Ski alpin: Neustart für einen Entlebucher Autodidakten

Gabriel Aregger bestreitet diese Woche zwei Europacup-Rennen in Zinal. Keine Selbstverständlichkeit für den Rennfahrer aus Hasle.

Peter Gerber Plech
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Gabriel Aregger aus Hasle beim Training in Schüpfheim. Bild: Patrick Hürlimann (Schüpfheim, 7. Dezember 2019)

Gabriel Aregger aus Hasle beim Training in Schüpfheim. Bild: Patrick Hürlimann (Schüpfheim, 7. Dezember 2019)

Patrick Huerlimann

Überraschungen, solche mit positivem Inhalt, sind im Sport das Salz in der Suppe. Der Entlebucher Gabriel Aregger durfte innert kürzester Zeit gleich zwei solche erleben. Und es sollen, geht es nach dem 22-Jährigen, Überraschungen der nachhaltigen Art sein. Relativ kurzfristig hatte der junge Mann aus Hasle erfahren, dass er für die beiden in Val Gardena (ITA) stattfindenden FIS-Abfahrten einen Startplatz bekommen wird. Das kam für den Fan des amerikanischen Basketballs insofern überraschend, weil er seit Ende Winter 2018/19 noch keinen einzigen Trainingstag auf den langen Skiern absolviert hatte.

Improvisieren war also angesagt. Ein Telefongespräch mit Richard Grab von der Firma Stöckli löste immerhin schon mal das Problem des fehlenden, genügend eingefahrenen und schnellen Skis. Für die zweite Überraschung sorgte dann Aregger selber. Er, der im Training nur die 45. Zeit erreicht hatte, konnte sich im ersten Rennen trotz Startnummer 68 durchsetzen. Dabei liess der Luzerner als Sieger diverse Kader-Athleten von Swiss-Ski ebenso hinter sich wie die gesamte internationale Konkurrenz. Und quasi als Bestätigung dieser Leistung legte er am Tag danach – wieder mit Startnummer 68 – mit einem 4. Platz nach.

«Ich hoffe, dass diese Resultate so etwas wie ein Startschuss für erfolgreiche Zeiten sind», sagt Aregger. In Val Gardena soll quasi das Fundament für «Gabriel Aregger 2.0» gelegt worden sein. Das Rennfahrer-Gen steckt seit jeher in ihm drin. Sein Vater, Lorenz Aregger, zog sich schliesslich auch Renndress, Handschuhe und Helm an und raste die Pisten hinunter. Ebenso seine beiden Brüder. Im Vergleich zu diesen aber hat Gabriel den längeren Atem. Er will Richtung Weltcup. Unbedingt. Weil er aber keinem Swiss-Ski-Kader angehört und er für das Mittun in einem Nationalen Leistungszentrum schon zu alt ist, muss der gelernte Dachdecker diesen Weg alleine gehen. «Ohne die finanzielle Unterstützung von familiärer Seite wäre das alles nicht möglich», sagt Gabriel Aregger.

Die Schneetrainings absolviert Gabriel Aregger oft im Bündnerland. In der Person von Clemens Caderas hat er einen Trainer gefunden. Die Vorbereitung im Sommer zieht der Entlebucher aber alleine durch. Während die Swiss-Ski-Fahrer auf professionelle Betreuung in Magglingen zählen können, quält er sich alleine, ohne Vorgaben oder Vergleichswerte von anderen Athleten. Gabriel Aregger sieht das nicht als Nachteil. «Ich habe ein ziemlich gutes Körpergefühl entwickelt und weiss, was mir gut tut, wo ich noch arbeiten muss und wo die Schwerpunkte zu legen sind.»

«Ich will im Weltcup angreifen»

Am Donnerstag und Freitag kann der 179 Zentimeter grosse Gabriel Aregger in Zinal zwei Super-G bestreiten. Es werden dies – nach Wengen 2018 und 2019 – seine Europacup-Rennen Nummer drei und vier sein. Er weiss, dass er dort schnell sein muss. Nur so wird Swiss-Ski-Trainer Franz Heinzer auch in Zukunft auf ihn setzen. Nur so kommt er dem grossen Ziel näher. «Ich will im Weltcup und auf den schwierigsten Pisten angreifen», sagt er. Gabriel Aregger ist sich bewusst, dass der Weg dorthin noch einiges beinhaltet. Er kennt aber auch den Fall Daniele Sette. Der Bündner hat als 27-Jähriger und nach einem langen Weg als Einzelkämpfer im Frühling den Sprung in die Swiss-Ski-Kader geschafft. So lange möchte Aregger nach Möglichkeit nicht warten.