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Dagmerseller Handballer wagen Neustart mit einem NLA-Profi

Dagmersellen gewinnt das 2.-Liga-Derby gegen Willisau problemlos mit 31:22. Ein ehemaliger tschechischer Nationalspieler bringt die Mannschaft nach dem Abstieg wieder auf Vordermann.
Stephan Santschi
Der Dagmersellen Fabian Häfliger im Duell mit Willisau-Keeper Andreas Schmidli. Bild: Boris Bürgisser (Dagmersellen, 23. Februar 2019)

Der Dagmersellen Fabian Häfliger im Duell mit Willisau-Keeper Andreas Schmidli. Bild: Boris Bürgisser (Dagmersellen, 23. Februar 2019)

«Verunsichert und psychisch labil», so hat Martin Prachar die Mannschaft im letzten Jahr vorgefunden, als er das Traineramt beim TV Dagmersellen übernahm. Die Luzerner Hinterländer waren nach 30 Jahren im interregionalen Handball in die 2. Liga zurückgestuft worden, der Frust war gross. «Wir alle haben Fehler gemacht», sagte Präsident Peter Staub zusammenfassend für sämtliche Involvierten.

Doch das ist Vergangenheit. Die Dagmerseller, die einst sogar in der NLB spielten, sind wieder auf dem Weg nach oben. Am vorletzten Wochenende gewannen sie den regionalen Cupfinal. Und am vergangenen Samstag siegten sie im Derby gegen Willisau vor 300 Zuschauern souverän mit 31:22 – es war der siebte Meisterschaftssieg in Folge. Aktuell belegen sie in der Gruppe 4 den zweiten Platz hinter der zweiten Equipe von Muotathal. «Das primäre Ziel ist der Aufstieg in die 1. Liga. Das Potenzial hierfür ist vorhanden», sagt Prachar.

Einst an der Seite eines Welthandballers

Der 39-jährige Tscheche steht für das neue Gesicht des Vereins. Prachar coacht erstmals ein Aktivteam, daneben steht er in seiner letzten Saison als NLA-Profi bei Suhr Aarau. Viel Einsatzzeit hat er dort nicht mehr, zwischendurch werden die Verteidigungsqualitäten des 2,04 Meter grossen und 115 Kilo schweren Hünen aber noch benötigt. Davor spielte Prachar beim BSV Bern Muri und vor seinem Wechsel in die Schweiz in den höchsten Ligen Tschechiens, Spaniens, Rumäniens und Dänemarks. 42-mal lief er für das tschechische Nationalteam auf, unter anderem an der Seite des ehemaligen Welthandballers Filip Jícha. 2008 nahm er an der EM in Norwegen teil. «Ich habe viele Trainer gesehen und erlebt. Oft kamen die Spieler einfach zum Training, ohne Freude», erzählt Prachar. «Klar habe ich als Trainer am Ende das Sagen. Doch der Spass ist bei mir das Wichtigste. Die Egos der Spieler sollen ihre Freiheiten erhalten.»

«Martin integrierte sich schnell in unsere Idylle»

In Dagmersellen ist man mit Prachar jedenfalls zufrieden, sein Vertrag wurde unlängst um ein Jahr bis 2020 verlängert – mit der Option für eine weitere Saison. «Martin ist ein Motivator. Er hat sich schnell in die Idylle unseres Dorfvereins integriert», freut sich Sportchef Silvan Graf. Nach einem sportlich eher harzigen Start sei die Handschrift des neuen Trainers mittlerweile lesbar: «Als aktiver NLA-Profi ist er am Puls der Zeit. Martin lässt einen modernen Handball spielen, das kommt bei uns gut an.»

Prunkstück der Dagmerseller ist, wie könnte es für einen Abwehrspezialisten anders sein, die Defensivarbeit. Das 5:1-System stellt die Gegner vor grosse Probleme, nur etwas mehr als 21 Gegentore kassiert das Team im Schnitt pro Spiel. «Auch das schnelle Umschaltspiel und ein strukturierter Angriff gehören zu meiner Philosophie», berichtet Prachar. Generell sei es ihm von Beginn weg wichtig gewesen, Struktur reinzubringen. «Wenn jeder weiss, was er machen muss, bringt das Sicherheit. Das Handball-Verständnis der Spieler liegt vielleicht bei 60 Prozent. Es ist besser geworden, doch es liegt noch viel Arbeit vor uns.»

Sein zweites Projekt: Burger braten im Food-Anhänger

Die Arbeit in Dagmersellen ist dabei nicht die einzige, der er als Trainer nachgeht. Martin Prachar ist auch Nachwuchscoach in Suhr Aarau, zudem assistiert er Marco Kurth bei B-Ligist Solothurn. «Pro Woche führe ich 17 Trainings. Dazu kommen drei, vier weitere als Spieler.» Braucht ein Routinier nicht einen grösseren Aufwand, um fit zu bleiben? «So viel spiele ich ja nicht mehr», sagt er schmunzelnd. «Ich lebe von meiner Erfahrung.»

Wie weit es für ihn als Trainer gehen soll, hat Prachar noch nicht definiert. «NLA-Trainer würde ich dereinst aber schon gerne werden.» Parallel dazu steht ein zweites Projekt in den Startlöchern. «Ich möchte in einem Anhänger Pulled-Pork-Burger zubereiten und sie an Food-Festivals oder Heimspielen von Suhr Aarau verteilen.» Prachar hat in Tschechien nämlich Gastronomie studiert und in Amerika zwei Jahre lang als Koch gearbeitet.

Modus für Aufstieg ist noch nicht definiert

Den Dagmersellern will er als Nächstes nun das Aufstiegsmenü servieren. Den Modus habe der Verband noch nicht klar definiert, sagt Sportchef Graf. «Wir wissen nicht, ob es Direktaufsteiger oder eine Aufstiegsrunde geben wird. Das hängt von der Anzahl der aufstiegswilligen Teams in den sechs Zweitliga-Gruppen ab.» Fest aber steht: «Wir wollen zurück in die 1. Liga und uns dort etablieren. Zudem möchten wir auch jungen Spielern in den Regionen Willisau, Sursee und Zofingen eine Plattform bieten.»

Hauptrunde, Gruppe 4: SG Seetal – Muotathal 25:31 (18:14). Dagmersellen – Willisau 31:22 (16:11). Muri – SG Zurzibiet-Endingen 35:29 (15:18).

Rangliste: 1. Muotathal 18/31. 2. Dagmersellen 16/26. 3. Muri II AG 17/20. 4. Kriens 16/19. 5. Stans II 17/19. 6. Borba Luzern 15/18. 7. SG Zurzibiet-Endingen 15/16. 8. Willisau 18/15. 9. Sursee 16/12. 10. Malters 17/10. 11. SG Seetal 17/7. 12. Baar/Zug Superbulls 16/5.

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