Mountainbikerin Linda Indergand: «Momentan verzichte ich auf gefährliche Wege und Trails»

Profi-Bikerin Linda Indergand kann vorderhand keine Rennen bestreiten. Trotzdem hat sie ihre Motivation nicht verloren – und sie erzählt, wieso sie aktuell vorsichtig ist.

Urs Hanhart
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Wegen der Coronakrise steht die Sportwelt schon seit geraumer Zeit völlig still. Unzählige Veranstaltungen sind inzwischen bereits abgesagt oder verschoben worden, und niemand weiss, wann der Sportbetrieb wieder losgeht. Nach langem Hin und Her hat sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) kürzlich dazu durchgerungen, die Olympischen Sommerspiele, die im Sommer in Tokio hätten stattfinden sollen, um ein Jahr auf 2021 zu verlegen. «Ich finde diesen Entscheid aus verschiedenen Gründen richtig. Für uns Sportler herrscht nun endlich Gewissheit, und wir können uns darauf einstellen. Zudem geht die Gesundheit vor, und man sollte keine unnötigen Risiken eingehen», sagt die Urner Mountainbikerin Linda Indergand, und sie fügt noch an: «Wir Schweizer Sportler dürfen noch draussen trainieren. Jene in Italien, Frankreich und Spanien hingegen haben diese Möglichkeit nicht, was natürlich einen grossen Nachteil darstellt.»

Kein unnötiges Sturzrisiko eingehen

Die 26-jährige Silenerin, die vor vier Jahren bei den Olympischen Sommerspielen in Rio im Cross-Country-Rennen den sensationellen 8. Platz belegt hatte, befindet sich trotz der Unklarheit, wie es in dieser Saison weitergeht, noch immer voll im Training. Allerdings hat sie einiges umgestellt, wie sie verrät: «Momentan verzichte ich darauf, gefährliche Wege und Trails zu befahren. Es geht darum, kein unnötiges Sturzrisiko einzugehen und die Unfallgefahr so gering wie möglich zu halten. Ich möchte nicht im Spital landen und anderen, die es dringend benötigen, ein Bett wegnehmen.» Ihr Krafttrainingsprogramm absolviert die Profi-Bikerin derzeit zu Hause und nicht mehr in einem Fitnesscenter, die bekanntlich alle geschlossen sind. Zudem sind sämtliche geplanten Trainingslager abgesagt worden.

Die Urner Profi-Bikerin Linda Indergand würde auch diese Saison gern Vollgas geben.

Die Urner Profi-Bikerin Linda Indergand würde auch diese Saison gern Vollgas geben.

Urs Hanhart (Andermatt, 30.6.2019)

Zurzeit ist völlig ungewiss, wann die Saison bei den Bikern so richtig los- beziehungsweise weitergeht. Trotzdem hat die Weltklassefahrerin nicht mit Motivationsproblemen zu kämpfen. Dazu sagt sie: «Es tut mir nur schon gut, frische Luft zu tanken und aus den eigenen vier Wänden zu kommen. Irgendwann werden wieder Rennen stattfinden. Darauf freue ich mich. Nach der Olympia-Verschiebung gibt es noch mehrere grosse Ziele, wie etwa die Welt- und Europameisterschaften sowie Weltcup-Rennen, auf die man sich seriös vorbereiten muss. Dadurch ist man automatisch motiviert.» Tokio war und ist weiterhin eines der grossen Ziele von Indergand. Ihre Vorbereitung ist allerdings nicht explizit auf Olympia ausgerichtet. Das Ticket für die Teilnahme hat sie nämlich noch nicht in der Tasche, zumal bei den Schweizer Bikerinnen eine enorme Leistungsdichte herrscht und mehrere Akteurinnen für die wenigen Startplätze in Frage kommen.

Ein guter Winter stimmt zuversichtlich

Ihren aktuellen Formstand kann die gelernte Kauffrau mit Matura logischerweise nicht richtig einschätzen, weil aufgrund der Rennabsagen die direkten Vergleiche zu den Konkurrentinnen fehlen. Immerhin ist sie aber zuversichtlich, auf dem richtigen Weg zu sein. «Ich hatte einen sehr guten Winter und konnte wunschgemäss trainieren. Im Vergleich zu den Vorjahren habe ich nur geringfügige Änderungen vorgenommen. Jedenfalls habe ich eine gute Basis und fühle mich sehr fit. Der Saison, sofern sie dann mal beginnt, schaue ich zuversichtlich entgegen», erklärt die schnelle Urnerin.

Indergand versucht, aus der aktuellen Situation das Bestmögliche zu machen. «Wie für alle anderen ist es auch für mich gewöhnungsbedürftig, wenn man sich nicht mehr so frei wie sonst bewegen kann und Abstand halten muss», sagt sie und ergänzt: «Ich tue mein Bestes, um mich nicht anzustecken und die anderen zu schützen. Aber es wäre sicherlich verfehlt, jetzt voll in Panik zu machen und überhaupt nicht mehr rauszugehen.»