Nationalteam statt Erholung heisst es für einen Spieler von Ad Astra Sarnen

Marcel Kramelhofer (27), Unihockey-Verteidiger von Ad Astra Sarnen, spielt für Österreichs Unihockey-Nationalteam.

Melk von Flüe
Drucken
Teilen
Marcel Kramelhofer (am Ball) holte sich bei der österreichischen Nationalteam neue Motivation. Bild: Simon Abächerli (Sarnen, 12. Oktober 2019)

Marcel Kramelhofer (am Ball) holte sich bei der österreichischen Nationalteam neue Motivation. Bild: Simon Abächerli (Sarnen, 12. Oktober 2019)

Ad Astra – zu den Sternen: Der Vereinsname des NLA-Unihockeyclubs aus Sarnen trifft auf Marcel Kramelhofer im doppelten Sinn zu. Einerseits ist der 27-jährige Verteidiger auf die laufende NLA-Saison hin zu den Obwaldnern gestossen. Andererseits möchte er mit dem Nationalteam von Österreich nach den Sternen greifen. Der österreichisch-schweizerische Doppelbürger strebt mit Österreich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2020 an.

«Das ist ein hochgestecktes Ziel», gibt sich Kramelhofer realistisch, «aber wir geben alles, was in unserer Macht steht, um es zu erreichen.» Am Qualifikationsturnier in Lettland, das am 29. Januar 2020 startet, trifft Österreich (24. der Weltrangliste) auf Deutschland (5.), Gastgeber Lettland (8.) und Frankreich (32.). Nur der Gruppensieger ist direkt für die WM qualifiziert, der Zweite muss die Barrage bestreiten.

Captain und Leaderfigur

Kramelhofer muss also mit Österreich eine Top-10-Nation hinter sich lassen, will er an der WM 2020 dabei sein. «Wir haben ­einige routinierte Spieler, die ein gutes Niveau aufweisen, im Team», sagt Kramelhofer. Doch der Teamleader ist er selbst: Am Wochenende führte er Österreich als Captain am «Alps Adria Cup» in Slowenien aufs Feld. Mit dem zweiten Rang nach Siegen über Italien (3:2) und Ungarn (6:4) sowie der Niederlage gegen Slowenien (5:10) ist der 27-Jährige bedingt zufrieden, denn «Slowenien wäre auch schlagbar gewesen». Obwohl er seit 2013 im Nationalteam spielt, seien die Einsätze für Österreich immer wieder speziell: «Vor allem die Qualifikation für die WM ist etwas Besonderes. Dort spielen wir gegen die besten Teams der Welt.»

Österreicher-Sprüche der Teamkollegen

Gegen die besten Teams der Schweiz spielt Kramelhofer mit Sarnen. Während seine Teamkollegen sich von den Meisterschafts- und Cup-Strapazen erholten (siehe Kasten), absolvierte er drei weitere Partien. «Ich konnte Spielpraxis sammeln», sieht der Verteidiger das Positive. «Durch die Leaderrolle im Nationalteam erhoffe ich mir auch einen Kick bei Ad Astra.» Und die Freude am Unihockey überwiege klar die Müdigkeit.

Obwohl Kramelhofer in der letzten Saison noch in der 1. Liga bei Luzern spielte, ist ihm die Anpassung an das NLA-Niveau einfacher als erwartet gelungen. «Die Saison mit Luzern war früh zu Ende. Ich habe deshalb schon früh individuell trainiert und mich physisch auf die NLA vorbereitet», sagt der 27-Jährige, der von 2015 bis 2017 bereits für Ad Astra in der NLB auflief. Gelegentliche Österreicher-Sprüche der Teamkollegen nimmt Kramelhofer gelassen: «Ich glaube, sie freuen sich für mich, dass ich für das Nationalteam spielen kann.» Und fügt mit einem Schmunzeln an: «Aber sie würden es nie zugeben.»

Ad Astra will gegen Chur punkten

Unmittelbar vor der Nationalmannschaftspause gelang Ad Astra Sarnen der erste Sieg in der NLA (4:3 nach Verlängerung in Langnau). Nach dem Cup-Out gegen Thun tags darauf waren die Batterien bei den Obwaldnern leer – physisch und auch im Kopf, wie Co-Trainer Roger Hänni sagt. Man habe das Training ein paar Tage reduziert, dann aber wieder an der Physis gearbeitet. Morgen Samstag empfängt Ad Astra in der Dreifachhalle Chur Unihockey (20.00). «Eine Wundertüte, die an einem guten Tag jedes Team schlagen kann, aber auch hin und wieder schlechte Tage einzieht», analysiert Hänni den nächsten Gegner. Bei den Sarnern herrscht nach dem Sieg über Langnau die Gewissheit, dass man gegen Strichteams – wie Chur Unihockey eines ist – gewinnen kann. Mit intakter Moral streben die Obwaldner die ersten Heimpunkte in der NLA an. (mvf)


Männer, NLA. 10. Runde. Freitag. 19.00: Köniz – Langnau. – Samstag. 16.30: Wiler-Ersigen – Waldkirch-St. Gallen. – 18.00: Winterthur – Malans. – 19.00: Thun – Zug United (MUR). Grasshoppers – Uster. – 20.00: Ad Astra Sarnen – Chur (Dreifachhalle). Rangliste (alle 9 Spiele): 1. Grasshoppers Zürich 26. 2. Wiler-Ersigen 24. 3. Malans 19. 4. Waldkirch-St. Gallen 14 (58:53). 5. Zug United 14 (53:57). 6. Chur 14 (40:50). 7. Köniz 13. 8. Uster 12. 9. Rychenberg Winterthur 10 (49:50). 10. Tigers Langnau 10 (33:44). 11. Thun 4. 12. Ad Astra Sarnen 2.