Lima lässt die Handballerinnen der Spono Nottwil Eagles wieder fliegen

Die Spono Eagles schlagen Yellow Winterthur mit 32:19 und verschaffen sich im Kampf um die Teilnahme an der SPL1-Finalrunde etwas Luft. Erstmals steht der neue Trainer Carlos Lima an der Seitenlinie.

Stephan Santschi
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Eine starke Defensive, hier mit Patrizia Ramseier, Chantal Wick, Soka Smitran und Pascale Wyder (von links), war der Grundstein zum Sieg zu ­Hause gegen Yellow Winterthur. Bild: Andrea Kaufmann (Nottwil, 17. November 2018)

Eine starke Defensive, hier mit Patrizia Ramseier, Chantal Wick, Soka Smitran und Pascale Wyder (von links), war der Grundstein zum Sieg zu ­Hause gegen Yellow Winterthur. Bild: Andrea Kaufmann (Nottwil, 17. November 2018)

Plötzlich ging alles sehr schnell, letzte Woche. Am Dienstag informierten die Spono Eagles über die Entlassung von Trainer Urs Mühlethaler, drei Tage später verkündeten sie schon den Namen seines Nachfolgers: Carlos Lima. Am Samstag stand bereits dessen Premiere auf dem Programm. «Wir haben noch nicht einmal miteinander trainiert», sagt Lima, «natürlich habe ich mir aber Gedanken gemacht. Mein Hauptaugenmerk richtete ich auf die Abwehr. Das hat hervorragend funktioniert.» Yellow Winterthur, das zuletzt dreimal in Folge gewonnen hatte und bei einem Sieg mit Spono punktemässig gleichgezogen wäre, war chancenlos, verlor mit 19:32.

In der Deckung agierte Nottwil abwartender als gewöhnlich, «mir ging es darum, flacher zu decken. Es macht keinen Sinn, die Gegnerin schon zwölf Meter vor dem Tor zu attackieren», erklärt Lima. Darüber hinaus habe er individuelle Anpassungen vorgenommen. Als Beispiel nennt er Flügelspielerin Sabrina Amrein, die wegen der schwierigen Personalsituation im linken Rückraum aushelfen muss. «Sie rieb sich oft in 1:1-Situationen auf. Dabei hat sie einen super Wurf und kann ruhig etwas mehr Abstand von der Abwehr nehmen. Am Ende hatte sie fünf Tore erzielt und ein Lächeln auf den Lippen.» So einfach kann Handball sein.

Carlos Lima traf auf ein verunsichertes Team

Carlos Lima. In der Geschichte des Schweizer Handballs zählt er zu den prägenden Protagonisten. Nicht als Trainer, da beschränkte sich seine Arbeit bisher auf Engagements in der NLB in Zürich und Stans sowie in der SPL2 bei den Spono Eagles. Sondern als Spieler. Der heute 48-jährige Luzerner war am linken Flügel eine Wucht, gewann in drei verschiedenen Ländern Meistertitel und absolvierte 181 Länderspiele für die Schweiz. In den letzten drei Jahren trainierte er die zweite Equipe der Nottwilerinnen, Verein und Personal sind ihm daher bestens bekannt. Im Sommer trat der selbstständige Unternehmer (Marketing und Consulting im Hotel- und Eventbereich, Networking, Referate) aus beruflichen Gründen kürzer. Eine erste lose Kontaktaufnahme von Spono-Präsident Urs Wey beantwortete er darum mit einem klaren Nein. «Dann hatte Spono keinen Trainer mehr, es bestand dringender Handlungsbedarf. Als sich Urs nochmals meldete, sind wir zusammengesessen.» Mit der Unterstützung seines Assistenten Mirco Stadelmann sei es ihm möglich, Handball und Beruf unter einen Hut zu bringen, sagt der in Hergiswil NW wohnhafte Vater zweier Töchter.

Auf die Frage, in welcher Verfassung er das Team vorfand, reagiert Carlos Lima vorsichtig. «Einige Spielerinnen waren verunsichert. Spono hat eine hervorragende Mannschaft, doch aufgrund der zerfahrenen Situation war sie nicht in der Lage, ihre Leistung abzurufen.» Bekanntlich verzeichnete Spono im Sommer aufgrund zahlreicher Abgänge einen merklichen Substanzverlust, hinzu kamen grosse Verletzungssorgen. Deshalb muss der Doublegewinner aktuell um die Teilnahme an der Finalrunde (Top 4) bangen.

Transfers im Winter sind keine geplant

Die Spono Eagles gehen nun in die Winterpause, in dieser Woche ist trainingsfrei, ehe Lima am kommenden Montag seine erste Übungseinheit leiten wird. «Es geht darum, die Abwehr zu stabilisieren. Im Angriff möchte ich derweil das Team ins Boot holen und herausfinden, mit welchen Spielauslösungen es sich wohlfühlt.» Wichtig ist ihm, dass nicht ständig aufs Tempo gedrückt werde. «Das führt zu viel Risiko und Ballverlusten, die Spielerinnen müssen nicht immer wie ein Zäpfchen abgehen. Manchmal braucht es Ruhe.»

Transfers, so betont er, seien keine geplant. «Wir haben ein Top-Team. Im Januar werden mit Ausnahme von Judith Matter alle Verletzten zurückerwartet. Das wird uns mehr Möglichkeiten geben.» Auf eine Zielsetzung will sich der schweizerisch-spanische Doppelbürger noch nicht einlassen. «Ich möchte zuerst die Meinungen der Spielerinnen zu diesem Thema hören.» Im Januar wird die Meisterschaft wieder aufgenommen, vier Partien der Hauptrunde stehen noch auf dem Programm. Die Nottwilerinnen stehen mit zwei Punkten Vorsprung auf Platz vier und werden diesen verteidigen wollen. Im Cup-Viertelfinal gastieren sie am Mittwoch, 9. Januar beim LK Zug.

10. Runde: Leimental – Herzogenbuchsee 35:38 (10:19). Brühl St. Gallen – LK Zug 24:22 (13:9). Spono Nottwil – Yellow Winterthur 32:19 (11:7).

Rangliste: 1. Brühl St. Gallen 10/19 (323:248). 2. LK Zug 10/16 (372:260). 3. Rotweiss Thun 10/15 (296:222). 4. Spono Eagles 10/10 (282:270). 5. GC Amicitia Zürich 10/8 (249:286). 6. Yellow Winterthur 10/6 (236:286). 7. Herzogenbuchsee 10/3 (263:345). 8. Leimental 10/3 (277:381).