Jill Gander aus Emmen stürzt sich Kopf voran ins Glück

Die 15-jährige Skeleton-Fahrerin Jill Gander vertritt die Schweiz an den Olympischen Jugend-Winterspielen in Lausanne.

Theres Bühlmann
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Sie stürzt sich schon mal mit 134 Stundenkilometern bäuchlings und mit dem Kopf voran den Eiskanal hinunter, das Kinn knapp über dem Eis. Und dies auf einem Gerät, welches wie ein Bügelbrett aussieht, mit Griffen an den Seiten. Die Rede ist von Jill Gander. Die 15-Jährige aus Emmen, die dem Bob-Club Zürichsee angehört, vertritt die Schweiz als Skeletonfahrerin bei den Olympischen Jugend-Winterspielen, die am Donnerstag mit der Eröffnungszeremonie in Lausanne lanciert wurden. Die Bob- und Skeletonfahrer sowie die Rodler absolvieren ihre Wettkämpfe in St.Moritz.

«Die Angst darf man nicht an sich heranlassen», sagt Jill Gander, «aber man muss sehr viel Respekt haben, sonst geht es nicht.» Erfahrungen sammeln sei wichtig, «je mehr Läufe absolviert werden, desto besser hat man die Bahn im Griff, zumal wir mit dem Gesicht nach unten fahren und somit wenig sehen.»

Kompletter Medaillensatz für die Familie

Die Liebe für die Geschwindigkeit im Eiskanal muss sie geerbt haben, denn sie ist die Tochter des Bob-Piloten Billi Meyerhans (52). Dass Jill aber vor drei Jahren zum Skeleton fand, liegt auch an Barbara Hosch, der Ehefrau ihres Göttis, die einst dem Skeleton-Nationalkader angehörte und auch auf internationaler Ebene an den Start ging. «Dieser Sport hat mich von Beginn weg gepackt», so Jill Gander. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Bereits vor einem Jahr gewann sie an den Schweizer Meisterschaften in St.Moritz sowohl bei der Elite als auch bei den Juniorinnen die Silbermedaille, und bescherte so der Familie einen kompletten Medaillensatz, da Vater Billi im Viererbob Gold und im Zweier eine Bronzemedaille holte. Die Kriterien für die Teilnahme an diesen Olympischen Jugendspielen erfüllte sie bei den Selektionsrennen in Königssee, Lillehammer und St.Moritz, mit Rängen zwischen 6 und 13.

Seit zwei Wochen ist sie in St.Moritz, bereitet sich auf der einzigen Natureisbahn der Welt an ihrem ersten internationalen Grossanlass vor. Am Sonntag, 19. Januar, dann findet ihr Wettkampf im Olympia Bobrun statt, zwei Läufe stehen auf dem Plan. «Ich will diese Rennen geniessen, Spass haben und Erfahrungen für die Zukunft sammeln», blickt sie voraus. Auf einen konkreten Rang möchte sie sich nicht stark festlegen, «aber wenn es gut läuft, liegt ein Top-8- oder Top-10-Platz im Bereich des Möglichen.» Wobei zu sagen ist, dass sie in den Trainingsläufen immer wieder vorne mitfährt. St.Moritz bezeichnet sie als ihre Lieblingsbahn. «Das Eis ist weich und somit weniger holprig als die übrigen Bahnen, und schön zum Fahren, man spürt den Unterschied.»

Hoher Adrenalinspiegel bei Vater Billi

Jill Gander besucht die Kantonsschule Reussbühl (3. Klasse) und zählt Rollkunstlauf zu ihren Hobbys, als Mitglied des Rollsportclubs Emmen. Aus Spass, wie sie sagt, aber auch, um die Stabilität und Koordination zu trainieren. Die Bobtrainings werden mehrheitlich in Innsbruck absolviert, und auf der Anschiebebahn in Emmen, wo auch Vater Billi ab und zu dabei ist und ihr mit Ratschlägen und Tipps zur Seite steht. «Da ich verletzt bin, habe ich nun Zeit, meine Tochter zu unterstützen.» Sie habe von ihrem Vater wohl das Gefühl für das Eis geerbt «und ich kann bei ihm sehr viel abschauen», so Tochter Jill.

Welche Erwartungen hegt ihr Vater an diesen Olympischen Jugendspielen an seine Tochter? «Sie soll Spass und Freude haben und den Sport mit Leidenschaft betreiben, der Rest spielt keine grosse Rolle.» Und auch dies möchte er seiner Tochter mit auf den Weg geben: «Sport ist eine Lebensschule, man lernt, bei Rückschlägen immer wieder aufzustehen und vorwärts zu schauen.» Er wird bei den Läufen in St.Moritz selbstverständlich vor Ort sein, mit einem erhöhten Adrenalinspiegel. «Ich bin bei ihren Starts jeweils nervöser als bei meinen.» Aber Angst habe er keine um seine Tochter, wenn sie sich durch den Eiskanal hinunterstürzt, «denn sie fährt immer mit dem nötigen Respekt und kann sich schon sehr gut einschätzen».

Jill Gander steht noch am Anfang ihrer Karriere, sie will sich Schritt für Schritt verbessern. Einmal Weltcup- und Europacup-Rennen bestreiten und an Olympischen Spielen teilnehmen, das sind ihre Fernziele. Näher liegt die Junioren-WM im kommenden Februar in Winterberg «ich hoffe, dass ich dann dabei bin».

Für die rund 250 Athletinnen und Athleten, die im Rahmen dieser Jugendspiele in St.Moritz Gastrecht geniessen, gab es am Donnerstag ebenfalls eine Eröffnungsfeier. «Dass wir nicht in Lausanne sind und bis am Ende der Spiele in St.Moritz verweilen, ist für mich nicht sehr tragisch», sagt Jill Gander, «ich habe mich damit abgefunden.»

Die olympische Idee kann auch im Kleinen gedeihen…