Luzerner Unihockey soll die Kräfte bündeln

Die Luzerner Unihockey-Szene steht im Schatten der Konkurrenz aus Zug und Obwalden. Eine Interessensgemeinschaft will dies ändern.

Stephan Santschi
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Geschäftsführer David Huber und Präsidentin Sibylle Zurfluh vom UHC Sursee waren Gastgeber des IGLU-Infoanlasses.

Geschäftsführer David Huber und Präsidentin Sibylle Zurfluh vom UHC Sursee waren Gastgeber des IGLU-Infoanlasses.

Bild: Bachmann Photography (Sursee, 7. März 2020)

«Aktuell polieren alle Vereine ihre Eisblöcke, um möglichst bequem darauf sitzen zu können. Mit der Interessengemeinschaft möchten wir diese Eisblöcke zu einem gemütlichen und warmen IGLU zusammenbauen, von dem wir alle profitieren können.» Mit dieser Metapher erläutert David Huber die aktuelle Situation in der Luzerner Unihockey-Szene und bezieht sich auf das Gärtchendenken, welches seit jeher ausgeprägt sei. Huber ist Kommunikationschef der neuen Interessensgemeinschaft Luzerner Unihockey (IGLU), die für eine Vorwärtsstrategie mit besserer Zusammenarbeit steht.

Zu den Initianten zählen die fünf Vereine aus Luzern, Sursee, Ruswil, Weggis-Küssnacht und Schüpfheim. Am letzten Samstag baten sie zu einer Informationsveranstaltung, die von zwölf der insgesamt 17 Klubs des Kantons besucht wurde. Im Zentrum der Diskussion stand die Nutzung von Synergien, um sowohl den Leistungs- als auch den Breitensport zu stärken. «Uns tut es weh, wenn die besten Talente den Kanton Richtung Zug, Obwalden oder Bern verlassen, weil wir nicht mehr als 1.-Liga-Unihockey bieten können», erklärt Huber. «Diese Vereine haben unsere Talente bisher einfach geschluckt.»

Im Kanton Luzern entsteht drittes Leistungszentrum

Das eigene Aushängeschild ist Unihockey Luzern, das auf dem Grossfeld in der 1. Liga spielt. Bei den Frauen finden sich die ersten Teams auf dem Grossfeld sogar erst in der 2. Liga (Schüpfheim, Eschenbach). Der Blick über die Kantonsgrenze hinaus zeigt, dass Zug United bei beiden Geschlechtern ein NLA-Team stellt und dass in Obwalden die Männer von Ad Astra Sarnen auf höchster Stufe spielen. «Unser Ziel ist es, mittelfristig auch im Kanton Luzern Nationalliga-Unihockey anbieten zu können», hält Huber fest.

Im Mai soll nach Zug und Sarnen ein drittes Zentralschweizer Leistungszentrum eröffnet werden – verteilt auf die Standorte Luzern, Emmen und Ruswil. «Wir möchten eine U12- und eine U14-Equipe unter dem Dach der IGLU führen», sagt Huber. Die grössten Talente werden dabei zusätzlich zu den Übungseinheiten in den Stammvereinen auch mit den Kantonalauswahlen trainieren. Auf U16-Stufe wird Unihockey Luzern dank des Aufstiegs nächste Saison in der höchsten Stärkeklasse antreten. Auch dieses Team soll mit Spielern aus anderen Klubs unterstützt werden. «Mittelfristig ist es unser Ziel, diese Zusammenarbeit über die U18- und U21-Stufe bis zu den Aktiven weiterzuentwickeln.»

Für die ersten beiden Saisons wird ein Aufwand von 41000 respektive 43000 Franken budgetiert, sagt Huber, der sich an der Gründungsversammlung, die voraussichtlich am 3. April stattfinden wird, als Geschäftsführer des Leistungszentrums zur Wahl stellen wird. Ob weitere Klubs zu den fünf Initianten stossen, ist noch offen. Aktuell diskutieren die Vorstände das Thema intern und sollen bis spätestens am 13. April ein Feedback geben. «Die Stimmung ist interessiert, aber es herrscht auch Skepsis», berichtet Huber, der beim UHC Sursee als Geschäftsführer und Sportchef amtet. So kam der Einwand, dass es neben dem Zentralschweizer Unihockeyverband (ZUV) und dem Kantonalverband kein weiteres Gremium brauche. «Es ist daher gut möglich, dass wir auch die Leitung im Kantonalverband übernehmen», so Huber. Dort wäre man froh, wenn man die Aufgaben abtreten könnte. Diese würden sich ohnehin nur noch auf das Einfordern der kantonalen Sportfördergelder und die Übernahme der Vereinsangaben an den ZUV reduzieren.

«Wir müssen auch kleinen Vereinen etwas bieten»

Ein weiterer Kritikpunkt ist der zu starke Fokus auf den Leistungssport. «Kleinen Vereinen müssen wir auch etwas bieten, damit sie bei uns mitmachen», ist sich Huber bewusst. Potenzial für eine Kooperation gebe es auch hier reichlich. «Vereine wie Richenthal, bei denen wegen Juniorenmangels bis zu sechs Jahrgänge miteinander trainieren, könnten im Nachwuchs gemeinsame Teams mit umliegenden Vereinen bilden.» Auch Frauen- und Juniorinnen-Abteilungen sollen gestärkt werden. Zudem möchte die IGLU Skilltrainings (Dribbeln, Passen, Schiessen) anbieten. «Diese wären für Jugendliche jeglichen Niveaus offen.» Auch gemeinsame Trainingslager oder Aushilfen bei Schiedsrichtern seien denkbar.