Obwaldner Turn-Erfolg im Doppelpack

Alisha Hertig (14, Kerns) und Anja Langensand (15, Sarnen) schreiben ein Stück Geräteturngeschichte.

Stefanie Meier
Drucken
Teilen
Alisha Hertig (oben) und Anja Langensand – das Goldduo aus dem Obwaldnerland. Bild: Isabelle Della Torre (Sarnen, 19. November 2019)

Alisha Hertig (oben) und Anja Langensand – das Goldduo aus dem Obwaldnerland. Bild: Isabelle Della Torre (Sarnen, 19. November 2019)

Einmal ganz oben stehen, die Goldmedaille um den Hals, die Rose in der Hand und Tränen in den Augen – ein Traum jeder Geräteturnerin. Für Alisha Hertig und Anja Langensand wurde dieser Traum Wirklichkeit. Dabei hat Alisha Hertig, die Siegerin der Kategorie 5, keine Pasta zum Frühstück gegessen. «Pasta vor dem Wettkampf ist ein Muss. Obwohl ich nicht nervös war, kriegte ich keinen Bissen runter», sagte die gebürtige Nidwaldnerin rückblickend. Die Nervosität kam nach dem Wettkampf, als ihr allmählich bewusst wurde, wie gut der Wettkampf wirklich verlaufen ist. «Ich habe vermutet, dass es weit nach vorne reichen könnte. Aber mit Gold hätte ich nicht gerechnet.»

Nach drei von vier Geräten lag die Sekschülerin auf Siegeskurs. Mit dem Sprung folgte das letzte und unbeliebteste Gerät der 14-Jährigen. Dazu kam, dass sie zwischen dem ersten und dem zweiten Sprung länger wie gewohnt warten musste. «Meine Trainerin hat mich beruhigt und mir Mut zugesprochen.» Wider Erwarten turnte sie auch am Sprung die Höchstnote aller K5-Turnerinnen. «Nebst dem Meistertitel war das ein weiteres Highlight an dieser SM», schwärmte Hertig, «der Sprung liegt mir sonst nicht sonderlich.» Die Gesamtpunktzahl von 37,50 reichte locker zum Sieg.

Anja Langensand – das Powerpaket

Ganz ähnlich und irgendwie doch komplett anders lief es eine Kategorie höher bei Anja Langensand. Sie war schon beim Frühstück kaum zu bremsen. Nicht umsonst gilt die Sarnerin als Powerpaket, hat Energie ohne Ende und trainiert bis zur Perfektion. Je näher aber der Wettkampf kam, desto mehr legte sich ihre Nervosität. Sie wurde immer ruhiger und fokussierter, bis sie schliesslich relativ entspannt dem Wettkampfstart gegenüberstand. «Ich habe mir keinen Druck aufgesetzt und war darauf programmiert, zu turnen und zu geniessen», so die Kantischülerin. Und genossen hat sie es bis zum Schluss, bis ihr die Goldmedaille um den Hals gelegt wurde und sie vor einer applaudierenden Menge langsam realisierte, was sie da gerade geleistet hatte.

Ein Kategorienwechsel steht an

Der Sieg von Anja Langensand war hart umkämpft. Die Note 9,60 an ihrem Paradegerät Reck hatte gerade gereicht, um die Zweitklassierte um winzige fünf Hundertstel zu distanzieren. Lagensand wie auch Hertig, steht ein Kategorienwechsel bevor. Denn das Reglement besagt, dass die Schweizer Meisterin im nächsten Jahr eine Kategorie höher antreten muss. Sie beide freuen sich auf die neue Herausforderung. Im Zentrum steht dabei nicht nur das Erlernen neuer Elemente, sondern auch andere Aspekte wie Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft.

Es muss nicht immer schnell sein

Im Speziellen übt sich Anja Langensand darin, sich genügend Zeit zu geben, um neue Elemente und Bewegungsabläufe zu erlernen. «Manchmal will ich zu schnell zu viel machen und bin dann enttäuscht, wenn es nicht funktioniert. Daran muss und will ich arbeiten», so die noch junge Turnerin. An den Schaukelringen will sie zudem mehr Harmonie und Fluss reinbringen. Und wie sieht es bei Alisha Hertig aus? Ihr Fokus liegt beim Sprung und bei der Beweglichkeit. «Am Sprung bin ich mal gut, mal weniger gut. Da möchte ich vermehrt Konstanz reinbringen und das richtige Timing im Trampolin finden. Meine schlechte Schulterbeweglichkeit wird mir auch oft zum Verhängnis – egal an welchem Gerät», erklärt die Kernserin, deren Lieblingsgerät derzeit das Reck ist.

Im Kopf passiert ganz viel

Mitverantwortlich für den Erfolg der beiden Athletinnen ist unter anderem auch ihre Trainerin Flavia Imfeld. «Sie hat uns super betreut», sind sich die beiden einig. «Ich habe mir zudem antrainiert, die Übungen in Gedanken durchzugehen. Wenn es im Kopf nicht klappt, dann funktioniert es auch am Gerät nicht», erklärt Alisha. Anja’s Ritual ist es, sich kurz vor dem Einsatz mit der rechten Hand auf die linke Brust zu klopfen. «Das haben wir mal im Mentaltraining gelernt.» Es scheint zu nützen. Und die richtige Frisur darf natürlich auch nicht fehlen. Zöpfe sollen es sein.

Die beiden Athletinnen, die schon in jungen Jahren durch ihre Eltern und Geschwister zum Turnen gekommen sind, trainieren vier Mal die Woche. Und sie unterlassen es nicht, sich bei einer Sandra Garibay oder einem Simon Stalder mal was abzuschauen. Wobei: Obwalden ist bereits heute stolz auf ihre beiden Geräteturn-Schweizer-Meisterinnen.