Lust und Frust beim Eisschnellläufer Livio Wenger

Für Livio Wenger waren die Europameisterschaften im Eisschnelllauf im niederländischen Heerenveen eine Berg- und Talfahrt.

Stephan Zopfi
Drucken
Teilen
Livo Wenger aus Schenkon im Schweizer National-Dress.

Livo Wenger aus Schenkon im Schweizer National-Dress.

PD

Der Schenkoner Livio Wenger (27) hatte sich für die Europameisterschaften ein Mammutprogramm vorgenommen. Neben dem Teamsprint war er noch für die 1500 m, 5000 m und das Massenstartrennen gemeldet. Eine Stunde vor dem erfolgreichen Teamsprint wurde er Siebter über 1500 m. «Das war okay und der erwünschte Auftakt in diese dreitägige Serie», gab Wenger zu Protokoll.

Als Zugpferd des dreiköpfigen Schweizer Teams mit Christian Oberbichler und Oliver Grob gelang der erhoffte Medaillengewinn auf den letzten Zentimetern, als Wenger den Weissrussen Gagiev auf der Ziellinie abfangen konnte und seinen Schlittschuh um 0,03 Sekunden schneller über die Ziellinie schob. Das attraktive Format, bei dem immer nach einer Runde ein Läufer des Teams ausscheidet, ist seit fünf Jahren eine Weltcup-Disziplin, aber noch nicht olympisch.

«Wir hatten dann spätabends einige Termine und feierten noch ein bisschen, sodass ich entschieden habe, auf die 5000 m am Samstag zu verzichten. So konnte ich mich ganz auf das Massenstartrennen am Sonntag fokussieren.» In dieser Disziplin gehört Wenger zur absoluten Weltspitze. Als Inlineskater ist er sich die Duelle Mann gegen Mann und die ständigen Rhythmuswechsel auf der 400-Meter-Rundbahn gewohnt. «Ich holte in der zweitletzten Kurve so richtig Schwung, hatte hervorragende Beine und merkte, dass ich mehr Speed hatte als meine Gegner.» In der Zielkurve stürzte neben ihm ein holländischer Konkurrent und riss ihn mit in die Banden. Aus der Traum von der ersten internationalen Einzelmedaille eines Schweizer Athleten an internationalen Meisterschaften. Gewonnen wurde das Rennen von Wengers ewigem Konkurrenten Bart Swings aus Belgien. Diesen hatte er über 1500 m geschlagen.

Saisonhöhepunkt folgt in einem Monat

Neben einem kaputten Anzug und ein paar Schürfungen kam Wenger aber glimpflich davon. «Damit muss man im Massenstart immer rechnen, aber es nervt gewaltig», meinte ein sichtlich niedergeschlagener Livio Wenger noch Stunden nach dem Rennen. «Ich muss mich an der Teammedaille orientieren, die gibt uns allen Schub. Und vor allem hat unser Trainer Kalon Dobbin diesen Erfolg verdient.» Der Saisonhöhepunkt folgt aber erst in einem Monat, wenn Wenger an den Weltmeisterschaften in Salt Lake City das gleiche Programm wie in Heerenveen absolvieren wird. «Ich will dort meine Schweizer Rekorde verbessern», umreisst er seine Zielsetzung. Das würde dann wohl Ränge unter den ersten zehn bedeuten. Im Rennen mit Massenstart will er den Sprung aufs Podest schaffen.

Botschafter an den Jugendspielen

Zuerst geht die Reise aber diese Woche noch ins Engadin. Auf dem St.Moritzer See finden die Eisschnelllaufwettbewerbe im Rahmen der Olympischen Jugendspiele von Lausanne statt. Wenger ist dort sportlicher Botschafter und wird den Nachwuchsleuten aus der ganzen Welt mit Tipps zur Seite stehen. Zudem kann er bei guten Bedingungen für einmal in der Schweiz trainieren. Die direkte Vorbereitung auf die WM findet dann Ende Januar beim Weltcup in Calgary, der Lieblingsbahn von Livio Wenger statt.