Luzerner Spitzenvolleyballer schaffen Historisches: Sieg im Schweizer Supercup

Volley Luzern gewinnt den Supercup gegen Lausanne überraschend mit 3:0. Es ist der erste Titel für ein Zentralschweizer Männerteam.

Stephan Santschi
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Anes Perezic holt mit dem linken Arm aus, sieht die Lücke im Waadtländer Defensivverbund und verwertet den Matchball im Stile eines abgezockten Routiniers. Am Samstag, kurz vor 16.30 Uhr, wurde er Tatsache, der erste Titelgewinn eines Zentralschweizer Männerteams im Volleyball. Volley Luzern bezwang im Supercup den Favoriten aus Lausanne überraschend deutlich mit 3:0 und revanchierte sich damit für die entgangene Chance in der abgebrochenen, letzten Spielzeit. Der Supercup war nämlich die Ersatzveranstaltung für den Cupfinal, für den sich die Luzerner im Februar qualifiziert hatten. «Wir haben die riesige Euphorie über die Coronapause rübergebracht. Jeder einzelne von uns wollte den Sieg etwas mehr, als der Gegner», resümierte Mittespieler Nick Amstutz. «Unglaublich, für die ganze Region ist das einfach eine tolle Sache», schwärmte Libero Jörg Gautschi.

Luzerns Mannschaft und Betreuer feiern ihren Sieg.
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Luzerns Mannschaft und Betreuer feiern mit dem Maskottchen den historischen Erfolg.
Luzerns Ben Hensler, rechts, im Duell mit Lausannes Edin Musabegovic.
Die Lindaren Volley Luzern freuen sich über den Sieg gegen Lausanne UC, am Samstag, 26. September 2020, in der Mobiliar Arena in Guemligen.
Luzerns Dominik Fort, rechts, im Duell mit Lausannes Robert Wojcik.

Luzerns Mannschaft und Betreuer feiern ihren Sieg.

Peter Schneider / KEYSTONE

Erwartet werden konnte er definitiv nicht, dieser Exploit im ersten Ernstkampf nach dem Sommer. Schlüsselspieler wie Edvarts Buivids, Mathis Jucker und Shonari Hepburn hatten den Verein Richtung zahlungskräftigere Schweizer Konkurrenz verlassen. Und auf der Gegenseite stand mit Lausanne ein Widersacher, der zu den nationalen Schwergewichten zählt. Doch nicht der Favorit trumpfte auf, sondern der Aussenseiter. Die Services waren stark, die Angriffe variabel, die Abnahmen präzise. Der neue Passeur Lars Ulrich setzte seine Mitspieler bereits in seinem Luzerner Debüt gekonnt ins Szene und führte das Team zu einem sicheren 25:20 im ersten Satz.

«Karma» – Service im Out wird als Ass gewertet

So feurig wie Luzerns neuer Trainer Alessandro Lodi an der Seitenlinie coachte, so energiegeladen setzten seine Akteure ihren Auftritt fort. Egal, was Lausanne versuchte, Luzern schien das Vorhaben zu durchschauen, blockte reihenweise Angriffe ins gegnerische Feld und erlaubte sich seinerseits in der Offensive kaum Fehler. Selbst als Dominik Fort, der einzige Ausländer in der Startformation der «Bluebrothers», wegen einer Fussverletzung vorübergehend vom Platz musste, kam es nicht zum Bruch, sprang Youngster Darko Mladenovic mit viel Selbstvertrauen ein. Auch das Glück war Luzern hold, ein Service von Ben Hensler landete im Aus, wurde vom Schiedsrichter aber als Ass gewertet. «Das muss Karma sein», mutmasste die Reporterin von Blick TV auf der Tribüne, welches die Partie im Livestream übertrug. Kurz darauf beendeten die Zentralschweizer Satz zwei mit dem Skore von 25:21.

«Wir haben eine harzige Vorbereitung hinter uns. Was der Trainer von uns fordert, war nicht immer einfach umzusetzen»

Im dritten Durchgang drehte das bis dahin enttäuschende Lausanne unter der Regie des Franzosen Adrien Prével doch noch auf und führte mit 23:22. Das Momentum drohte kurz zu kippen, doch Luzern glich aus und Perezic sicherte Luzern mit den beiden letzten Punkten den Sieg. Der 21-jährige Diagonalangreifer, letzte Saison noch ein Mann der zweiten Reihe, trat in neuer Rolle auf und stand sinnbildlich für ein neu sortiertes Team, das die Verantwortung auf zahlreiche Schultern verteilte. «Wir haben eine harzige Vorbereitung hinter uns. Was der Trainer von uns fordert, war nicht immer einfach umzusetzen», erklärte Gautschi. «Im Spiel haben wir nun aber gesehen, dass es funktioniert. Seine Linie ist klar, Spielzug für Spielzug wissen wir genau, was wir zu tun haben.»

«Rindsfilet mit Spargeln» aus Luzerns Gourmetküche

Trainer Alessandro Lodi kommt damit gleich bei seiner Premiere zum ersten Titelgewinn mit Luzern. Vor dem Spiel sagte er, dass es ihm darum ginge, das Spielverständnis der Mannschaft zu fördern und verglich es mit der Arbeit in der Küche: «Wollen wir nur Pasta mit Tomatensauce kochen können oder streben wir nach mehr?» Am Samstag gelang seinem Team schon mal ein vorzügliches Gourmetmenü, «Rindsfilet mit Spargeln», wie Gautschi lachend anmerkte. Und mit Blick auf die am nächsten Sonntag startende NLA-Saison fügte er an: «Das Dessert, das kommt erst noch.»

Volley Luzern - Lausanne UC 3:0
Gümligen BE. – Sätze: 25:20, 25:21, 25:23. – Luzern: Köpfli, Amstutz, Fort, Ulrich, Perezic, Hensler, Gautschi (Libero); Mladenovic, Neubert, Wilmsen. – Lausanne: Harksen, Ineichen (Libero), Wojcik, Rossatti, Musabegovic, Prével, Leeson; Pfund, Lin, Montavon, Sommer, Rueff.

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