Rückspiel an (19.30). Zwei Tore nur beträgt das Polster, umso grösser ist das Selbstvertrauen.

Roland Bucher
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Einmal, letzte Saison, als Levin Wanner (20) sich bei Stammverein Schaffhausen die Sporen abverdiente, gab’s eine Begegnung mit Manuel Liniger. Der ist mit unzähligen Meistertiteln und weit über 300 Einsätzen auf internationalem Parkett die Schweizer Handball-Flügelikone schlechthin und riet dem Jungspund: «Hol aus etwas Schlechtem immer das Beste heraus.» Das habe er sich hinter die Ohren geschrieben, gesteht der neue Mann auf der rechten Flügelposition des HC Kriens-Luzern: «Nie aufgeben, immer positiv nach vorne schauen.»

Levin Wanner vom HC Kriens-Luzern.

Levin Wanner vom HC Kriens-Luzern.

Bild: Claudio Thoma / Freshfocus (Konstanz, 9. März 2020)

Dieser Tage hat sich der 1.80 Meter grosse und 81 Kilogramm schwere Junioren-Internationale indes nicht mit negativen Gedankengängen zu befassen: «Es läuft rund, so darf es weitergehen. Ich glaube, ich habe mit meinem Wechsel zu Kriens ein ganz gutes Los gezogen.»

Flügel-Quartett der Sonderklasse

Dass der HC Kriens-Luzern makellos in die Saison startete, Wacker Thun an die Wand spielte und heute beste Möglichkeiten hat, sich nach dem 29:27-Heimsieg gegen Dubrava für die zweite Europacup-Runde zu qualifizieren, verdankt er nicht zuletzt seinem Jungquartett auf den Flügelpositionen. Captain Adrian Blättler (25), Roman Schlumpf (22), mit sechs Toren und makelloser Wurfausbeute überragend beim 30:21-Saisonstartsieg gegen Thun, Ammer Idrizi (19) und Kevin Wanner (20) sind im Flügel-Gesamtpaket vielleicht das Vielfältigste und Talentierteste in der Schweizer Szene.

Es mache Freude, ihnen zuzuschauen, lobt Trainer Goran Perkovac: «Sie haben nichts anderes im Sinn, als Fortschritte zu machen – und das tun sie auch.» Für sich, aber durchaus auch für seine Kollegen, sagt Levin Wanner nur so viel: «Wir können von unserem Trainer so viel lernen und profitieren.» Einen Schritt vorwärts machen, sagt der Ostschweizer, sich in der NLA etablieren, beweisen, dass er für (noch) höhere Aufgaben berufen ist, das will er: «Da bin ich in Kriens am richtigen Ort gelandet. Der Teamgeist ist einzigartig, wir sind nicht nur sportlich, sondern auch kameradschaftlich ein starker Verbund.» Doch Kriens will keine Wohlfühloase sein, Erfolge sind gefragt. In der Meisterschaft zum Beispiel der Pokal: «Ich traue uns das zu», betont Wanner.

Erst mal will der HCK aber auch Europacup-Meriten sammeln. Am Freitag um 5 Uhr morgens ging es los mit der abenteuerlichen 12-Stunden-Carfahrt nach Zagreb. «Sicher wären wir lieber mit dem Flugzeug gereist», gesteht Wanner, «aber in diesen Tagen ist halt alles ein bisschen anders.»

Der Traum von der Bundesliga

Levin Wanner, der neue junge Wilde bei Kriens. Ein Mann, wie ihn die Zuschauer schätzen, ein Traktor, der die Seitenlinie abwetzt – was durchaus zu seinem Berufslehrgang passt: «Mein Onkel ist Bauer, ist wusste früh einmal, dass ich Landwirtschafts-Gerätemechaniker werden will.» Das hat er mit guter Abschlussnote im Sommer erreicht. Jetzt ist er Profi, will dazulernen. Dass er Talent hat, fiel Goran Perkovac schon vor einem Jahr auf, Kontakte waren bald geknüpft. David Graubner und Nick Christen, die Chefs bei Schaffhausen und Kriens, fädelten den Leihgabe-Deal ein. «Das ist für mich eine optimale Lösung», sagt Wanner und macht kein Geheimnis daraus: «Ich bin jung, ich habe Handball-Talente, ich bin ehrgeizig. Ich will Karriere machen.» Am liebsten in der Bundesliga.