Kinder treffen auf eidgenössische Kranzschwinger: Luzern nimmt eine Vorreiterrolle ein

Über das Wochenende luden die Schwingclubs schweizweit zum Schnuppertag. So beispielsweise auch in Ruswil, wo zwei Eidgenossen die 21 Interessierten coachten.

Daniel Gerber
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Eidgenosse Sven Schurtenberger (rechts) vom Schwingklub Rottal und Umgebung war im Ruswiler Bärenmatt-Schulhaus einer der beiden Vorzeigeathleten. (Bild: Corinne Glanzmann (Ruswil, 1. September 2018))

Eidgenosse Sven Schurtenberger (rechts) vom Schwingklub Rottal und Umgebung war im Ruswiler Bärenmatt-Schulhaus einer der beiden Vorzeigeathleten. (Bild: Corinne Glanzmann (Ruswil, 1. September 2018))

Für einmal standen sich am vergangenen Samstag nicht die hünenhaften «Bösen» mit grimmigen Blicken im Sägemehl gegenüber, sondern quirlige Buben, bei denen die Schwinghosen da und dort etwas überdimensioniert wirkten. In Ruswil lernten 21 Knaben den Schwingsport kennen. Statt am Fernsehen zuzuschauen, wie der siegreiche Athlet nach dem Triumph dem Unterlegenen das Sägemehl vom Rücken wischt, landeten und windeten sich selbst darin.

Der Regen am Samstagmittag war für den Schwingklub Rottal und Umgebung von Vorteil: «Das Wetter war einladend», bilanzierte Jungschwinger-Betreuer Thomas Erni. 21 Buben erschienen zum rund zweistündigen Schnuppertag, bei dem Sven Schurtenberger und Philipp Gloggner gleich zwei Eidgenossen aus der Region dem Nachwuchs einen Blick hinter die Kulissen des Schwingsports gewährten. «In den Jahren mit einem eidgenössischen Schwingfest kommen jeweils mehr, weil der Sport dann populärer und auch präsenter ist», erklärt Erni. Nach dem Eidgenössischen 2013 in Burgdorf seien 44 Kids zum Schnuppertag erschienen. Von den jugendlichen Besuchern würden in der Folge pro Jahr zwischen drei bis fünf dem Klub beitreten; dieser umfasst derzeit rund 50 Jungschwinger und 30 Aktive. «Einsteigen können Kinder ab acht Jahren. Vorher macht es wenig Sinn, da es für den Nachwuchs unter diesem Alter keine Schwinganlässe gibt.»

Eidgenosse Philipp Gloggner vom Schwingklub Rottal und Umgebung war im Ruswiler Bärenmatt-Schulhaus einer der beiden Vorzeigeathleten. (Bild: Corinne Glanzmann (Ruswil, 1. September 2018))

Eidgenosse Philipp Gloggner vom Schwingklub Rottal und Umgebung war im Ruswiler Bärenmatt-Schulhaus einer der beiden Vorzeigeathleten. (Bild: Corinne Glanzmann (Ruswil, 1. September 2018))

Zentrales Element aus Zentralschweiz

Der Schnuppertag ist ein zentrales Element, um neue Jungschwinger zu rekrutieren, weiss Thomas Erni. Ebenfalls hilfreich ist der Ferienpass und Schulklassen, die zu Besuch kommen. Mit Roman Wandeler schaffte es kürzlich ein Jugendlicher aus dem Schwingklub Rottal beim eidgenössischen Nachwuchsschwinget in Landquart bis in den Schlussgang. «Er hatte mit elf Jahren mit Schwingen begonnen. Eine solche Erfolgsgeschichte ist motivierend», freut sich Erni.

Roland Albisser, der Präsident des Luzerner Kantonalen Schwingerverbandes erinnert sich: «Diese Schnuppertage wurden in Luzern erfunden.» Damals, vor fünf oder sechs Jahren, wurde der Tag noch im Monat März durchgeführt, also zu Beginn der Schwingsaison. «Der Eidgenössische Schwingverband hat das Konzept übernommen und ihn mittlerweile auf September angesetzt», führt Albisser weiter aus. Der Vorteil dabei ist, dass dieses Datum kurz nach den grossen Schwingfesten Jugendliche für den Schnuppertag zusätzlich animiert. Der Nachteil jedoch ist, dass kurz darauf die Saisonpause folgt.

Gloggner schnupperte dank älterer Brüder

Als der zweifache eidgenössische Kranzsieger Philipp Gloggner (total 29 Kränze, 1 Kranzfestsieg) seine Laufbahn startete, existierte noch kein Schnuppertag. «Meine beiden älteren Brüder schwangen bereits, so nahm mich mein Vater ebenfalls mit in den Schwingkeller.» Auch das sei ein schnuppern gewesen, erinnert sich Gloggner. «Dass es heute einen solchen Tag gibt, finde ich sehr wichtig.» Denn inzwischen boome diese Sportart und es wäre schwierig, in fast allen Trainings auf jemand Neues einzugehen. «Deshalb bietet ein solcher Nachmittag die Chance, dass es dabei alleine um die Rekrutierung des Nachwuchses geht.»

Haben ihren Spass: Jungs im Sägemehl. (Bild: Corinne Glanzmann (Ruswil, 1. September 2018))

Haben ihren Spass: Jungs im Sägemehl. (Bild: Corinne Glanzmann (Ruswil, 1. September 2018))

Schurtenberger spielte zuerst Fussball

«Ein solcher Schnuppertag ist immer lustig, ich mache das gerne», sagt der eidgenössische Kranzsieger Sven Schurtenberger (total 38 Kränze, 4 Kranzfestsiege). «Zuerst schauen die jungen Leute noch etwas komisch, weil sie einen bisher nur aus dem Fernsehen kennen. Das ist für sie sehr interessant.» Er selbst spielte einst bis im Alter von 14 Jahren Fussball. «Dann wurde ich ins Schwingen mitgenommen.» Er ist geblieben und das seit nun zwölf Jahren. Er freut sich über den gegenwärtigen Boom im Schwingen. «Jedes Kranzfest ist im Fernsehen übertragen worden, das hilft enorm.» Gerade solche Schnuppertage führen dazu, dass man mit der Zeit auf noch mehr Talente zurückgreifen könne. «Es ist eine Genugtuung, dass man die Jungen lachen sieht und dass sie diesen Sport ausprobieren. Bei unseren Jungschwingern ist einer, der nach vorne kommen könnte. Die Motivation und die Freude, an die Feste zu gehen, sind die halbe Miete.»

Hinweis: Die Jahrgänge 2007 und jünger trainieren am Dienstag, die Jahrgänge 2003 bis 2006 am Donnerstag, jeweils von 18.30–20.00 Uhr im Schwingkeller des SK Rottal im Bärenmatt Schulhaus in Ruswil. Mädchen sind in Wolhusen willkommen.